Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 12.06.2013 bis 18.06.2013

Nach einer kleinen schöpferischen Pause jetzt hoffentlich wieder regelmäßig: empfehlenswerte Links aus meinem Internet.

Im TV: Trainer!

trainer

Mit Tom meets Zizou hat Aljoscha Pause eine hervorragende Fußballdoku vorgelegt, die das Leben und die Karriere eines eher untypischen Fußballprofis zeigte. Der Film bot überraschende Einblicke in Sport und Business und man kam dem Protagonisten Thomas Broich deutlich näher, als man es sonst von Fußballern gewohnt ist. Die Erwartungen an Pauses neuen Film Trainer!, der sich wieder dem Profifußball widmet, waren also ziemlich hoch.

Trainer! konzentriert sich nicht auf eine Person, sondern gleich auf vier, die er eine ganze Saison über begleitet. Frank Schmidt vom Drittligisten Heideneim, André Schubert vom FC St. Pauli und Stephan Schmidt vom SC Paderborn 07 (jeweils 2. Bundesliga), dazu Frank Wormuth, der beim DFB die Trainerausbildung leitet. In der 1. Bundesliga war das Projekt “Langzeitbeobachtung” wohl nicht möglich, daher kommen einige prominente (Ex-) Trainer (u.a. Jürgen Klopp, Armin Veh, Hans Meyer) in kurzen, zwischendurch eingeflochtenen Interviews zu Wort.

Pause begleitet also diese Trainer durch die Saison 2012/13, die dann tatsächlich für zwei von ihnen abrupt mit einer Entlassung endet. Und auch bei Frank Schmidt gibt es kein echtes Happy End: Er ist mit dem 1.FC Heidenheim zwar ziemlich erfolgreich, verfehlt aber das selbstgesetzte Ziel Aufstieg ganz knapp. Wir lernen die beiden Schmidts und André Schubert als Typen kennen, die sich in Wesen und Charakter recht deutlich unterscheiden. Und als vierter im Bunde darf der Fußballlehrerlehrer Wormuth erklären, warum es so unterschiedliche Trainertypen geben kann, darf und muss.

Das Privatleben der Porträtierten bleibt weitestgehend außen vor, aber auch vom Berufsalltag bekommt man im Film überraschend wenig mit. Am besten gelingt das bei Frank Schmidt (vielleicht, weil man als Filmteam in der Dritten Liga näher rankommt als eine Klasse weiter oben): Ihn sehen und hören wir vor, nach und während dem Spiel in der Kabine, bei echten Trainingseinheiten und bei deren Vorbereitung. Von solchen Szenen hätte man sich viel mehr gewünscht: Wie läuft eigentlich ein Training ab? Wie vermittelt man Taktik? Wie entscheidet ein Trainer über die Aufstellung? Was passiert, wenn ein neuer Spieler verpflichtet wird? Was macht ein Trainer am Abend vor einem wichtigen Spiel? Wie “coacht” er während des Spiels? Wie arbeitet er mit seinen Co-Trainern zusammen (Co-Trainer kommen in dem Film überhaupt nicht vor)?

In Trainer! tauchen diese Fragen leider fast gar nicht auf. Stattdessen sehen wir sehr, sehr viele talking heads, es wird fast ununterbrochen gesprochen (neben den vier “Hauptfiguren” und den Trainerpromis gibt es auch Statements von Spielern, Managern, Beratern und Trainer-Azubis) und nicht immer sind das tiefgründige Einblicke, sondern oft auch die gleichen oder ähnliche Standardphrasen, die man auch im Aktuellen Sportstudio und anderswo zu hören bekommt. Bebildert ist der Film furchtbar unoriginell: es gibt ein paar Spielszenen (untermalt mit nerviger, immer wiederkehrender Instrumentalmusik), eingeblendete Zeitungsausschnitte und immer wieder Aufnahmen von autofahrenden Trainern am Steuer.

Am spannendesten wird Trainer! immer dann, wenn es im Club nicht läuft wie geplant, wenn es Misserfolge gibt und die Trainerstühle wackeln. Dann entsteht eine kleine Dramaturgie und ein bisschen Spannung. Interessant ist auch die Begleitung von André Schubert, der sehr früh in der Saison seinen Job verliert und erst einmal arbeitslos ist. Doch bevor der Film hier in die Tiefe gehen könnte, muss schon wieder der Schauplatz gewechselt und zum nächsten Trainer geschnitten werden. Die Menge an Protagonisten macht den Film unnötig hektisch – vielleicht wäre es besser gewesen, sich in einer Miniserie jeweils nur einem Trainer pro Folge zu widmen, anstatt alles in einen langen Film zu packen.

