Geguckt im Januar: The Frozen Hateful Fury Abbey Awakens

IM KINO:

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Star Wars: The Force Awakens (Star Wars: Das Erwachen der Macht) von J.J. Abrams
Mit gedämpften Erwartungen reingegangen, äußerst gut unterhalten worden. Ja, das hat Spaß gemacht. Mit Rey, Finn und Poe haben wir drei neue Hauptfiguren, die man sehr schnell ins Herz schließt und von denen man – das ist hier ja wohl nicht unwichtig – noch mehr sehen möchte. Nicht so stark fand ich die Bösewichte, wobei ich zugeben muss, dass in der Figur des Kylo Ren durchaus Potenzial steckt. Ansonsten trifft J.J. Abrams fast immer genau den richtigen Ton, bedient die Nostalgie, ohne es allzu sehr zu übertreiben. Dass er sich letztendlich so nahe am Star Wars-Urfilm entlanghangelt, dass The Force Awakens schon als eine Art Remake durchgeht, verzeihe ich für den Auftakt dieser neuen Trilogie. Die nächste Episode darf dann aber gerne noch ein bisschen origineller werden.

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The Hateful Eight von Quentin Tarantino
Der neue Tarantino ist – Überraschung! – wieder ziemlich tarantinesk geworden. The Hateful Eight hat zwar all die bekannten Tarantino-Trademarks, aber diesmal in einer sehr ausgeruhten, extrem lässigen Form ohne jede Hektik. Dem habe ich sehr gerne zugesehen, auch und gerade in den angeblich langatmigen oder -weiligen Passagen, bis der Film blei- und bluthaltiger wird (und zwar ziemlich derbe und ausführlich, was es für mich so nicht gebraucht hätte). Es macht großen Spaß, dem Cast (großteils aus alten Weggefährten des Regisseurs bestehend) beim Spielen zuzusehen. Praktisch jede Figur ist einen Tick übertrieben angelegt, alle sind Karikaturen, aber keine ist so überzogen, dass es nerven würde. Ganz so stark wie die Vorgänger fand ich den Film nicht, aber sehenswert ist er unbedingt. Ennio Morricones Musik ist selbstverständlich großartig, leider hört man im Film nur sehr wenig davon.

 

BEIM STREAMINGDIENST:

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Orange Is The New Black, Season 2
Wenn über die Qualität der von Netflix & Co. selbst produzierten Serien geschrieben und geredet wird, wird von OitnB im Vergleich zu House of Cards noch immer viel zu selten geschwärmt. Diese Gefängnisserie, die in einem Frauenknast spielt und lose auf wahren Begebenheiten basiert, ist für mich die perfekte Definition einer „Dramedy“ – selten sieht man Komödie und Drama, Tragisches und Witziges so sehr und so gut ineinander verschränkt. Ging es in der ersten Staffel noch ganz klar um Piper Chapman als Hauptfigur, wird die zweite Season ganz deutlich zum Ensemble-Stück, wo in jeder Folge andere Figuren nach vorne treten. Und was für tolle Figuren das sind! Orange  ist ein Fest der „Diversity“, hier sind quasi sämtliche Hautfarben, Körperformen und sexuelle Orientierungen vertreten. Natürlich werden da auch Klischees benutzt, diese werden aber auch oft gebrochen oder zumindest spielerisch verwendet. Die Figuren, ihre Herkunft, ihr Charakter und ihre Motivationen sind die Basis dieser Serie und sind wichtiger als die vordergründige Handlung im Gefängnis. Feine Serie, fulminantes Staffelfinale. Bald wird weitergeguckt.

