Lieblingsfilme ’99

Bei Schöner Denken (der Heimat des empfehlenswerten Filmpodcasts Die üblichen Verdächtigen) gibt es gerade eine schöne Aktion: Jemand aus dem Freundeskreis der Macher war seit 14 Jahren nicht mehr im Kino, und nun soll dem Ärmsten mal aufgezeigt werden, was er in dieser Zeit alles verpasst hat. Die Reihe heißt “14 Jahre ohne Kino”, und man hat mich gebeten, die Hitliste für das Jahr 1999 zu übernehmen. Ich nenne hier mal meine fünf Lieblinge in alphabetischer Reihenfolge:

Being John Malkovich
Ein leuchtendes Beispiel für die kurze Hochphase des amerikanischen Indie-Kinos, als jedes große Studio sein kreatives Indie-Beiboot hatte, als auch schräge Ideen verwirklicht wurden und diese sogar international relativ erfolgreich waren (schönes Buch zu diesem Thema: Sex, Lies & Pulp Fiction von Peter Biskind). Und schräge Ideen gibt es hier reichlich. Für mich der beste Film des Duos Charlie Kaufmann (Buch) / Spike Jonze (Regie).

Fight Club
Szenen für die Ewigkeit: Edward Norton läuft durch den Ikea-Katalog. Ein schluchzender Meat Loaf. Brad Pitt erklärt die Sache mit den Filmrollen (siehe Bild). Seife. Where is my mind. David Finchers Fight Club hätte es auch in eine Top-5-Liste des Jahrzehnts geschafft. Unverzichtbar.

The Iron Giant (Der Gigant aus dem All)
Der einzige aus dieser Fünferliste, den ich bisher nur einmal gesehen habe (und das auch erst später im Fernsehen, nicht im Kino). Gehört aber trotzdem hierher, denn dieser Film von Brad Bird (der später bei Pixar groß raus kam), einer der letzten großen, nicht ausschließlich an Kinder gerichteten Trickfilme, der in der klassischen 2D-Animation gemacht wurde, ist wahnsinnig charmant und leider total unterschätzt.

Magnolia
Großkunstwerk des Großkunstwerkefilmers Paul Thomas Anderson. Tieftraurig, absurd witzig, sehr episodisch und doch ein Ganzes. Großartige Schauspieler, wunderbare Musik. Pflichtfilm.

The Matrix
Die Wachowski-Brüder haben zwar selbst geklaut wie die Raben, lieferten aber trotzdem einen Film ab, der wie kein anderer Einfluss auf das Action- und SF-Kino des folgenden Jahrzehnts haben sollte. Die beiden Sequels kann (und hat) man weitgehend vergessen, aber Teil 1 bleibt ein Meilenstein des Genres.

Honorable Mentions:
Toy Story 2, American Beauty, The Straight Story, Todo sobre mi madre (Alles über meine Mutter), Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding

Media Monday #45

Diese Woche schaffe ich es sogar mal wieder pünktlich: der allwöchentliche Montagsfragebogen ist da.

1. Der beste Film mit Robert De Niro ist für mich Taxi Driver von Martin Scorsese.

2. Robert Rodriguez hat mit El Mariachi seine beste Regiearbeit abgelegt, weil der bereits all seine Markenzeichen in sich trägt und wie kein anderer für sein Talent steht, mit minimalen Mitteln maximalen Wumms zu produzieren.

3. Der beste Film mit Julianne Moore ist für mich The Big Lebowski von Joel und Ethan Coen.

4. Was bereitet bei genauerem Nachdenken regelmäßig Kopfschmerzen? Zeitreisen.

5. Am Donnerstag startet die Kinoadaption von 21 Jump Street, der Serie mit der Johnny Depp seine Karriere begründet hat. Wie ist eure Meinung zu dem Remake? Toll, überflüssig oder einfach nur egal?

Ich weiß fast nix darüber und das Original habe ich nie gesehen, daher ist mir das relativ egal. Es scheint mir aber eine sympathische Idee zu sein, einen solchen Film nicht als strenges Remake oder Relaunch anzugehen, sondern als eine Komödie, die außer dem Grundprinzip nicht viel mit dem Original zu tun hat.

