Trailerschau für Filmstarts vom 26.1.

Eine extrem gute Kinostartwoche ist das, Herrschaften. Sicher kein Zufall, dass ein paar Verleihe ihre Filme ganz gezielt in die Woche der Oscarnominierungen gelegt haben …

Im Kino sehen:
Drive: Ich hörte zum ersten Mal von Drive, als ich las, das Nicolas Winding Refn dafür den Regiepreis in Cannes gewonnen hat. Für einen Actionfilm. In Cannes. Da war klar, dass das was Besonderes sein muss. Seitdem bekommt er überwiegend sehr gute bis enthusiastische Kritiken. Ich bin sicher, das Eintrittsgeld wird sich lohnen.

The Artist: Die Geschichte vom Stummfilmstar, der mit der Einführung des Tonfilms zu kämpfen hat. Als Stummfilm in Schwarz-Weiß. Das ist entweder völlig bescheuert oder genial. Hier ist letzteres der Fall – und ich hoffe, das sagen nicht nur die Kritiker, die sich immer freuen, wenn ein Film von ihrem eigenen Lieblingsthema handelt. Golden-Globe-Liebling und Oscar-Favorit 1.

The Descendants (The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten): Oscar-Favorit 2, der neue von Alexander Payne, dessen Sideways und About Schmidt ich sehr mochte. Er kriegt es hin, sehr lebensnah und realistisch zu erzählen und dabei das “normale Leben” um den kleinen entscheidenden Tick zu überhöhen, so dass es besonders wird. Das Thema (Familienvater muss mit Verlust der sterbenden Frau, seinen pubertierenden Töchtern und der Erkenntnis, dass ihn die Frau betrogen hat, klarkommen) klingt erstmal so gar nicht verlockend, aber Payne hat daraus offensichtlich eine sehenswerte, warmherzige Tragikomödie gemacht.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Tage die bleiben: Inhaltlich gar nicht so weit weg von The Descendants, geht es auch hier um einen Vater und seine Kinder, die den Tod der Mutter betrauern. Sieht gar nicht schlecht aus, auch wegen Darstellern wie Götz Schubert (KDD) und Max Riemelt (Im Angesicht des Verbrechens). Schau ich mir an, wenn er spätnachts im Ersten läuft.

Man on a Ledge (Ein riskanter Plan): Eine Auf der Flucht-Variation mit Sam Worthington. Sieht nach halbwegs solider Thriller-B-Ware aus, manchmal ist das ja ganz okay. Herzlichen Glückwunsch auch an die Findungskommission, die sich den deutschen Titel ausgedacht hat: markant, unverwechselbar, originell!

Michael: Österreichischer Anti-Feelgood-Film, der die Fälle Fritzl und Kampusch aufgreift und bewusst auf alles Reißerische verzichtet. Regisseur Markus Schleinzer hat schon für Michael Haneke gearbeitet, was man dem Film wohl auch anmerkt.

Muss nicht sein:
Jack and Jill (Jack und Jill): Was ich im Kino nicht sehen will: Filme, in denen ein Komiker in zwei Rollen als Zwilling auftritt. Was ich auch nicht sehen will: Filme, in denen ein männlicher Komiker eine Frau spielt. Was ich erst recht nicht sehen will: Filme mit Adam Sandler. Und was ich auch nicht sehen will: Filme mit Katie Holmes. Und was ich überhaupt niemals nie ganz und gar nicht sehen will: Jack and Jill.

Sonst noch:
Arirang (Arirang – Bekenntnisse eines Filmemachers): Festivalliebling Kim Ki-Duk hatte eine schwere Schaffenskrise, zog sich in eine einsiedlerhafte Hütte zurück und filmte sich selbst. Außerdem baute er eine Pistole und eine ziemlich coole Kaffeemaschine. Das ist wohl eher was für Leute, die auf Experimentelles stehen.

Fünf Freunde: Weil im Kinderkino immer das am besten funktioniert, was die Eltern aus der eigenen Kindheit noch kennen, gibt es jetzt ein modernisiertes Update der alten Enid-Blyton-Reihe aus dem Hause Constantin Film. Übrigens, falls ihr ‘nen fiesen Ohrwurm braucht:

Media Monday #30

Zeit für einen neuen Fragebogen, wie üblich zusammengestellt vom Medienjournal.