Pauses Film ist durchaus sehenswert, wenn man wissen möchte, aus welcher Perspektive die Trainer auf ihren Beruf blicken. Es bleibt aber der Eindruck: Trainer! hätte total interessant werden können, schafft es aber viel zu selten, durch die Oberfläche durchzudringen und Erkenntnisse zu liefern, die man vorher noch nicht hatte. Am Ende bleibt vor allem hängen: So ein Trainerjob ist extrem anstrengend, die Öffentlichkeit sehr fordernd, Scheitern gehört dazu und das Leben geht weiter. Alles Dinge, die man eigentlich schon vorher gewusst hat.

(Anmerkung: Besprochen wurde die 90-minütige Fernsehfassung des Films, die vor wenigen Wochen im WDR zu sehen war.  Parallel erschien ein 138-minütiger Director’s Cut auf DVD/BluRay, der auch in ausgewählten Kinos gezeigt wird)

Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 22.04.2013 bis 25.04.2013

Empfehlenswerte Links aus meinem Internet:

  • Quoovie – the quiz app for movie lovers
    Quoovie ist eine neue Quiz-App fürs iPhone, auf der man sein Filmwissen testen kann (u.a. mit Zitateraten, Plakate- und Filmmusik-Erkennen). Man spielt gegen andere Spieler, die man über Twitter oder Facebook einladen kann. Das Prinzip ist das gleiche wie bei ähnlichen Spielen à la Song Pop oder Draw Something. Wer sowas mag und glaubt, ein wenig Filmwissen zu haben, ist hier genau richtig. (Disclosure: Ich habe ein bisschen beim Beta-Test des Spiels mitgemacht und kenne den Entwickler über ein paar Ecken.)
  • Europacup KO-Runden: Nur gefühlte Heimvorteile
    Es wird nach Europacup-Auslosungen ja immer gerne geheult, wenn man zuerst zuhause antreten muss und das entscheidende Rückspiel auswärts bestreitet. Ist das wirklich ein Nachteil? Das Königsblog hat mal nachgerechnet.
  • NEON.de – Gesellschaft – Ich pochere das an!
    Max-Jakob Ost guckt die Jauch-Talkshow zum Thema Uli Hoeneß (Rekord-Einschaltquote!) und prangert an: “Es wird ein Thema diskutiert, dessen Informationsdichte irgendwo zwischen porös und luftig liegt.”

Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 04.04.2013 bis 13.04.2013

Empfehlenswerte Links aus meinem Internet:

  • Podcast: hr2 Wissenswert – Meilensteine der Popmusik
    Hervorragende Reihe von Klaus Walter, in der er jeden Werktag in einem viertelstündigen Feature einen Song vorstellt, analysiert, einordnet und in Beziehung mit historischen und popkulturellen Kontexten setzt. Derzeit mein absoluter Podcast-Liebling. (via Nerdcore)
  • The Career of Paul Thomas Anderson in Five Shots on Vimeo
    Ein “Videoessay”, das die beeindruckende Kameraführung in Filmen von Paul Thomas Anderson anhand von fünf Beispielen analysiert.
  • Roger Ebert dead at 70 after battle with cancer – Chicago Sun-Times
    Ich habe den Namen Roger Ebert zum ersten Mal wahrgenommen, als ich längere Zeit mit der CD-ROM “Cinemania 95″ verbrachte, auf der zahlreiche Kritiken von ihm (und anderen Kritikern) gesammelt waren. Als dann das Internet kam, stieß man immer wieder auf ihn und seine Filmkritiken. Nicht zuletzt, weil er in den letzten Jahren ein häufiger und aktiver Nutzer der sogenannten “neuen Medien” war. Ein regelmäßiger Leser seiner Texte war ich nie, bewundern tue ich ihn und seine Haltung trotzdem. Spätestens seit ich 2010 diesen bewegenden Esquire-Text gelesen habe, in dem es darum geht, wie Ebert damit umging, dass ihm seit einer Operation der Unterkiefer fehlte.
  • „Und dafür zahle ich GEZ!“
    Autor und Radiomann Philip Meinhold über den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk und warum wir gerne Rundfunkgebühr (nicht “GEZ”!) zahlen sollten. Sehe ich ganz genau so und auch wenn die hier aufgeführten Argumente alle nicht neu sind, sind sie hier noch einmal gut und schlüssig zusammengefasst.