6. Die beste Krimi-Serie der letzten Jahre ist die massiv unterschätzte ZDF-Reihe KDD – Kriminaldauerdienst, die meiner Meinung nach mit den vielgelobten Qualitätsprogrammen aus den USA mithalten kann. Hervorragender Mix aus einem großen, staffelübergreifenden Kriminalfall, dem eher unerheblichen “Fall der Woche”, und – eigentlich die Hauptsache – reichlich Drama aus dem Privatleben der Polizisten. Alles angesiedelt in einer sehr realistischen Berliner Alltagswelt, temporeich inszeniert und super besetzt mit Leuten wie Manfred Zapatka, Götz Schubert und Anna Fischer. Es gibt drei kurze Staffeln (alle auf DVD verfügbar), eine vierte ist leider nicht in Sicht.

7. Mein zuletzt gesehener Film war The Avengers von Joss Whedon und der war beim zweiten Ansehen noch besser als beim ersten, weil man in 2D viel mehr erkennt. Abgesehen davon ist The Avengers genau jene Sorte Blockcorn-Popbuster, die mir richtig gut schmeckt. Ich hoffe, Whedon darf auch den zweiten Teil machen.

[P.S.: Ich spiele beim Fragebogen-Ausfüllen, wo man ja immer wieder mal in der IMDB oder der Wikipedia nachschlagen muss, gerne das Spielchen "Von A zu B in möglichst wenig Klicks". Habe von Rodriguez zu Julianne Moore vier Klicks gebraucht. Wer bietet weniger?]

Auf DVD: Juan de los Muertos (Juan of the Dead)

(Vorbemerkung: Auf DVD ist der Film noch nicht erschienen, sondern läuft noch im Kino. Als Release-Datum ist der 4. September angekündigt. Die Überschrift rührt daher, dass ich den Film zuhause auf einer Screener-DVD gesehen habe, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der zuständigen PR-Agentur)

Juan lebt in Havanna und ist das, was man vielleicht als “Slacker” bezeichnen könnte, wenn er dafür mit 42 nicht schon ein bisschen zu alt wäre. Er hängt viel rum, erledigt hier und da mal ein mehr oder weniger legales Geschäft, schiebt zwischendurch eine Nummer mit einer kubanischen Schönheit und dann hängt er wieder rum, vor allem mit seinem nicht ganz so schlauen Kumpel Lázaro. Allzu viel bekommen wir jedoch vom Alltagsleben der Protagonisten nicht mit, denn schon sehr bald begegnen uns und ihnen immer mehr Untote. Die sind angriffslustig und hungrig und müssen deshalb möglichst effektiv erledigt werden. Juan, Lázaro und ein paar weitere Freunde und Verwandte entdecken schnell, dass sie darin recht talentiert sind und beschließen, aus diesem Talent ein Geschäftsmodell zu machen: “Wir töten ihre Liebsten”. Wer einen zum Zombie mutierten Onkel, Bruder oder Großmutter hat, ruft Juan und muss sich nicht um moralische Skrupel scheren.

Soviel zum Plot des Films, viel mehr ist da auch nicht. Denn Regisseur Alejandro Brugués geht es in Juan de los Muertos, dem, jawohl, “ersten kubanischen Zombie-Film”, nicht um eine fesselnde, spannende oder gar sinnvolle Story, sondern um eine möglichst spaßige (Splatter-) Komödie. Das ist, wenn man ein Herz für makaber-schwarzen Humor hat, durchaus amüsant und witzig, allerdings verlässt sich Brugués allzusehr auf Running Gags, die mit zunehmender Laufzeit immer unlustiger werden. Hihi, einer der selbsternannten Zombiejäger kann kein Blut sehen, haha, ein anderer killt gerne mal aus Versehen die Lebenden statt die Toten – derlei Gags werden leider überstrapaziert und nerven auf Dauer.

Da Juan of the Dead auf eine interessante Figurenentwicklung oder eine überzeugende Bedrohung ebenso verzichtet wie auf eine Erklärung oder Auflösung der plötzlich ausbrechenden Zombie-Epidemie oder gar innere Logik (mal sind die großen Plätze der Hauptstadt leer und verlassen, dann wieder wimmelt es von Zombies – wieso?), bleibt es bei einer launigen Nummernrevue aus Gags und reicht daher bei weitem nicht an Vorbilder wie den brillanten Shaun of the Dead heran. Wem die Gagparade nicht ausreicht, dem bietet immerhin der ungewöhnliche Schauplatz ein wenig Frische. Karibisches Sommerflair, der verwaschene Look und ein paar dezente politische Einsprengsel (im Staatsfernsehen werden die Zombies als “Verschwörung von Dissidenten” angekündigt) heben den Film ein wenig über sein Durchschnittsniveau. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass man aus dem Thema “Zombies in Kuba” wesentlich mehr hätte herausholen können als “just another zombie comedy”.