1. Der beste Film mit Cillian Murphy ist für mich Inception von Christopher Nolan.

2. Ethan und Joel Coen haben mit Fargo ihre beste Regiearbeit abgelegt, weil wobei das eine schwere Entscheidung ist. Fast alle Coen-Filme sind sehr gut bis großartig. Fargo aber war, glaube ich, der erste, den ich gesehen habe. Er hat mich nachhaltig begeistert mit seinem grandiosen Figurenensemble, dem vielen Schnee und dem famosen Dialekt (“Yaaaa.”). Und er hat dafür gesorgt, dass Frances McDormand, Willam H. Macy und Steve Buscemi bis heute zu meinen Lieblingen gehören.

3. Der beste Film mit Naomi Watts ist für mich Mulholland Drive von David Lynch.

4. Mein(e) Filmhighlight(s) 2012 kenne ich noch nicht – ich hoffe sehr auf die kleinen Überraschungen, von denen man jetzt noch gar nichts ahnt, weil für diese Filme keine gigantische Blockbuster-Promomaschine läuft. Große Vorfreude herrscht natürlich vor allem auf The Hobbit, aber auch auf The Artist und Drive, auf den neuen Wes Anderson. Und als Animationsfilmfan auf The Pirates! Band of Misfits aus den Aardman Studios und Pixars Brave.

5. Letzte Woche sind „Die Muppets“ in den deutschen Kinos angekommen. Unabhängig davon, ob ihr den Film sehen wollt, bereits kennt oder er euch überhaupt nicht interessiert, wie ist eure Meinung zur Wiederbelebung eines so lange vergessenen und zuletzt nicht mehr sonderlich erfolgreichen Franchise?

Ein klares “kommt drauf an”. Mal funktioniert’s, mal funktioniert’s nicht. Mal hat man drauf gewartet, mal nicht. Im Falle der Muppets: Woohoo! Endlich! Wurde auch Zeit! Daumen hoch! Wobei die Muppets niemals vergessen waren, jedenfalls nicht von mir.

6. Nachdem sich in den letzten Wochen bereits einige als Serien-Fans „geoutet“ haben: Welches ist eure liebste Serienfigur (!) und warum?

Claire Fisher in Six Feet Under. Wandelt sich über die Jahre bzw. Staffeln mehrfach vom aufmüpfigen Gör über den Problemteenager zur aufstrebenden Künstlerin, bleibt dabei aber immer eine glaubwürdige, lebensnahe Figur. Und steht damit stellvertretend für das bis heute beste Familiendrama der TV-Geschichte.

7. Mein zuletzt gesehener Film war Gomorrha von Matteo Garrone und der war ein ziemlicher Downer, weil er sehr realistisch davon erzählt, wie es aussieht, wenn die Mafia regiert. Das ist kein bisschen glamourös, sondern schmutzig, bitter und traurig. Und ohne Hoffnungsschimmer am Ende. Macht keinen Spaß, ist aber unbedingt sehenswert.

Trailerschau für Filmstarts vom 19.1.

Im Kino sehen:
The Muppets (Die Muppets): Hach. Nach vielen Jahren Abwesenheit endlich ein neuer Muppets-Film. Losgetreten, geschrieben und gehauptrollt von Jason Segel (Sie könnten ihn aus How I Met Your Mother kennen). Die Viral-Video-Kampagne, die für den Film seit Monaten gefahren wird, war großartig und schürte ordentlich Vorfreude (hier nochmal alle Parody Trailers im Überblick). Und wenn der Film da annähernd rankommt, wird’s ein schöner Abend. Auf jeden Fall sind hier einige richtig gute Leute mit an Bord, ein Haufen cooler Gaststars und die musikalische Leitung hatte Bret McKenzie (Flight of the Conchords). Jetzt muss ich nur noch ein Kino finden, dass den im Original zeigt (das Münchner Cinema bringt ihn leider nur nachmittags).

