Im Kino: Populärmusik från Vittula (Populärmusik aus Vittula)

Coming-of-Age in Nordschweden. Die 60er Jahre: Matti wächst in einem kleinen Bauerndorf an der Grenze zu Finnland auf, sein bester Freund wird der gleichaltrige Niila, der aus einer strenggläubigen und streng erziehenden Großfamilie kommt. Die Zutaten dieses Films von Reza Bagher sind die gleichen wie bei vielen anderen Geschichten über das Erwachsenwerden auch: tristes Landleben in der Provinz, Fernweh, erste Erfahrungen mit Sex und Drogen und natürlich mit dem Rock’n’Roll.

Der dient hier als Schlüsselelement: die Szene, in der die beiden Jungs im Grundschulalter die (gegen Großmutters Bibel eingetauschte) Beatles-Single „Rock’n’Roll Music“ auflegen, wird als großes Erweckungserlebnis inszeniert. Nach diesem Moment ist nichts mehr wie vorher. In einer der witzigsten Szenen des Films legen Niila und Matti im Klassenzimmer einen furiosen Playbackauftritt mit Pappgitarre hin, der bei allen für offene Münder sorgt. Die Musik wird sie nicht mehr loslassen, und das obwohl sowas bei Vätern, Großvätern und Schulschlägern als „knapsu“, als verweichlicht und mädchenhaft gilt.

Trotz der genretypischen Elemente ist Populärmusik ein ungewöhnlicher Film. Er ist, ebenso wie die Buchvorlage von Mikael Niemi, episodenhaft erzählt und schlägt ziemliche Haken, was die Stimmung angeht: Auf witzige Momente folgen tragische, immer wieder werden auch sehr surreale Szenen eingebaut. Eine Tragikomödie, bei der aber letztlich das Komische überwiegt.

Der Film hat mir gut gefallen, reichte aber (wie so oft) nicht an das Buch heran, das ich vor anderthalb Jahren gelesen habe. Die schnelle Abfolge der einzelnen Anekdoten geben dem Film etwas von einer Nummernrevue, viele Nebendarsteller sind so schnell wieder weg, wie sie aufgetaucht sind, und bleiben sehr oberflächlich. Selbst den beiden Hauptfiguren kommt der Film niemals so nahe, wie es das Buch schafft. Trotzdem ein schöner Film – und wer skurilles skandinavisches Kino mag, für den ist der Kinobesuch sowieso Pflicht.