Live: Art Brut

Die Kleine Elserhalle war dann doch zu klein, also wurde das Konzert von Art Brut in die große Halle verlegt. Überraschende Bandbreite im Publikum, auch was das Alter angeht – bei weitem nicht nur junges Hipster-Volk. Vielleicht war das der Grund dafür, dass die richtig große Euphorie nur ganz vorne, direkt vor der Bühne, ausbrach. Der Rest der Halle beließ es bei sanftem Kopfnicken und Füße-Wippen. Womöglich liegt’s aber auch daran, dass es sich bei Art Brut einfach lohnt, auf die Texte zu achten: die bestehen nämlich nicht nur aus erstklassigen Slogans (mit denen die Musikpresse ein unerschöpfliches Reservoir an möglichen Headlines bekommt), sondern sind durch die Bank sehr witzig und ironisch und voller Zitate und Referenzen an die Popkultur. Von Sänger Eddie Argos in einem unnachahmlichen Sprechgesangs-Bellen mit Cockney-Akzent vorgetragen. Very british. Zudem macht sich Argos den Spaß, seine Texte gelegentlich in bester Die-Ärzte-Manier abzuwandeln. Aus „drinkin‘ Hennessy with Morrisey“ wird dann „drinkin‘ Sherry with Bryan Ferry“. Das Album „Bang Bang, Rock & Roll“ wurde, glaube ich, komplett gespielt, dazu gab es noch ein paar weitere Songs wie z.B. „St. Pauli“ mit der schönen Refrainzeile „Punk Rock ist nicht toll tot“. (Update 19.01.: da hab ich mich wohl verhört gehabt, andere Quellen behaupten, es hieße „tot“ statt „toll“. Gibt ja auch mehr Sinn.)

Art Brut, ein bischen verwackelt

Art Brut ist eine One Man Show. Eddie Argos ist der klare Leader, der Chef, er allein steht im Mittelpunkt. Die Band gehorcht seinem Wort („Ready, Art Brut?“). Und er ist ein begnadeter Entertainer, der herrlich mit Rock’n’Roll-Klischees spielt. Wenn er den Schlachtruf „Art Brut – Top of the Pops!“ skandiert, ist das in keiner Weise peinlich, sondern zaubert dem Publikum ein breites Grinsen ins Gesicht.

Großes Rock-Entertainment, dass ich mir gerne noch länger angesehen hätte. Aber das Repertoire von Art Brut ist eben noch nicht so riesig, weshalb die Show nach einer guten Stunde schon wieder vorbei war.