Auf die DVD warten:
Kriegerin: Ein Film über ein Teenagermädchen im Neonazi-Milieu — sowas kann ja ganz leicht fürchterlich schiefgehen, scheint hier aber geglückt zu sein. Moviepilot macht mir hier eine 9.0-Prognose, das will schonmal was heißen. Wer die Graf-Serie Im Angesicht des Verbrechens gesehen hat, kennt auch Hauptdarstellerin Alina Levshin. Ein “atemberaubend souveräner und nuancenreichen Auftritt” sei das, schreibt Rüdiger Suchsland bei Telepolis, lobt den Film für seine präzise Milieuschilderung, tadelt dann aber die Wendung im letzten Drittel, wenn “ohne Not emotionalisiert und psychologisiert” wird. Trotzdem bestimmt ein interessanter FIlm.

Vielleicht mal im Fernsehen:
J. Edgar: Leo Di Caprio spielt J. Edgar Hoover, den legendären FBI-Boss. Ich hab’s nicht so mit Biopics, aber es ist ein Clint-Eastwood-Film, was eigentlich für hohe Qualität spricht. Die Zusammenfassung bei Rotten Tomatoes klingt allerdings nicht ermutigend: “Leonardo DiCaprio gives a predictably powerhouse performance, but J. Edgar stumbles in all other departments with cheesy makeup, poor lighting, confusing narrative, and humdrum storytelling.”

Bir Zamanlar Anadolu’da (Once Upon a Time in Anatolia): Filme aus der Türkei, die zu uns kommen, sind in der Regel entweder kreuzdoofe Komödien oder superintellektuelle Autorenfilme. Dieser hier fällt eher in die zweite Kategorie, sieht aber (trotz des sehr wage gehaltenen Trailers) ziemlich zugänglich aus.

Tag und Nacht: Freizügiges österreichisches Drama um zwei Freundinnen, die beschließen, ihr Geld beim Escort-Service zu verdienen. Läuft sicher mal im Spätprogramm bei 3sat.

Muss nicht sein:
Faust: Alexander Sokurow verfilmt Goethe und gewinnt damit den Goldenen Löwen von Venedig. Möglicherweise die ganz hohe Filmkunst? Ich finde da keinen Zugang.

Intruders: Spanischer Horrorfilm mit Clive Owen und Daniel Brühl, der einen in jeder Hinsicht durchschnittlichen Eindruck macht.

Empire Me – Der Staat bin ich!: Macht einen recht wirren Eindruck: Doku über autonome Kleinststaaten wie Christiania oder Sealand.

Mon pire cauchemar (Mein liebster Alptraum): Elegante Dame trifft auf prolligen Arbeiter. Die beiden mögen sich natürlich überhaupt nicht, und wie das dann weitergeht, kann man sich selber ausmalen.

De vrais mensonges (Bezaubernde Lügen): Französische Verwechslungs-RomCom mit Audrey Tautou, die ein bisschen mit dem Cyrano-Motiv spielt. Außer althergebrachten Genre-Standards scheint’s hier nicht viel zu geben.

Media Monday #29

Neue Woche, neuer Fragebogen.

1. Der beste Film mit Matt Damon ist für mich Team America: World Police.

2. Guy Ritchie hat mit Snatch seine beste Regiearbeit abgelegt, weil das eine sau-mäßig unterhaltsame, überaus spritzige Gaunerkomödie ist, mit einem nuschelnden Brad Pitt in einer Paraderolle.

3. Der beste Film mit Christina Ricci ist für mich Sleepy Hollow von Tim Burton. Ich mag sie aber schon seit der Addams Family sehr gerne und find’s schade, dass man sie so selten sieht.

4. Vergleicht man (beispielsweise) die alten Disney-Klassiker unter den Zeichentrickfilmen mit den heutigen Pixar-Animationsfilmen, fallen einem enorme Unterschiede auf. Wie ist eure Meinung zur Entwicklung des Zeichentrick-/Animationsfilm-Genres?

Ich mag viele der Animationsfilme aus dem Computer, insbesondere die von Pixar. Trotzdem hoffe ich, dass der klassische 2D-Zeichentrickfilm noch lange nicht tot ist. Was der nämlich viel besser hinbekommt als die digitale Animation, ist ein eigenständiger, individueller Look. Ein Film wie Das große Rennen von Belleville sieht auf den ersten Blick komplett anders aus als ein Miyazaki-Film, Persepolis wirkt völlig anders als die Simpsons. Der visuelle Eindruck von 3D-Computeranimation hat lange nicht die stilistische Bandbreite des 2D-Zeichentricks. Zumindest bisher nicht.