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Frozen (Die Eiskönigin – Völlig unverfroren) von Chris Buck und Jennifer Lee
Als alter Animationsfilmfreund wollte ich dann doch mal sehen, wie dieser Film so ist, der auf dem (leider extrem durchgegenderten) Merchandise-Markt für Kinder ein schier unglaublicher Erfolg geworden ist. Frozen ist ganz nett für einen kalten Winterabend, weitestgehend der typische Disney-Märchenfilm mit (zu) viel Gesang und lustigen Sidekicks. Nur dass die Prinzessinnen heute erfreulicherweise moderner daherkommen, weil sie nicht darauf angewiesen sind, vom Prinz gerettet und als dessen Trophäe abgeholt zu werden. Trotzdem hat mir der sehr ähnlich angelegte Vorgänger Tangled besser gefallen. Der hatte etwas mehr Schwung, etwas mehr Biss. Frozen ist schon arg konventionell in seiner Geschichte und Erzählweise, und bei all den frostigen Szenen im Eisschloss musste ich mehrmals sehnsüchtig an den Ice King aus Adventure Time denken, der das ganze mal schön hätte aufmischen können mit etwas anarchischem Witz und Weirdness, die bei Disney halt komplett fehlt.

 

AUF DVD:

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Mad Max: Fury Road von George Miller
Mit hohen Erwartungen die Scheibe eingelegt, denn was man im Frühsommer so hörte, ist dieser Film ja ungefähr das Geilste seit Erfindung des Actionkinos. Nunja. Das sah schon alles irre gut aus, ein grandioses Spektakel in Gelb und Rot, formal ist das fraglos was Besonderes in der aktuellen Actionkino-Landschaft. Ein Destillat, das auf konventionellen Plot so weit wie möglich verzichtet, um möglichst viel vom puren Action-Kern freizulegen. Das ist saucool und wurde super umgesetzt, insofern: Daumen hoch.
Aber: Für mich (der ich die ersten drei Mädmäxe nie gesehen habe) war das nicht viel mehr als ein knapp zweistündiges Heavy-Metal-Musikvideo. Das reicht mir aber nicht für einen Film. Ich muss irgendwo andocken können, an einer Figur, an einer Motivation, an irgendwas, damit ich beginne, mich für das, was da erzählt wird und was mit den Leuten passiert, zu interessieren. Hier sehe ich eine Freakshow von lauter Irren, die ich nicht kenne, die aus Gründen, die ich nicht verstehe, verrückte Dinge tun. Sieht derbe aus, nimmt mich aber nicht mit. Halbwegs andocken konnte ich erst irgendwo zwischen Minute 80 und 90(!), also vor dem Finale, wenn Mad Max, Billy Corgan und die dünnen Mädchen auf die alten Frauen treffen. Da schaltet der Film endlich mal für ein paar Szenen einen Gang zurück, erklärt ein bissl was und schafft mit ein paar Dialogzeilen etwas Empathie für die Figuren. Das hätte ich mir deutlich früher gewünscht.
Als der Abspann von The Force Awakens lief, habe ich mich darauf gefreut, in der Fortsetzung mehr Zeit mit den Figuren zu verbringen und zu schauen, wie es weitergeht. Beim Abspann von Fury Road war ich einfach nur erschöpft.

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World War Z von Mark Forster
Im Herbst hatte ich das gleichnamige Buch von Max Brooks gelesen, das mir ganz gut gefiel, vor allem wegen seiner originellen Präsentationsform als „Oral History“. Also interessierte mich auch der Film, und der hat mit dem Buch bis auf den Titel und die Prämisse einer weltweiten Zombie-Seuche so gut wie gar keine Gemeinsamkeiten mehr. Das muss nichts Schlechtes sein. World War Z interpretiert das Zombie-Subgenre als Katastrophenfilm, präsentiert in den ersten zwei Dritteln pompöse, beeindruckende Weltuntergangsbilder von Emmerich’schen Ausmaßen, fährt dann aber im letzten Drittel runter auf Kammerspieldimensionen: Der finale „Endkampf“ findet in einem abgeschlossenen Gebäude statt, die Lage bleibt für den Zuschauer übersichtlich, ein schöner Kontrast zu dem, was davor kam. Man kann das ganz gut gucken, wirklich überzeugend ist es aber nicht, dafür hat der Film zu viele Schwächen und Logiklöcher. Von der Originalität und Schlüssigkeit der Buchvorlage ist er meilenweit entfernt. Trotzdem interessant zu sehen, wie ein Zombiefilm mit Blockbuster-Budget und PG-13-Rating aussieht.