Die Trailerschau macht Pause

Wertes Publikum,

schon die Trailerschau von letzter Woche habe ich nicht geschafft, und diese Woche wird das auch nix. Und der ganze Mai ist ohnehin viel zu voll mit Arbeit und Terminen. Das Format braucht also (wieder mal) eine kleine Pause, und kehrt dann, voraussichtlich im Juni, mit Vollgas zurück.

Media Monday #44

Und wieder ein neuer Montag. Heute ist doch Montag, oder …?

1. Der beste Film mit Guy Pearce ist für mich The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert von Stephan Elliott. Ja, Memento und L.A. Confidential sind auch gut, aber Priscilla ist was Besonderes.

2. Paul Thomas Anderson hat mit Magnolia seine beste Regiearbeit abgelegt, weil das so ein rundum wunderbarer Film ist: seltsam, berührend, großartig. Und sogar Tom Cruise ist darin super! (War aber eine schwere Entscheidung, denn eigentlich sind alle Anderson-Filme sehr sehr gut.)

3. Der beste Film mit Mila Kunis ist für mich Black Swan von Darren Aronofsky. Hat die sonst noch irgendwas interessantes gemacht?

4. Gibt es einen Film, der geplant und bereits im Gespräch war, letztlich – oder bisher – noch nicht produziert worden ist, auf den ihr euch aber sehr gefreut hättet?

Dieses Dune-Projekt, bei dem Alejandro Jodorowsky, Moebius und H.R. Giger mitmischten, wäre bestimmt ein Erlebnis geworden. Ansonsten ist hier natürlich Terry Gilliams Don Quixote zu nennen, der immerhin die schöne Scheiter-Doku Lost in La Mancha hervorgebracht hat. Und vielleicht wird ja doch nochmal was aus dem Film.

5. In sich abgeschlossene Miniserien finde ich ein gutes und interessantes Format, das man gerne öfter bedienen könnte. Nicht im Kino, da brauch ich nichts Serielles, aber für DVD und Fernsehen gerne.

6. Filme mit mehreren Episoden und Erzählsträngen sind zwei Paar Stiefel. Wie schon in Frage 5 erwähnt: Ich will im Kino schon gerne eine komplette Geschichte sehen, nicht “Teil 2 von 3″ oder sowas (Bei Lord of the Rings mach ich ‘ne Ausnahme). Aber wenn ein Regisseur gerne viele Erzählstränge in einen Film packt und damit umgehen kann, finde ich das toll.

7. Mein zuletzt gelesenes Buch war Bohnenwelt von Larry Marder (jahaaa, Comics sind auch Bücher!) und das war im allerbesten Sinne sonderbar, weil Marder hier ein ganz eigenes, sehr verrücktes aber in sich völlig schlüssiges Universum geschaffen hat, das vielseitig interpretierbar ist. Meine Rezension dazu kann man hier lesen.

Im Kino: The Avengers (Marvel’s The Avengers)

Die Idee ist fast so alt wie der Superheldencomic selbst: Man nehme eine Handvoll bekannter Helden und lasse sie gemeinsam als Team antreten. Mit The Avengers setzt Marvel diese Idee nun erstmals im Kino um. Die Besonderheit: Die verschiedenen Superhelden werden (mit einer Ausnahme) von denselben Schauspielern verkörpert, die sie bereits in den Vorgängerfilmen spielten.

Seit Marvel die Filmrechte an seinen Figuren nicht mehr nur an externe Studios vergibt (wie z. B. im Fall von X-Men oder Spider-Man), sondern Filme in Eigenregie selbst produziert (den Anfang machte Iron Man im Jahr 2008), baute man kontinuierlich an dem, was von Anfang an zu den speziellen Erfolgsfaktoren des Comicverlags gehörte: ein zusammenhängendes Universum, in dem die erzählten Geschichten spielen. Iron Man findet also in derselben Welt statt wie Thor, was unter anderem an Kurzauftritten von Samuel L. Jackson zu erkennen war, der als Nick Fury, Leiter der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., ein Team von Spezialagenten zusammenstellt. Die Verträge mit den Hauptdarstellern wurden so gestaltet, dass sie nicht nur für ihre “eigenen” Filme galten, sondern auch für einem Ensemblefilm, der die Helden zusammenbringt.