5. Es kommt immer wieder vor, dass man ins Kino gelockt und von dem dann folgenden Film grenzenlos enttäuscht wird. Was war euer schlimmster Film, für den ihr auch noch eine Kinokarte gelöst habt?

Bei Roland Emmerich bin ich immer wieder auf die reizvollen Trailer reingefallen. Das sah immer lecker aus, die Filme waren aber immer Schrott. Seit seinem Die-Welt-friert-zu-Film habe ich endgültig mit Emmerich abgeschlossen und wir fahren beide gut damit.

6. Filme ohne Happy-End dreht Roland Emmerich nicht.

7. Mein zuletzt gesehener Film war Mission: Impossible 4 – Ghost Protocol und der war überraschend gut, weil er witzig war. Ich wollte den erst gar nicht sehen, ließ mich dann aber überreden und freute mich sehr über das Augenzwinkern und die Selbstironie. Mit sowas kriegt man mich fast immer. Dazu ziemlich spektakuläre Action, wenig CGI und feines Timing, das zwischenzeitlich eine Ocean’s 11-eske Stimmung aufkommen ließ. Weiterer Pluspunkt: Kein 3D! Nur das penetrante Product Placement hat gestört.

Trailerschau für Filmstarts vom 12.1.

Auf die DVD warten:
The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung): An dieser Stelle müsste jetzt eigentlich mein übliches Genöle über unnötige US-Remakes von nicht-englischsprachigen Filmen kommen. Hier mache ich eine Ausnahme, weil …

  • … es sich strenggenommen um die zweite Verfilmung eines Romans und nicht um ein direktes Film-Remake handelt (wie die Produzenten auch mehrfach betonen)
  • … die erste (schwedische) Verfilmung eigentlich gar kein Kinofilm war, sondern ein Fernsehmehrteiler, der nachträglich auf Kinolänge geschnitten wurde
  • … die neue Version ein David-Fincher-Film und somit schonmal grundsätzlich interessant ist
  • … die schwedische Erstverfilmung gar nicht mal so gut war. Neuverfilmungen von brillanten Filmen sind unnötiger Quatsch, aber brillant war Män som hatar kvinnor nicht. Aus meiner Sicht ein ziemlich spannender, gut gemachter TV-Thriller, an dem außer Hauptdarstellerin Noomi Rapace nichts überdurchschnittlich war.

Trotzdem wahrscheinlich eher auf DVD als im Kino, denn die Story kenn ich ja schon.

Reality XL: Mysterythriller um verschwundene Wissenschaftler am CERN. Das extrem seltene Beispiel eines deutschen Films, der tatsächlich independent, also ohne Filmförderung und ohne dicken Produzenten und/oder TV-Sender im Hintergrund gemacht und ins Kino gebracht wurde. Buch und Regie stammen von Tom Bohn, der schon viele Tatorte gedreht hat und es auch schaffte, bekannte Gesichter wie Heiner Lauterbach zu verpflichten. Julian Reischl fand den Film “schauderhaft gut”, die ersten Reaktionen bei moviepilot sind sehr gemischt, ansonsten sind kaum Kritiken zu finden.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Das traurige Leben der Gloria S.: Man sieht’s dem Trailer nicht gleich an, aber das hier ist eine Komödie. Die taz meint gar, zuletzt habe “man sich bei Helge Schneider in einem deutschen Film so gut amüsiert”. Es geht ums Filmemachen, ums prekäre Künstlerleben und das Thema Realität vs. Inszenierung. Könnte ein Geheimtipp sein.

William S. Burroughs – A Man within: Ziemlich interessant aussehende Doku über den Autor und seinen Einfluss auf die Popkultur.

Offroad: Ich bin ja dauerverliebt in Nora Tschirner, nur leider taugen ihre Filme selten was. Scheint hier auch nicht viel besser zu werden, auch wenn sie hier (erstmals?) als echte Hauptdarstellerin im Mittelpunkt steht.