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Downton Abbey, Series 4
Die bis dahin schwächste Staffel dieser prächtig-britischen Ausstattungs-Soap-Opera. Historisch-politische Zeithintergründe spielen immer weniger eine Rolle, stattdessen gibt es noch mehr Drama, Intrigen und Gedöns. Das sind oft Handlungsstränge, die man sehr ähnlich schon in früheren Staffeln gesehen hat. Und eine Entwicklung der Figuren findet zwar statt, aber nur äußerst zaghaft. Die allermeisten Figuren haben sich seit ihrem ersten Auftreten eigentlich kaum verändert. Aber vielleicht ist das ja auch der Grund dafür, dass man die Serie trotz ihrer Schwächen immer noch gerne sieht: Man hat all die Lords und Ladies, die Footmen und Maidens so lange begleitet, dass man sie immer gerne wiedersieht. Und wenn’s allzu sehr nervt, kommt bestimmt wieder ein umwerfender Oneliner von Maggie Smith und reißt alles wieder raus.

 

VOM FESTPLATTENRECORDER:

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Kofelgschroa – Frei. Sein. Wollen von Barbara Weber
So prätentiös wie der Titel ist dieser Dokumentarfilm glücklicherweise nicht. Es geht um die Oberammergauer Band Kofelgschroa, die jeder, der sich für Musik mit alpenländischen Anklängen interessiert, unbedingt kennen muss. Auf Off-Sprecher wird verzichtet, die Musiker und ihre Musik dürfen für sich sprechen. Der zentrale Aspekt, der im Film rüberkommt: Kofelgschroa will eigentlich nur in Ruhe Musik machen, alles andere (ganz besonders Interviews, Fernsehauftritte und ähnliches) ist ein notwendiges Übel. Es ist nicht mal eine bewusste Anti-Mainstream- oder Anti-Kommerz-Haltung, sondern eher ein grundsätzliches Unbehagen mit den Mechanismen des Musik- und Unterhaltungsmarkts. Wenn man den Film gesehen hat, ist es jedenfalls unvorstellbar, dass Kofelgschroa so wie ihre musikalisch verwandten, aber viel populärer aufgestellten Kollegen von La Brass Banda jemals beim ESC-Vorentscheid antreten würden.

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Landauer – Der Präsident von Hans Steinbichler
Als FC-Bayern-Anhänger, der sich auch für die Historie des Vereins interessiert, sollte man sich zwingend auch mit Kurt Landauer beschäftigen, der dreimal Präsident des Clubs war, als Jude 1933 sein Amt aufgeben musste, nach dem Zweiten Weltkrieg aus seinem Schweizer Exil zurückkehrte und noch einmal FCB-Präsident wurde. Der Verein selbst hielt das Andenken an diese Persönlichkeit lange Zeit in keiner Weise hoch, das kam erst auf Initiative der Südkurven-Fans zustande. Im Zuge dieser „Wiederentdeckung“  entstand auch dieser Fernsehfilm, eine BR-Produktion, die stilistisch vor allem dadurch auffällt, dass zwischendurch Originalaufnahmen vom zerbombten München nach Kriegsende zu sehen sind, in die Hauptdarsteller Josef Bierbichler digital reinmontiert wurde. Ansonsten ist Landauer ein ziemlich konventionelles Biopic, das den Konventionen des 20:15-Uhr-Sendeplatzes gerecht werden muss und relativ didaktisch daherkommt. Altnazis müssen hier schon so richtig fiese Fressen haben, damit sie auch jeder Zuschauer beim Nebenbei-Bügeln als Böse erkennt, viele Dialoge wirken aufgesagt, die Sprache pendelt unentschlossen zwischen Münchnerischer Mundart und Hochdeutsch. Dank der Klasse eines Josef Bierbichler wird es aber zum Glück nie peinlich. Man kann Zeitgeschichte schon so vermitteln, ich persönlich habe damit aber meine Probleme und lasse mir das lieber in Form von Büchern, Artikeln oder Dokumentationen erklären.

