Marmor-Aus

Das Kinosterben in München geht weiter: im Mai 2006 schließt das Schwabinger Marmorhaus. Einerseits ist das nicht so wahnsinnig schade, denn in diesem Falle geht der Stadt weder vom Filmprogramm noch von den Räumlichkeiten her etwas Besonderes verloren. Das Marmorhaus unterscheidet sich im Programm nicht von den Multiplexkinos. Es läuft Mainstream-Unterhaltung, Schwerpunkt Hollywood. Fast jeden der Filme, die dort laufen, kann man auch anderswo sehen. Und dieses anderswo ist meistens schöner, komfortabler, moderner. Denn das Marmorhaus ist ein recht altes Schuhschachtelkino mit teilweise winzigen Sälen und Leinwänden. Das Aus ist daher keine Riesen-Überraschung.

Trotzdem ist die Schließung zu bedauern, denn sie bedeutet auch: wieder ein unabhängiger Kinounternehmer weniger, wieder einige Leinwände weniger. Der Trend zur Konzentration und der allgemeine Abwärtstrend der Kinobranche halten an. Ich bin sehr gespannt, ob den Kinobetreibern demnächst mal richtige Ideen einfallen, um den Abwärtstrend zu stoppen. Immer nur über schlechte Filme und böse DVDs zu jammern, kann es jedenfalls auf Dauer nicht sein. Wie wärs’s zum Beispiel mit einer Besinnung auf das Stichwort Film-Theater? Im Theater gibt’s z.B. Garderoben zum Jacken- und Taschen-Abgeben, es gibt ordentliche Programmhefte, es gibt Abos für Stammkunden. Und es gibt bessere Snacks als immer nur Popcorn und Nachos.