Dies geschieht nun in The Avengers: Nick Fury muss sich nicht mehr mit winzigen Gastauftritten nach dem Abspann begnügen, sondern rückt als Hauptfigur ins Zentrum. Er hat den auf Eis gelegten Supersoldaten Captain America aufgetaut, er steht in engem Kontakt mit Iron Man, und auch die Agenten Clint Barton alias Hawkeye und Natasha Romanov alias Black Widow arbeiten für ihn. Letztere schickt er nach Indien, um einen Wissenschaftler aufzuspüren, der sich dort versteckt hält: Bruce Banner, den meisten besser bekannt in seiner wütend-grünen Identität als Hulk. Im Hauptquartier von S.H.I.E.L.D. wird ein kosmischer Würfel untersucht, der schon am Ende des Thor-Films zu sehen war. Dieser Würfel scheint nicht nur eine enorme Energiequelle, sondern auch die Verbindung zu einer anderen Dimension zu sein. Durch dieses Portal kommt schon nach wenigen Minuten Laufzeit der Bösewicht des Films auf die Erde: Thors Bruder Loki reißt sich nicht nur den Würfel unter den Nagel, sondern manipuliert auch gleich noch Hawkeye sowie den Wissenschaftler Professor Selvik für seine Zwecke.

Erfreulich schnell bringt Regisseur Joss Whedon die Handlung in Gang. Mit dem Auftritt von Loki ist der Antagonist und die große Bedrohung, die von ihm ausgeht, bereits präsent, lange bevor das titelgebende Superheldenteam sich endgültig versammelt hat. Den Aufbau des Teams entwickelt Joss Whedon mit gutem Timing parallel zur Jagd nach Loki. Dadurch erhält der Film die so wichtige Balance zwischen rasanter Action und eher ruhigen Momenten, in denen die Figuren und ihre Beziehung zueinander im Mittelpunkt stehen. Hier findet Whedon ausreichend Raum für gelungene Dialoge, für Emotionen und – ganz wichtig – für Humor, der sich vor allem aus den Rivalitäten und charakterlichen Unterschieden zwischen Alphatieren wie Iron Man, Thor oder Captain America speist. Auch wenn das Pendel in der letzten halben Stunde des Films eindeutig zugunsten dröhnender Action ausschlägt, unterscheidet sich The Avengers durch seine starken Figuren (und durch die hohe Qualität der Schauspieler, die sie verkörpern) deutlich von geistlosen Blockbustern à la Transformers.

Weiterlesen bei Comicgate …

Media Monday #43

Heute nur noch mit einem Tag Verspätung: Wulfs wöchentliche Webfragerei.

1. Der beste Film mit Forest Whitaker ist für mich Ghost Dog: The Way of the Samurai von Jim Jarmusch. Sehr toller Film, sehr toller Hauptdarsteller.

2. Gore Verbinski hat mit Rango seine beste Regiearbeit abgelegt, weil das nicht nur ein äußerst spaßiger, sehenswerter und unkonventioneller Animationsfilm ist, sondern – Stichwort Regie – auch auf ungewöhnliche Weise gedreht wurde. Die Tonspur wurde nicht wie üblich in Sprecherkabinen eingesprochen, sondern die Schauspieler agierten, teilweise kostümiert, gemeinsam auf einer Bühne und spielten die Handlung auch aus, wie man hier sehen kann:

3. Der beste Film mit Amy Adams ist für mich The Muppets von James Bobin. Obwohl ich den noch gar nicht gesehen habe (es gab in München nur ganz wenige OV-Vorstellungen, alle am Nachmittag). Aber ich weiß, dass der toll ist.

4. Nach einem durchzechten Wochenende findet man sich oftmals Sonntagnachmittags auf der Couch wieder. Welchen Film würdet ihr für diesen Fall empfehlen?

Ich bin zu alt zu jung zu schlau für durchzechte Wochenenden, also denke ich mir das einfach mal weg und nenne als perfekten Sonntagnachmittagsfilm den wunderbaren The Princess Bride von Rob Reiner.

5. Der schlechteste Film, den Martin Scorsese je gemacht hat, ist der Rolling-Stones-Konzertfilm Shine a Light. Der ist nicht richtig schlecht, aber recht uninspiriert und belanglos (hier hab ich den mal besprochen). Ansonsten hat Marty wohl tatsächlich keinen echten Stinker gedreht, glaub ich.

6. Von den zahlreichen Buch-Reihen, die im Laufe der letzten Jahre verfilmt worden sind, gefällt mir The Lord of the Rings von Peter Jackson am besten, denn diese Trilogie ist im besten Sinne episch und außerdem ging der Trend dadurch erst los. Und natürlich freue ich mich sehr auf die beiden Hobbit-Filme, die gerade in der Mache sind.