 

IN DEN MEDIATHEKEN:

Die Ostsee von oben von Silke Schranz und Christian Wüstenberg
Die „Irgendwas von oben“-Filme sind im HD-Zeitalter die legitimen Nachfolger der Multimedia-Diashows, die teilweise heute noch durch die Mehrzweckhallen tingeln. Dieser hier folgt dem üblichen Schema und ist nichts, was man zwingend sehen muss. Wenn man seinen nächsten Urlaub allerdings genau in der hier abgedeckten Region zu verbringen gedenkt, dann ist das kein so schlechter Start in die Urlaubsvorbereitung. Dabei ist der Film übrigens nicht nur pure Tourismuswerbung, sondern thematisiert auch unhübschere Aspekte wie den KdF-Komplex in Prora oder das Atomkraftwerk Lubmin.

Außerdem: viel David Bowie bei Arte und beim WDR. Danke dafür! Und: Schulz und Böhmermann bei ZDFneo. Ich mochte schon den Vorgänger mit Charlotte Roche und mag auch diese neue Version. Der Look und das Grundprinzip wurden beibehalten, neu sind die fast immer großartigen Vorstellungstexte von Sibylle Berg. Dass in den Sendungen nicht alles perfekt ist, ist Teil des Programms und gehört so. Leider war es in den vier Folgen sehr häufig so, dass interessante Gespräche im Entstehen waren, dann aber wieder abgewürgt wurden. Am besten gefiel mir Folge 4 (mit Sophie Hunger, Kat Kaufmann, Nikolas Blome und Geiath Hobi), da funktionierte der Mix am besten: ein bisschen Tiefgang, ein bisschen Politik, ein paar Gags, halbwegs ausgewogene Redezeit für alle, unterm Strich eine unterhaltsame Stunde. Profitieren würde die Show von drei Änderungen: zum einen mehr Folgen, damit das Team Routine entwickeln und Gelerntes gleich anwenden kann. Zum anderen sollte man die Gimmicks komplett streichen, die sich die Redaktion für jede Folge neu ausdenkt. Die sollen witzig sein und die Runde auflockern, wirken aber immer nur störend. Und drittens könnte es dem Format gut tun, einen Gast weniger einzuladen. 

 

Zwanzig Fünfzehn

Auch für 2015: Mein kleiner Film- und Kino-Jahresrückblick in Fragebogenform.

Anzahl Kinobesuche 2015: Nur noch 21, davon acht auf dem Filmfest München und eine Pressevorführung. Es fällt mir zusehends schwerer, mich zu einem Kinobesuch zu motivieren und dabei Begleiterscheinungen wie lange Anfahrt, unpassende Spielzeiten, zu viel Werbung, teure Eintrittspreise u.ä. in Kauf zu nehmen.

Die drei Filme des Jahres: Inside Out von Pete Docter, Ex Machina von Alex Garland, Song of the Sea von Tomm Moore.

Den hätte ich gerne im Kino gesehen: Ich habe einiges verpasst, was ich eigentlich sehen wollte. Am meisten stinkt mir das im Fall von Sicario und Mad Max – Fury Road

Den hätte ich lieber nicht gesehen:  Boy 7 von Özgür Yıldırım. Grausamer Versuch, im deutschen Kino jetzt auch mal ein bisschen Hunger Games zu spielen. Passable Schauspieler und brauchbarer Look, aber in Sachen Glaubwürdigkeit sehr schlimm. Mehrfaches Winden im Kinosessel.