Napapiirin sankarit (Helden des Polarkreises): Finnische Komödie über ein paar kaputte Typen auf einem Roadtrip in Lappland. Schön skandinavisch-skurril oder eher platte Jungs-Komödie? Der Trailer deutet schwer auf letzteres hin.

Muss nicht sein:
Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen: Deutsches Drama um (Stasi-) Vergangenheitsbewältigung, das sehr nach Fernsehen aussieht. Spricht mich irgendwie gar nicht an.

Soul Surfer: Nach erbaulichen Delphinen mit Prothesen (Mein Freund, der Delfin) kommt nun die erbauliche Verfilmung einer “inspiring true story” von einer jungen talentierten Surferin, der ein Hai den Arm abgebissen hat, die es aber trotzdem schafft, Profisurferin zu werden, auch durch ihren Glauben an Gott. Mir schaudert ein wenig.

Sonst noch:
Jørgen + Anne = sant (Anne liebt Philipp): Vielfach gelobter norwegischer Kinderfilm über die allererste Liebe.

The Real American – Joe McCarthy: Vom ZDF koproduzierte Doku über den berüchtigten Kommunistenjäger, mit einer Mischung aus Talking Heads, Originalaufnahmen und nachgespielten Szenen.

Media Monday #28

Ich bin spät dran, aber was solls? Hier ist eine neue Ausgabe des Filmfreundefragebogens aus Wulfs Medienjournal. Mein Senf in fetter Schrift.

1. Der beste Film mit Jesse Eisenberg ist für mich The Social Network. Ein wirklich extrem gelungener Film über ein vermeintlich stinklangweiliges Thema. Lohnt sich auch für die 2% des Planeten, die (wie ich) keinen Facebook-Account haben. Eine honorable mention geht an den zu Unrecht völlig untergegangenen Adventureland, eine sehr hübsche, nostalgische Coming-of-Age-Komödie, die in den 80ern in einem abgehalfterten Vergnügungspark spielt.

2. Danny Boyle hat mit Trainspotting seine beste Regiearbeit abgelegt, weil das damals wirklich ein beeindruckender Film war, der auch mehrmalige Sichtung gut verträgt und für immer einer der Filme der 90er sein wird. Ich mag den Boyle aber generell sehr gerne, auch deshalb, weil er sich nie auf eine Formel oder ein Genre festlegt, sondern sich immer ganz neue Stoffe sucht, die fast immer hochinteressant sind.

3. Der beste Film mit Rachel Weisz ist für mich The Fountain von Darren Aronofsky. Wobei das wiederum Aronofskys schwächster Film ist (“ziemlich überladen mit Symbolik und Bedeutung und leider einer Portion Kitsch-Esoterik”, schrieb ich damals). Trotzdem bleibt der Film im Gedächtnis und damit auch Rachel Weisz’ Performance. Habe ich sie sonst noch irgendwo gesehen? Nicht dass ich wüsste.

4. Jeder hat so seine Filme, die er sich immer und immer wieder ansehen kann. Dafür müssen diese Filme nicht einmal gut oder anspruchsvoll sein. Wenn beispielsweise sonntags nichts Besseres läuft, wenn ihr euch einfach nur berieseln lassen wollt, krank im Bett liegt oder zu anderen Gelegenheiten, welche Filme landen bei euch immer wieder auf der Mattscheibe?

Eigentlich gibt’s zu viele Filme auf der Welt, um die gleichen Filme immer wieder zu gucken. Ich habe auch nur sehr wenige mehr als drei- oder viermal gesehen. Rekordhalter dürfte The Blues Brothers von John Landis sein, den ich zuerst wegen der Musik und der Gaststars mochte, dann als lustigen Partyfilm liebte und erst später als einen hoch amüsanten Actionfilm mit einer der tollsten und längsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte schätzte.

5. Fernab von sympathischen und/oder attraktiven SchauspielerInnen oder präferierten Genres; habt ihr einen Lieblingsregisseur, der euch ungeachtet der genannten Kriterien in steter Folge ins Kino treibt, wenn sein neuestes Werk anläuft?

