Im Kino: King Kong

Das hat die Welt noch nicht gesehen! Echt nicht.

Zum Inhalt muss man nicht mehr viel sagen, glaube ich: Totenkopfinsel, großer Affe, weiße Frau, viele Monster, Empire State Building. Klassischer Stoff, der ins kollektive Gedächtnis eingegangen ist. Jeder kennt King Kong, auch wenn er nie einen der Filme gesehen hat. (Mein persönlicher Erstkontakt mit dem Riesengorilla war in den frühen 80ern bei einer Brettspiele-Adaption des Spielhallen-Hits „Donkey Kong“)

Nun hat also Peter Jackson, nach seinem Welterfolg Der Herr der Ringe, ein Remake gedreht. Zuallererst ist sein King Kong eine Liebeserklärung an das Original von 1933. Jackson träumte seit vielen Jahren davon, diesen Film neu zu drehen und das spürt man in jeder Einstellung. Detailverliebtheit und eine möglichst große Treue zur Vorlage sind auch hier (wie in HdR) zu finden.

Natürlich hat Jackson kleine Änderungen am Plot vorgenommen, hat eine Nebenfigur zur Hauptfigur ausgebaut (den Autor Jack Driscoll, gespielt von Adrien Brody) und v.a. alles auf die doppelte Länge aufgeblasen. Aber in den Grundzügen bleibt er sehr nahe am Original. Natürlich hat er es sich nicht nehmen lassen, einige schöne kleine Referenzen an die Vorlage in seinen Film einzubauen: z.B. die Bemerkung von Carl Denham (Jack Black), dass Fay Wray keine Zeit hätte, weil sie gerade was für RKO dreht. Oder die Szene, die Ann (Naomi Watts) auf dem Schiff mit dem Schauspieler Bruce Baxter dreht: diese Szene kommt genauso im 33er-King Kong vor, allerdings ohne Kamera. Die Beschwörungstänze der Ureinwohner auf der Insel zitiert Jackson dann noch in der New Yorker Bühnenshow, bei der der Affe präsentiert wird. Hier stammen Kostüme, Choreographie und Musik aus dem Original.

Die Schauspieler sind alle sehr gut, können aber ihr Können selten voll ausspielen, da die Rollen recht simpel gehalten sind. Der klare Star des Films, der alle locker an die Wand spielt, ist Kong. Hier haben die Digital-Effects-Leute wirklich Großartiges geleistet. Kong wirkt in jeder Szene echt und realistisch, nicht nur was das Fell und die Bewegungsabläufe angeht, sondern auch in seiner Gestik und Mimik. Allein diesem Affen bei dem zuzusehen, was er auf der Leinwand treibt, macht irre Spaß und ist das Eintrittsgeld wert.

Bei den anderen Monstern, die auf der Insel ihr Unwesen treiben, ist das nicht immer so gut gelungen. Teilweise sieht man den Dinos und sonstigen Viechern schon an, dass sie am PC entstanden sind. Aber das macht Peter Jackson durch die Rasanz und Dramatik wieder wett, mit der er diese actionreichen Szenen inszeniert.

Der Hauptvorwurf an King Kong, der oft geäußert wurde, lautet: zu lang. Da ist durchaus was dran, denn Jackson baut jede Szene aus dem Original sehr stark aus, besonders den ersten Akt. Es dauert eine ganze Stunde, bis wir erstmals das Äffchen zu sehen bekommen. In dieser Stunde gelingt es Jackson allerdings sehr gut, den Zeithintergrund vorzustellen und die Figuren zu richtigen Charakteren zu formen, mit denen man mitfiebern kann. Der zweite Akt, der auf der Insel spielt, hätte meiner Meinung nach das meiste Kürzungspotential gehabt. Die Kampfszenen sind alle recht lang und hätten unter ein paar Schnitten nicht gelitten. Der letzte Akt, der in New York spielt und die berühmte Empire-State-Szene enthält, geht dann längenmäßig wieder in Ordnung.

Insgesamt ist Peter Jackson hiermit das ultimative Monumental-B-Movie-Epos gelungen. King Kong bietet überwältigende Bilder zum Staunen. Dass die Story nicht mehr als eine klassische Pulp-Geschichte ist, muss man in Kauf nehmen.

Abspann: Die Credits sind schön nostalgisch gehalten und erinnern nochmal an Merian C. Coopers Original-King Kong. Ganz am Ende wird auf einer Texttafel den „Original explorers of Skull Island“ und besonders der „incomparable Fay Wray“ für die Inspiration gedankt.

 

3 Gedanken zu „Im Kino: King Kong

  1. Im Wesentlichen kann ich Dir da zustimmen.

    Allerdings fand ich das Tempo gerade am Ende zu schnell. Eigentlich hätte sich Peter Jackson auch da mehr Zeit lassen können… wobei dann wahrscheinlich mindestens 4 Stunden draus geworden wären. :)

    Bin ich eigentlich der Einzige, den die Eingebohrenen an Braindead-Zombies erinnert haben? ^_^

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