Quälendste Filmminute: Wahrscheinlich irgendwas in Tokyo Tribe von Sion Sono. Ein irrer Film, den ich in einer zu heißen Sommernacht, in leicht delirösem (weil übermüdeten) Zustand sah, weshalb er auf mich noch surrealer wirkte als er ohnehin war.  War schon okay so.

Entzückendste Filmminute: Die meisten davon gab es sicher in Shaun the Sheep und in Song of the Sea.

Freudigste Entdeckung: Der Bunker von Nikias Chryssos. Da steckt einiges von Wenzel Storch und Helge Schneider drin, ist aber insgesamt ernst- und rätselhafter und dennoch ein großes Vergnügen. Mochte ich sehr.

Abspann des Jahres: Die End Credits von Big Hero Six waren sehr hübsch:

Leider hierzulande ziemlich untergegangen: Wie üblich ein Ghibli-Film, Erinnerungen an Marnie, der wie üblich nur im Nachmittagsprogramm, und dort auch nur sehr kurz, zu sehen war.

Überraschend gut: Hätte ich ihn schon gesehen, würde ich hier vielleicht Star Wars – The Force Awakens schreiben. Ansonsten blieb eigentlich alles im Rahmen meiner Erwartungen.

Völlig überflüssig: Jurassic World, Terminator Genisys und andere aufgewärmte Franchises.

Why the fucking Hype? Minions, überall Minions.

Aus dem Film bin ich gegangen: Wie immer: aus keinem.

Aus dem Film hätte ich gehen sollen: Boy 7, siehe oben.

Hier hätte ich gerne mitgewirkt: Bei der langsamsten Verfolgungsjagd der Welt, mit Josef Hader und Tobias Moretti durch Graz in Das Ewige Leben.

Knutschen würde ich gerne mit: Nicole, der Kinoangestellten in Whiplash, eine sehr süße Rolle, die vom Drehbuch leider arg schnell und rüde entsorgt wurde. Gespielt von Melissa Benoist, die jetzt als Supergirl fliegt.

Schönster Filmsatz: „not quite my tempo.“ 

Liebste Filmkritik: Ich habe das Gefühl, ich lese und höre seit Jahren die gleichen Kritiker – kann jemand ein paar interessante neue, junge Stimmen empfehlen?

Ich fürchte mich vor: Batman v Superman: Dawn of Justice

Ich freue mich auf: The Hateful Eight, The Hateful Eight, The Hateful Eight. Und den neuen Coen-Film.

Die Fragebögen der Vorjahre: 20142013, 201220112010200920082007 und 2006.
Wer Lust hat, darf diesen Fragebogen natürlich gerne selbst ausfüllen.

 

Lebenszeichen

Weia, ich habe hier ein halbes Jahr nichts veröffentlicht. Dieses Blog mag zwar schon ranzig riechen, tot ist es aber noch nicht. Ich spüre gerade das Ende einer gewissen Blogmüdigkeit und werde hier bald wieder mehr machen. Aktuell schreibe ich gerade nach und nach Dinge auf, die mir zu den acht Filmen einfallen, die ich auf dem Filmfest München gesehen habe. Später findet ihr diese Texte auch hier im Blog, momentan entstehen sie drüben bei Ello.

Ello? Ja, das ist dieses komische neue Social Network, das irgendwie gut aussieht und sich mit interessanten Datenschutz-Versprechungen von der Konkurrenz abhebt. Letzten Herbst gab es auch eine kurze Userschwemme, als sich viele gute Leute dort einen Account angelegt haben. Mittlerweile hat sich Ello technisch ganz gut entwickelt, es gibt dort inzwischen alle Instrumente, die man so braucht (teilen, Herzen vergeben, blocken usw.) – nur inhaltlich passiert halt fast nix, weil nur wenige dort aktiv sind. Das ist schade, und deshalb werden meine Filmfest-Reviews test- und spaßeshalber erst mal dort gepostet.