Der Regisseur ist der Nummer-1-Grund für einen Kinobesuch, und es gibt eine ganze Reihe Regisseure, deren neue Filme ich immer sehen will. Ganz oben auf der Liste stehen mit Sicherheit die Coen-Brüder, Quentin Tarantino, Wes Anderson und Paul Thomas Anderson.

6. Arthouse-Kino ist auch so ein mehr oder weniger leeres Schlagwort. Sind die oben genannten Regisseure Arthouse-Filmer? Vermutlich ja. Wenn man den Begriff nicht als Schublade für Filme, sondern für Kinos sehen will: Lang mögen sie leben, die Arthouse-Kinos! Das sind wichtige, unverzichtbare Gegenpole zur Seuche der Multiplex-Höllen.

7. Mein zuletzt gesehener Film war The Hurt Locker und der war ziemlich gut (wenn auch nicht ganz so brillant, wie der Oscar-Hype von 2010 glauben machte), weil Kathryn Bigelow es schafft, ohne viel Worte und Erklärungen das Gefühl des süchtig machenden Nervenkitzels zu vermitteln, die Krieg auf manche Teilnehmer ausübt, ohne dabei Krieg und Soldaten zu glorifizieren.

Trailerschau für Filmstarts vom 5.1.

Auf die DVD warten:
Intouchables (Ziemlich beste Freunde): In Frankreich war die Story vom reichen, gelähmten Weißen und dem jungen, schwarzen Ex-Knacki, die trotz aller Gegensätze zu Freunden werden und sich gegenseitig läutern, ein Riesenerfolg. Der Film hat eigentlich alle Zutaten, die mich normalerweise abschrecken (typisches Feelgood-Kino mit allerlei Klischees und garantiertem Happy-End), aber der Trailer sieht trotzdem mächtig sympathisch aus. Dürfte durchaus Spaß machen.

Poulet aux prunes (Huhn mit Pflaumen): Persepolis war der überaus erfolgreiche autobiographische Comic von Marjane Satrapi, der dann äußerst gelungen von ihr selbst, zusammen mit Vincent Paronnaud, als Zeichentrickfilm verfilmt wurde (meine Besprechung des Comics hier und des Films dort). Nun verfilmt das Duo einen weiteren Satrapi-Comic, diesmal aber als Realfilm. Es geht um Marjanes Onkel im Teheran der 50er Jahre, der, weil sein geliebtes Musikinstrument kaputt ist, beschließt zu sterben. Ein tragikomisches Melodram mit viel bewusster Künstlichkeit (die für manche allzu kitschig wirken könnte).

Vielleicht mal im Fernsehen:
Jonas: Eins von Christian Ulmens Trademarks ist es, in fremde Rollen zu schlüpfen und in dieser Rolle dann das echte Leben, fernab von Film- und TV-Sets, aufzumischen. Nach Mein bester Freund und diversen Webformaten bringt er das Prinzip nun ins Kino, mit einer modernen Variante der Feuerzangenbowle. Ulmen verkleidet sich als Schüler, die übrige Besetzung, also Lehrer und Mitschüler, sind “echt”. Allerdings nur so echt, wie man halt ist, wenn ein Filmteam um einen herumschwirrt. Ich bezweifle ja, dass das über 90 Minuten trägt, aber ich mag und schätze den Ulmen und seine Form der Schauspielkunst. Wird also sicher irgendwann mal geguckt, aber nicht im Kino.

Un cuento chino (Chinese zum Mitnehmen): In etwa das gleiche Prinzip wie oben bei Ziemlich beste Freunde, nur dass hier ein alternder argentinischer Stinkstiefel durch einen jungen Chinesen zum besseren Menschen werden muss. Das gute alte Culture-Clash-Prinzip, hier in einer argentinisch-spanischen Co-Produktion. Wahrscheinlich ganz nett, aber hat man sowas nicht schon dutzende Male gesehen?

Muss nicht sein:
New Kids Nitro: Der erste Teil der niederländischen Deppen-Prollkomödie war bei uns ein Überraschungserfolg, mit dem keiner gerechnet hatte. Beim Sequel gibt es nun mehr Promo und wahrscheinlich auch mehr Leinwände. Und erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.