Oblivion und die angebliche Graphic-Novel-Vorlage

Basiert der neue Film mit Tom Cruise auf einem Comic (neudeutsch: Graphic Novel)? Angeblich ja, das behaupten jedenfalls zahlreiche Rezensionen und Promotexte zum Film, u.a. auch bei Spiegel Online. Den Comic selbst jedoch kann niemand gelesen haben, denn den gibt es gar nicht. Ich habe mal ein bisschen geforscht und das für Comicgate aufgeschrieben:

“Oblivion” und seine nicht existierende Comicvorlage

Comictexte im März

Ich bin ja nach wie vor beim feinen Onlinemagazin Comicgate zugange, habe aber in den letzten Monaten vernachlässigt, meine Beiträge dort auch hier im Blog zu verlinken. In Zukunft werde ich das wieder tun – hier also die Beiträge des letzten Monats:

Rezension: Vakuum
“Sehr starkes Debüt, das seine morbid-verstörende Teenage-Angst-Story souverän erzählt”

Rezension: Avatar: Der Herr der Elemente 1-3 – Das Versprechen
“Überraschend tiefgründige und mehr als solide Weitererzählung des populären TV-Stoffes”

Frisch aus der Druckerei: Februar 2013
Mein monatlicher Rückblick auf die interessantesten Comic-Novitäten

Links der Woche, Ausgaben 9-12/2013
Meine wöchentliche Linkschau im weltweiten Comicdorf

Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 20.03.2013 bis 28.03.2013

Empfehlenswerte Links aus meinem Internet:

  • Wo der Helikopter noch landen kann, ist es für den Hubschrauber schon zu eng « ReLü
    Hochinteressanter Text über das Film-Übersetzen für Untertitel und die Besonderheiten dieser Arbeit, von der man im Allgemeinen ja nichts mitbekommt, am Beispiel von “End of Watch”. Außerdem hat ReLü noch weitere Artikel zum Thema veröffentlicht. (via irgendwem aus der weltbesten Twitter-Timeline)
  • A Newbie’s Guide to Publishing: Obsolete Anonymous
    Eine Therapierunde mit VHS-Kassetten, Trödelläden, Faltkarten und all den anderen Verlierern der Digitalisierung. Das neue Mitglied Verlagsbranche befindet sich allerdings noch im Stadium des Leugnens. (Re-Posting eines drei Jahre alten Artikels von Romanautor J.A. Konrath, der in der Zwischenzeit nur noch wahrer geworden ist)
  • Weltmarktführer im Büßen
    Ekkehard Knörer regt sich über den ZDF-Kriegs-Dreiteiler und vor allem dessen lobhudelnde Rezeption in den Feuilletons auf:

    Unsere Mütter, unsere Väter ist ein von jeder inneren ästhetischen Spannung befreites Volkserziehungsunternehmen. Dafür ist Geld da. Bei sowas steht das versammelte Feuilletonwesen Nationalhymne bei Fuß.

  • Kontroversum
    Ein neuer Film-Podcast, von dem ich noch keine Sekunde gehört habe, ihn aber trotzdem hier reinpacke, denn die Besetzung sieht vielversprechend aus, und außerdem gilt das, was die Jungs in ihrer Selbstbeschreibung sagen:

    Wir finden, dass es zu wenig deutschsprachige Podcasts gibt, die sich mit dem Thema Film auseinandersetzen.

Auf DVD: The Adventures of Tintin (Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn)

Gute drei Minuten lang macht dieser Film richtig viel Spaß. Dann ist der Höhepunkt leider schon vorbei. Ein famoser Vorspann und die ersten Sekunden des Films mit einem Gastauftritt von Meister Hergé persönlich bezaubern mit liebevollen Reminiszenzen an die Comicvorlage, doch das war es dann auch schon mit der Herrlichkeit. Was folgt, ist ordentliches, handwerklich perfektes, aber uninspiriertes und über weite Strecken uninteressantes Abenteuerkino.