 

Meine TV-Serien 2014

Alle echten Serienfreaks, die den heißen Stoff ganz frisch konsumieren, möglichst schnell nach Erscheinen, werden sich hier gleich gepflegt totlachen, denn serientechnisch bin ich ziemlich entspannt und unglaublich im Hintertreffen. Klar will auch ich die ganzen supertollen High-Quality-Produkte sehen, aber da es leider viel mehr interessantes Zeug gibt als mein Zeitbudget erlaubt, und ich auch gar nicht jeden Tag fernsehen möchte, warten noch viele viele Stunden ungesehenes Material auf mich. Ich brauche nicht aufgeregt nach der dritten Staffel von Sherlock zu gieren, ich hab ja noch nicht mal die zweite gesehen. Kommt alles noch, eins nach dem anderen. Ich hab Zeit (bzw. eben genau nicht, aber Siewissenwasichmeine).

Was ich auch nicht kann, ist Binge-Watching. Zwei, maximal drei Folgen am Stück sind okay, dann brauche ich eine Pause. Außerdem bin ich auch schlecht darin, mehr als zwei Serien über einen gewissen Zeitraum parallel zu gucken. Man sieht also, mehr als vielleicht zehn Serienstaffeln pro Jahr sind gar nicht drin. Zwielichtige Streamseiten habe ich bislang ebensowenig benötigt wie einen Proxydienst. Alles, was ich 2014 geguckt habe, waren Ausstrahlungen im Free-TV (zeitunabhängig geguckt via Festplattenrekorder). In der letzten Woche des Jahres habe ich dann aber doch mal einen Account bei diesem Streamingdienst eröffnet. Mal sehen, wie das den Serienkonsum 2015 beeinflusst.

Im vergangenen Jahr habe ich also – in chronologischer Reihenfolge – folgendes geschaut (Alle Serienjunkies können hier aufhören zu lesen, es gibt keinerlei Geheimtipps zu entdecken):

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House of Cards, Staffel 1

Kein Arschloch sehe ich mir lieber an als Frank Underwood. Ich bin zwar ziemlich sicher, dass diese Serie kein wirklich realistisches Bild des Politbetriebs in Washington zeigt, dafür aber ein spannendes und faszinierendes. HoC war eins der Aushängeschilder beim Start von Pro Sieben Maxx, wo die Serie im Original mit Untertiteln gezeigt wurde (was ich ohnehin immer bevorzuge). Mittlerweile hat der Sender die OmU-Sendungen gestrichen, die zweite Staffel gab’s nur noch in synchronisierter Form. Aber jetzt hab ich ja diesen Streamingdienst, und da kommt der Stoff ja schließlich her.

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Der Tatortreiniger, Staffel 3 (also die Folgen von Staffel 2 und 3, die Anfang 2014 gezeigt wurden)

Schlicht und ergreifend das Beste, was das deutsche Fernsehen momentan selbst produziert. Okay, ist ja auch nicht schwer, mögen Sie da vielleicht einwenden, aber: ist es eben doch. Hier stimmt alles – Drehbuch, Dialoge, Schauspiel, Setting, Timing. Wahnsinnig komisch, dabei aber auch noch mit Haltung und der Lust, auch ernste Themen mit einzuflechten.

breakingbad

Breaking Bad, Staffel 5/erste Hälfte

Würde ich immer noch als meine Lieblingsfernsehserie bezeichnen. Fand ich von Anfang an toll und mag’s immer noch sehr. Habe das seinerzeit (2010) bei Arte angefangen zu gucken und bin dieser Sendeform treu geblieben. Gerade weil Breaking Bad so gut ist, will ich mir da gar nicht vier Folgen am Stück reinziehen, sondern lasse mir Zeit, schaue zwei bis drei Folgen pro Woche und bereite das ein bisschen nach mit Hilfe von Recaps und Podcasts. Wie bei einem guten Rotwein. Die Abschlussfolgen gab’s bisher leider nicht bei Arte. Aber jetzt hab ich ja den Streamingdienst.

