Im TV: Golden Globe Awards

Die Oscar-Verleihung schaue ich mir schon seit ein paar Jahren regelmäßig an, aber auf die Golden Globes (die Filmpreise der „Hollywood Foreign Press Association“ und sozusagen Oscars kleinerer Bruder) hatte ich bisher immer verzichtet. Dieses Jahr also für mich die erste Globe-Verleihung. Die ganz hartgesottenen gucken (und bloggen) das ja live, aber wozu hab ich einen Rekorder?

Mit über 30 Stunden Verzögerung fehlt natürlich das Spannungs-Element, wer die Preise bekommt, denn das wusste ich bereits alles. Also hoffte ich auf eine möglichst unterhaltsame Show. Im Vergleich zum Oscar gibt es bei den Globes weniger Pomp, Pathos und Glamour, dafür geht alles etwas familiärer zu. Die Stars sitzen an Tischchen und trinken Schampus, es gibt keinen Orchestergraben und kein allzu scharfes Zeitlimit für die Dankesreden. Auf Gesangs- und Showeinlagen wird verzichtet und die Show ist etwa eine Stunde kürzer. Und es gibt ein bisschen andere Kategorien (Trennung zwischen Drama und Comedy, außerdem Preise für TV-Filme und -Serien, dafür keine „technischen“ Preise für Schnitt, Ton, Kamera, Kostüme usw.). Die Dramaturgie aber ist in etwa die gleiche: Stars kommen auf die Bühne und leiern einen braven Ansagetext herunter, nennen die Nominierten einer Kategorie und öffnen den Umschlag. Applaus, Küsschen, Dankesrede. Nächste Kategorie.

Was mir hier deutlich gefehlt hat, ist der Moderator, der „Host“, der diese doch recht dröge Aneinanderreihung immer mal wieder aufbricht und ironisch kommentiert. Bei den Oscars klappt das meistens hervorragend, nicht umsonst kriegen fast immer Comedians den Job. Die Globes verzichten leider komplett auf einen Moderator, was sehr schade ist. Es liegt also fast komplett an den Dankesreden, für Unterhaltung zu sorgen. Viele davon kamen sehr vorhersehbar und routiniert, also langweilig, daher (Zusammenfassung hier), aber ein paar nette Highlights gab es doch, und zwar eher von den unbekannteren Leuten in den „kleineren“ Kategorien:

  • Sandra Oh (Beste TV-Nebendarstellerin in Grey’s Anatomy), völlig aufgelöst und hibbelig: „I feel like someone set me on fire!“
  • Hugh Laurie (Bester TV-Comedy-Hauptdarsteller in House) sagt, er hätte 270 Zettelchen in der Hosentasche, von denen er jetzt zufällig drei rausziehe. Er dankt also dem Script Supervisor, dem Hair Stylist und seinem Agenten (sagt aber beim letzten Zettel, das sei nicht seine eigene Handschrift).
  • Steve Carell (Beste TV-Comedyserie, The Office) liest eine Rede vom Blatt, die angeblich seine Frau geschrieben hat. Darin wird dann ausgiebig und wiederholt seiner Frau gedankt. Sehr charmant.
  • Larry McMurtry (Bestes Drehbuch für Brokeback Mountain) dankt seiner 30 Jahre alten Schreibmaschine.

Fazit: Ich habe gelernt, wie man Joaquin Phoenix‘ Namen richtig ausspricht und ich habe mir ein paar Filme vorgemerkt, die ich sehen will, wenn sie bei uns ins Kino kommen (z.B. The Producers und Good Night and Good Luck). Die Show war nicht übel, aber die Oscars gefallen mir deutlich besser. Vielleicht gehört zu so einer Preisverleihung eben dieses unbedingte Sich-Selbst-Feiern, ganz ohne Bescheidenheit und Understatement, diese „King-of-the-World“-Attitüde. Am 5. März isses soweit.

Abspann: Ja, den gab’s hier auch. Am Ende wurde ein langer Text eingeblendet und aufgesagt, der erklärt, wer wie über Nominierungen und Preisträger abstimmt und dass bis zur Öffnung des Umschlags nur die Anwälte von Ernst&Young Bescheid wissen. Sozusagen das Kleingedruckte.

 

2 Gedanken zu „Im TV: Golden Globe Awards

  1. Was mir hier deutlich gefehlt hat, ist der Moderator, der “Host”, der diese doch recht dröge Aneinanderreihung immer mal wieder aufbricht und ironisch kommentiert. Bei den Oscars klappt das meistens hervorragend, nicht umsonst kriegen fast immer Comedians den Job.

    Ich glaube dieses Jahr, tue ich mir auch mal wieder die Oscar-Verleihung an, eben wegen dem Host. In den letzten Jahren war ich die Oscars ein wenig Leid, zu viel formale Gala, zu wenig Spannung, zu alberne Entscheidungen (11 Oscars für Return of the King?). Aber wenn Jon Stewart es schafft bei der Oscar-Verleihung nur halb so witzig zu sein wie in der Daily Show, dann bin ich schon ein glücklicher Camper.

Kommentare sind geschlossen.