Einen Teil der Probleme erbt Das Geheimnis der Einhorn von der Comicvorlage: Der Hauptteil des Drehbuchs basiert auf zwei Tintin-Geschichten aus den Jahren 1943/44. Auch die erzählen eine aus heutiger Sicht nicht wahnsinnig originelle Geschichte und die beiden vermeintlichen Hauptfiguren – Reporter Tim und sein Hund Struppi – sind auch bei Hergé keine richtigen Identifikationsfiguren und Sympathieträger. Sie sind eigentlich ziemlich egal, die Musik macht das Drumherum (die Settings, die Geschichten, die Nebenfiguren, die Zeichnungen). Leider streicht das Filmdrehbuch mit Professor Bienlein eine der wichtigsten Nebenfiguren. Bleibt noch das tölpelhafte Slapstick-Duo Schulze und Schultze sowie der eigentliche Star des Films, Käpt’n Haddock (im Original wirklich gut verkörpert von Andy “Gollum” Serkis).

Diese schickt Steven Spielberg auf eine abenteuerliche Schatzsuche über verschiedene Kontinente, zu Lande, zu Wasser und in der Luft, ganz klassisches Genrekino eben. Das ist alles überaus solide gemacht, besitzt teilweise optische Wucht und der Soundtrack von John Williams donnert recht schön darüber. Es ist nur leider auf sonderbare Weise komplett egal. Es wird nie klar, warum hier alle so aufgeregt auf der Jagd sind und welchen Zweck das Abenteuer eigentlich verfolgt. Man fiebert nicht mit, man schaut halt zu, die Figuren sind egal und bestenfalls amüsiert man sich über den Suffkopp Haddock  (eigentlich erstaunlich, dass in einer Hollywood-Multimillionen-Produktion für Kinder eine der Hauptfiguren Alkoholiker sein darf).

Wenn man bedenkt, welche überaus wohlklingenden Namen hinter diesem Projekt stecken, kann man das Ergebnis nur als große Enttäuschung verbuchen. Da sind nicht nur Steven Spielberg als Regisseur und Peter Jackson als Produzent, sondern vor allem auch ein Drehbuch-Trio, das hohe Erwartungen weckte: geschrieben von Steven Moffat (Showrunner von Doctor Who und  Sherlock), bearbeitet von Edgar Wright (Shaun of the Dead, Hot Fuzz, Scott Pilgrim) und Joe Cornish (Attack the Block). Dass diese Hochkaräter dem Stoff so wenig Esprit und Dialogwitz entlocken können, ist schon erstaunlich.

Bliebe noch die Animation: Spielberg wollte ursprünglich einen Realfilm drehen, entschied sich dann jedoch für das Motion-Capture-Verfahren. The Adventures of Tintin wurde also mit Schauspielern an einem Filmset gedreht, ist aber trotzdem ein Animationsfilm, jedes Bild entstand letztlich digital am Rechner. Das Ergebnis dieser Technik, sieht inzwischen lange nicht mehr so gruselig aus wie noch in den Motion-Capture-Filmen von Robert Zemeckis (Der Polarexpress, Beowulf – Stichwort “Uncanny Valley”). Und trotzdem wirken die meisten Figuren in diesem Film merkwürdig seelenlos, alles fühlt sich unfassbar künstlich an.

Dabei hätte es eigentlich keinen Grund gegeben, Tim und Struppi nicht auch als Realfilm zu inszenieren. Zwar sind die Gesichter der Figuren teilweise karikaturistisch verfremdet, das bleibt aber meist dezent und hätte bestimmt nicht unechter ausgesehen, wenn man einen guten Maskenbildner seine Arbeit hätte machen lassen. Ich werde es wahrscheinlich nie verstehen: Warum steckt man irsinnigen Rechenaufwand in digitale Animation, nur damit es am Ende möglichst realistisch aussieht? Warum ein fotorealistisches Ölbild malen, wenn man es einfach fotografieren kann?

Was den Abenteuern von Tim und Struppi also an allen Ecken und Enden fehlt, ist Charme. Sowohl inhaltlich, als auch auf visueller Ebene. Mit eben diesem Charme hätte man die von der Vorlage mitgegebenen Schwächen der Handlung leicht kaschieren können. Bei Hergé kommt der Charme zu großen Teilen aus seinem grafischen Stil der Ligne Claire, dem Herunterbrechen der Realität auf simple Linien und flächige Farben. Bei Spielberg und Jackson bleibt der Charme bloße Behauptung: Beide betonten zwar beim Promoten des Films unablässig, wie sehr sie das Ausgangsmaterial lieben. Doch in ihrer Technikverliebtheit und ihrem Perfektionismus haben sie den jungen Reporter und seinen Hund leider totgeliebt.