orphanblack

Orphan Black, Staffel 1

Frau stellt fest, dass sie mehrere Doppelgängerinnen hat. Stellt sich raus, dass sie Teil eines großen Klon-Experiments ist und schwupps sind ihr und ihren „Schwestern“ allerlei Interessensgruppen auf den Fersen. Das ist solide, flott erzählte Mystery-SF-Genrekost, die vor allem durch zwei Besonderheiten hervorsticht: Da ist zum einen Hauptdarstellerin Tatiana Maslany, die in einem halben Dutzend Rollen zu sehen ist und es tatsächlich schafft, all ihren Figuren einen eigenen, unverwechselbaren Charakter zu geben (in der deutschen Synchro ist das leider deutlich abgeschwächt). Zum anderen lebt die Serie nicht nur von Thrill, Action und Plottwists, sondern auch von einer schönen Portion Ironie und Humor, was in diesem Genre leider oft zu kurz kommt. Und den Bechdeltest besteht die Reihe übrigens auch spielend.
Staffel 1 wurde bei ZDF neo gezeigt. Die zweite Staffel lief dann Ende des Jahres ebendort und wurde vom heimischen Rekorder auch aufgenommen, doch leider zeigte der Sender ab der dritten Woche dann plötzlich drei statt zwei Folgen, so dass die Aufnahmen leider unvollständig waren. Aber jetzt hab ich ja den Streamingdienst.

mordmitaussicht

Mord mit Aussicht, Staffel 3

Eine Großstadtpolizistin kommt in die tiefste Provinz, um dort eine kleines Dorfrevier zu leiten. Sympathische ARD-Eigenproduktion, der ich von Anfang an treu bin und die in guten Momenten mit Witz, Intelligenz und Liebe zum Detail besticht. Die Quoten werden immer besser, was man von der Qualität der Serie nicht unbedingt sagen kann. Das Prinzip des Culture Clash Großstadt/Provinz läuft sich wohl langsam tot, zudem litten sehr viele Drehbücher dieser Staffel an Unglaubwürdigkeit und Bescheuertheit und die Inszenierung sehr oft an extremer Schnarchigkeit. Trotzdem gab es immer wieder Momente von Loriot’scher Größe, vor allem dann, wenn Dietmar Schäffer, gespielt vom wundervollen Bjarne Mädel (siehe auch Tatortreiniger) im Spiel war. Außerdem hat sich die vorletzte Folge kulturell verdient gemacht, weil sie es schaffte, Studio Braun alias Fraktus prominent ins ARD-Primetimeprogramm zu schmuggeln.  Verdient einen Grimmepreis für den subversivsten Akt des Jahres.  Eine vierte Staffel brauche ich aber eher nicht mehr.

Der Tatortreiniger, Staffel 4 (also die Folgen von Staffel 3 und 4, die Ende 2014 gezeigt wurden)

So langsam scheint der NDR zu merken, was für eine Perle er da im Programm hat. Im Dezember 2014 gab es erstmals ein halbwegs logisches Sendeschema, außerdem ist das Budget für die einzelnen Folgen gestiegen, was man im Ergebnis auch durchaus sieht. Großartigerweise traut man sich inhaltlich noch mehr Experimente zu. So surreale Komik wie die Folge auf dem Amt oder die Episode „Der Fluch“ wäre in den ersten Folgen noch nicht denkbar gewesen. Nach wie vor ist jede Episode sehr gut bis brillant, ich bleibe also dabei: Etwas besseres wird im deutschen Fernsehen derzeit nicht gemacht.