Live: Gerhard Polt

Unter all den Humorproduzenten dieser Welt ist Gerhard Polt für mich immer noch der größte und beste. Okay, sein letzter Film Germanikus war eine arge Enttäuschung, aber auf der Bühne ist der Mann stets ein Erlebnis. Klar, dass der Karten-Kauf-Reflex sofort aktiviert wurde, als ich kürzlich zufällig von der Polt-Lesung im Residenztheater erfuhr.

Unter dem Titel Circus Maximus gibt es Polts gesammelte Werke in Buchform. Der Haken daran: auf Papier machen Polts Szenen nicht halb soviel Spaß wie aus Polts Mund. Seine Vortragsweise spielt eine ganz entscheidende Rolle. Dieses Manko ist auf der Lesung natürlich behoben. Wobei „Lesung“ gar nicht unbedingt der rechte Begriff ist: Polt sitzt zwar mit aufgeschlagenem Buch am Tisch, benutzt dieses aber in den meisten Fällen nur als Gedächtnisstütze und trägt frei vor. Polt schlüpft in die verschiedensten Rollen, verstellt die Stimme, nuanciert die Sprache von hochdeutsch über salonmünchnerisch bis zu derbem bairisch.

Mit Vorliebe gibt Polt den unsympathischen Zeitgenossen: sei es der von Freiheit schwadronierende Wirtschaftsliberale, der großspurig auftretende Möchtegern-Drehbuchautor oder die Gattin eines Mannes, der mit seinem Auto ein Kind überfahren hat. Und sein Humor kann dabei mächtig schwarz werden.

Immer wieder erstaunlich, wie diese Tatsache manche Zuschauer ganz schön zu irritieren scheint. Darf man da lachen, wenn mit toten Kindern gescherzt wird? Darf man klatschen, wenn die Figur, die Polt verkörpert, etwas ganz und gar nicht applauswürdiges gesagt hat? Natürlich darf man, denn immer dann, wenn er es schafft, diese Reibung zu erzeugen, ist Polt am besten.

Zwischen den einzelnen Texten gab es Musik von Ardhi Engl, der mit Gitarren und diversen, teils selbstgebastelten Utensilien experimentiert und damit recht erstaunliche Musik erzeugt.

 

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