Archive for Januar, 2006

3:1!

Tut uns leid, dass noch immer nicht alles rund läuft. Doch Tore fallen nun einmal am ehesten durch druckvolles Spiel nach vorne – auch wenn damit zwangsläufig das Risiko steigt ins Abseits zu laufen. Aber versprochen: Wir arbeiten mit Hochdruck an unserem Stellungsspiel!

Wir sind PokalDieser Hinweis ist so ziemlich das einzige, was man heute morgen auf der Website des FC St.Pauli zu sehen bekommt. Scheint ein großer Andrang zu sein auf dem Server. So ist das, wenn man Pokal ist. Glückwunsch!

Live: Gerhard Polt

Unter all den Humorproduzenten dieser Welt ist Gerhard Polt für mich immer noch der größte und beste. Okay, sein letzter Film Germanikus war eine arge Enttäuschung, aber auf der Bühne ist der Mann stets ein Erlebnis. Klar, dass der Karten-Kauf-Reflex sofort aktiviert wurde, als ich kürzlich zufällig von der Polt-Lesung im Residenztheater erfuhr.

Unter dem Titel Circus Maximus gibt es Polts gesammelte Werke in Buchform. Der Haken daran: auf Papier machen Polts Szenen nicht halb soviel Spaß wie aus Polts Mund. Seine Vortragsweise spielt eine ganz entscheidende Rolle. Dieses Manko ist auf der Lesung natürlich behoben. Wobei “Lesung” gar nicht unbedingt der rechte Begriff ist: Polt sitzt zwar mit aufgeschlagenem Buch am Tisch, benutzt dieses aber in den meisten Fällen nur als Gedächtnisstütze und trägt frei vor. Polt schlüpft in die verschiedensten Rollen, verstellt die Stimme, nuanciert die Sprache von hochdeutsch über salonmünchnerisch bis zu derbem bairisch.

Mit Vorliebe gibt Polt den unsympathischen Zeitgenossen: sei es der von Freiheit schwadronierende Wirtschaftsliberale, der großspurig auftretende Möchtegern-Drehbuchautor oder die Gattin eines Mannes, der mit seinem Auto ein Kind überfahren hat. Und sein Humor kann dabei mächtig schwarz werden.

Immer wieder erstaunlich, wie diese Tatsache manche Zuschauer ganz schön zu irritieren scheint. Darf man da lachen, wenn mit toten Kindern gescherzt wird? Darf man klatschen, wenn die Figur, die Polt verkörpert, etwas ganz und gar nicht applauswürdiges gesagt hat? Natürlich darf man, denn immer dann, wenn er es schafft, diese Reibung zu erzeugen, ist Polt am besten.

Zwischen den einzelnen Texten gab es Musik von Ardhi Engl, der mit Gitarren und diversen, teils selbstgebastelten Utensilien experimentiert und damit recht erstaunliche Musik erzeugt.

Mixtape 2.0

Der geschätzte Freund Jauchetaucher haut sich die Nächte um die Ohren und bastelt Schönes: Jauchetracks #1 ist ein geschmackssicheres Indierock-Mixtape mit 22 legalen MP3s. Besonders hübsch: Man kann das nicht nur runterladen, sondern sich auch bequem mit einem Klick als Flash-Stream anhören. Einfach so.

Im Kino: Populärmusik från Vittula (Populärmusik aus Vittula)

Coming-of-Age in Nordschweden. Die 60er Jahre: Matti wächst in einem kleinen Bauerndorf an der Grenze zu Finnland auf, sein bester Freund wird der gleichaltrige Niila, der aus einer strenggläubigen und streng erziehenden Großfamilie kommt. Die Zutaten dieses Films von Reza Bagher sind die gleichen wie bei vielen anderen Geschichten über das Erwachsenwerden auch: tristes Landleben in der Provinz, Fernweh, erste Erfahrungen mit Sex und Drogen und natürlich mit dem Rock’n'Roll.

Der dient hier als Schlüsselelement: die Szene, in der die beiden Jungs im Grundschulalter die (gegen Großmutters Bibel eingetauschte) Beatles-Single “Rock’n'Roll Music” auflegen, wird als großes Erweckungserlebnis inszeniert. Nach diesem Moment ist nichts mehr wie vorher. In einer der witzigsten Szenen des Films legen Niila und Matti im Klassenzimmer einen furiosen Playbackauftritt mit Pappgitarre hin, der bei allen für offene Münder sorgt. Die Musik wird sie nicht mehr loslassen, und das obwohl sowas bei Vätern, Großvätern und Schulschlägern als “knapsu”, als verweichlicht und mädchenhaft gilt.