7. Mein zuletzt gesehener Film war Juan of the Dead von Alejandro Brugués und der war ganz unterhaltsam aber nicht super, weil er eher eine Nummernrevue mit auf die Dauer ermüdenden Zombiegags war als eine intelligent gewitzte Komödie.

Trailerschau für Filmstarts vom 19.4.

Auf die DVD warten:
Chronicle (Chronicle – Wozu bist Du fähig?): Das Thema “Teenager mit Superkräften” mit den Mitteln des Found-Footage-Films erzählt, von den selbst noch sehr jungen Josh Trank und Max (Sohn von John) Landis. Beginnt wohl recht gutgelaunt, um dann immer düsterer zu werden. Und kostümierte Superhelden kommen hier garantiert nicht vor. Den Videokamera-Look brauche ich nicht unbedingt im Kino, aber als DVD wird der sicher geguckt.

Vielleicht mal im Fernsehen:
L’Apollonide, souvenirs de la maison close (Haus der Sünde): Sittenbild eines Pariser Bordells zur vorletzten Jahrhundertwende. Toll und detailreich ausgestattet und mit Rocksongs aus den 1970ern versehen, sicher ein interessanter Film.

My Week with Marilyn: Biopics sind ja meist dann am besten, wenn sie nicht eine komplette Lebensgeschichte erzählen, sondern sich auf einen bestimmten, möglichst kurzen Zeitabschnitt im Leben einer Persönlichkeit beschränken. So wie hier, wo es um einen Filmdreh von Marilyn Monroe unter Regie von Laurence OIivier geht, während dessen sie den jungen Assistenten Colin Clark verführte. Der hat darüber später ein Buch geschrieben, dass nun als Basis für diesen sehr schön besetzten Film (ist Michelle Williams nicht bezaubernd?) diente.

Sohnemänner: Tragikomischer Vater-Sohn-Beziehungsfilm, der im Schwarzwald spielt, ohne bekannte Namen und mit ganz wenigen, dafür aber sehr positiven Kritiken.

En Kongelig Affære (Die Königin und der Leibarzt): Dänischer Historienfilm über den jungen König Christian VII, dem einflussreiche politische Kräfte einen aufklärerischen Leibarzt an die Seite stellten. Ich bin kein Freund von Kostümdramen, aber das sieht ganz interessant aus. Lars von Trier hatte übrigens (als Produzent und “Script Supervisor”) auch seine Finger im Spiel.

Muss nicht sein:
African Cats (Im Reich der Raubkatzen)
: Disney-Naturfilm mit Raubkatzen. Schönes Licht, schöne Bilder, kitschige Musik, pathetischer Off-Kommentar und bestimmt auch doofe Vermenschlichung der Viecher.

Das Haus Anubis – Pfad der 7 Sünden: Ich kenn mich da nicht aus, aber Das Haus Anubis scheint eine ziemlich erfolgreiche Eigenproduktion des deutschen Nickelodeon-TV-Kanals zu sein, in der Teenager in eine Märchen-Parallelwelt geschickt werden. Der dazugehörige Kinofilm sieht auf uncharmante Weise trashig und billig aus, aber vielleicht gefällt das der Zielgruppe ja. Der Trailer enthält immerhin einen grandiosen Lacher: Stichwort Smudo!

One for the money (Einmal ist keinmal): Rasend unoriginell aussehende Filmversion einer US-Bestsellerreihe von Janet Evanovich über eine Kautionsdetektivin. Während die deutschen Buchcover und -titel ganz unverhohlen jene Leserinnen von Unterhaltungsromanen anspricht, die sich für Hera Lind ein bisschen zu jung fühlen, geht es der Film etwas neutraler an und packt auch ein bisschen Action in den Trailer, so dass sich vielleicht auch ein paar Jungs ins Multiplex verirren könnten. Das Tomatometer steht derweil bei eindrucksvollen 2 Prozent.

Sonst noch:
Anton Corbijn Inside Out: Deutsche Doku über den Star-Fotograf und inzwischen auch Filmemacher.

The Other Europeans in: Der zerbrochene Klang: Ein Klezmer-Ensemble auf Reisen.

Sing Your Song: Doku über Harry Belafontes politisches Engagement von der schwarzen Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre bis zum Anti-Kriegs-Demo von heute. Versprüht leider den Charme dieser fiesen amerikanischen Motivationsposter.