Sonst noch:
Der atmende Gott – Reise zum Ursprung des modernen Yoga: Ein deutscher Dokumentarfilmer recherchierte in Indien die Geschichte von Yoga. Da bin ich sowas von nicht die Zielgruppe …

Media Monday #27

Das Schöne daran, wenn man wieder etwas regelmäßiger bloggt und sich auch mal bequemt, auf Kommentare zu reagieren: es wird auch wieder mehr kommentiert, und über die Kommentare kommt man dann wieder auf andere Blogs, was im besten Fall zu weiteren Blogeinträgen inspiriert und motiviert. Über einen Kommentar neulich stieß ich auf die mir bisher unbekannte Aktion des Movie Monday, welcher letzte Woche von Beat the Fish zum Medienjournal gewandert ist und nun Media Monday heißt. Wulf erstellt jede Woche einen kleinen filmzentrierten Fragebogen, den jeder, der möchte, ausfüllen kann. Und ich möchte auch.

Hier Ausgabe 27 mit meinen Antworten in fett:

1. Der beste Film mit Benicio del Toro ist für mich The Usual Suspects. Wobei das aber nicht seine memorabelste Rolle ist. Die ist für mich definitiv Franky Four Fingers in Snatch.

2. Nora Ephron hat mit Julie & Julia ihre beste Regiearbeit abgelegt, rate ich jetzt einfach mal so herum, weil ich noch keinen ihrer Filme gesehen habe. Und Julie & Julia der einzige ist, der mich grundsätzlich interessiert, vor allem wegen der beiden tollen Hauptdarstellerinnen.

3. Der beste Film mit Jessica Alba ist für mich Sin City. Aber nicht wegen ihr.

4. Es gibt Filme die allein auf die Unterhaltung abzielen und ebenso gibt es Filme, die versuchen, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen oder den Anspruch haben, sich ernsthaft mit einem sozialen oder gesellschaftlichen Thema auseinanderzusetzen. Bevorzugt ihr eine der Gruppen und wenn ja, warum?

Ja, der alte E- und U-Gegensatz. Ich mag ja am liebsten Filme, die mich unterhalten und dabei nicht blöd sind. Auf prätentiöse Hochkunst oder anstrengendes Lektionskino kann ich verzichten, aber die Unterhaltung darf um Gottes willen nicht doof sein. Das mit dem “Hirn an der Kasse abgeben” ist nämlich Bullshit. Im Kino kann man ja noch nicht mal seine Jacke abgeben.

5. Schon zahlreiche Serien wurden auf der großen Leinwand wiederbelebt, sei es als Remake (3 Engel für Charlie, Starsky & Hutch, A-Team), als würdiger Abschluss einer viel zu früh beerdigten Serie (Serenity für die Serie Firefly) oder auch, um weitere Geschichten um die Protagonisten zu erzählen, während die Serie längst das Zeitliche gesegnet hat (Sex and the City 1 & 2). Zu welcher Serie, ob alt oder neu, würdet ihr euch ein Remake oder einen würdigen Abschluss in Film-Form wünschen?

Wunschlos glücklich. Remakes brauch ich nicht und bei unabgeschlossenen Serien, die ich mochte, fällt mir nur Pushing Daisies ein. Da soll der Abschluss irgendwann als Comic kommen. Nehm ich auch.

6. So genannte Blockbuster sind wie ein Burger. Fett und ungesund, zwischendurch richtig toll, sollte aber nicht Hauptnahrungsmittel sein. Die meisten davon stammen aus ekliger Massenproduktion und sind schlecht. Aber es gibt auch welche, die sind mit Herz und Liebe zubereitet, von Leuten, die das gut können. Und die sind dann richtig lecker.

7. Mein zuletzt gesehener Film war Breaking Bad, Staffel 3 und der war gar kein Film, sondern eine Serie, gefiel mir aber besser als jeder Spielfilm, den ich 2011 gesehen habe , weil hier so ziemlich alles großartig ist: Drehbücher, Figuren, Schauspieler, visuelle Ideen, Musikeinsatz, Plottwists und überhaupt. Verdammt gutes Entertainment mit Hirn (siehe Frage 4). Jeder sollte das sehen.