Trotz der genretypischen Elemente ist Populärmusik ein ungewöhnlicher Film. Er ist, ebenso wie die Buchvorlage von Mikael Niemi, episodenhaft erzählt und schlägt ziemliche Haken, was die Stimmung angeht: Auf witzige Momente folgen tragische, immer wieder werden auch sehr surreale Szenen eingebaut. Eine Tragikomödie, bei der aber letztlich das Komische überwiegt.

Der Film hat mir gut gefallen, reichte aber (wie so oft) nicht an das Buch heran, das ich vor anderthalb Jahren gelesen habe. Die schnelle Abfolge der einzelnen Anekdoten geben dem Film etwas von einer Nummernrevue, viele Nebendarsteller sind so schnell wieder weg, wie sie aufgetaucht sind, und bleiben sehr oberflächlich. Selbst den beiden Hauptfiguren kommt der Film niemals so nahe, wie es das Buch schafft. Trotzdem ein schöner Film – und wer skurilles skandinavisches Kino mag, für den ist der Kinobesuch sowieso Pflicht.

Futurama kehrt zurück!

Es gibt noch gute Nachrichten:

HERE’S GREAT NEWS!
Here’s the official word on Futurama!! David X. phoned me about an hour ago and said that this Futurama project is a done deal! Here’s the word from DX—
There are 4 DVD movies that we’ll start recording at the end of July or August. Full feature length FUTURAMA movies.

schreibt Billy West (die Stimme von Fry, Zoidberg, Professor Farnsworth, Zapp Brannigan u.a.) in seinem Internet-Forum.

Das zeigt wieder mal, dass die DVD mittlerweile ein wirklich relevantes Medium auch für TV-Serien ist. In beiden Fällen wurden die Serien von den TV-Networks wegen zu schwacher Quoten eingestellt, aber gute DVD-Verkaufszahlen sorgten dafür, dass es weitergehen kann: im Fall von Firefly als Kinofilm (Serenity), bei Family Guy mit einer weiteren Staffel im Fernsehen, jetzt bei Futurama als spielfilmlange Stories auf DVD.

Auf DVD: Im Dunkeln

Im Dunkeln ist ein 15minütiger Kurzfilm von Johannes Grebert, der letztes Jahr auf dem Fantasy Filmfest lief und jetzt beim Label Kurts Filme auf DVD erschienen ist. Erzählt wird von zwei Paaren, die ein Feuerwehrfest besucht haben und nun auf einer einsamen Landstraße nach Hause fahren. Dabei geschieht ein Unfall – die Gruppe befindet sich plötzlich in einer Extremsituation, auf die sie zu reagieren hat.

Der Film beginnt wie eine Satire auf spießiges Provinzleben (Christoph Maria Herbst als neurotischer Außendienstler, der sich im Auto tierisch darüber aufregt, dass seine Frau den CD-Vorrat für eine Fahrt “nach IKEA” ausgetauscht hat), wird aber nach dem Unfall schnell zu einem abgründigen und recht bösen Thriller.

Die Geschichte ist professionell gespielt, atmosphärisch inszeniert und hat einige Überraschungsmomente – ein gelungener Miniaturthriller. Allerdings ist sie auch nicht sooo spektakulär oder ungewöhnlich, dass man sie zwingend als einzelne DVD kaufen müsste. Eine Veröffentlichung auf einer Compilation (z.B. die “Shocking Shorts” des Digitalsenders 13th Street, der hier auch coproduziert hat) hätte es auch getan. Da zieht natürlich der bekannte Name von Christoph M. Herbst (“Stromberg”), der hier einmal zeigen darf, dass er nicht nur Comedy kann. Immerhin ist die DVD nicht teuer und mit Audiokommentar, Interview und Storyboard-Vergleich recht opulent ausgestattet.

Kein Muss, aber für Thriller-Fans durchaus empfehlenswert.

Klowand

Nachdem jetzt klar ist, dass Blogs die Klowände des Internet sind, kann ich ja ruhig das hier bringen:

(Fürs Detail bitte auf das Bild klicken.)

Das erklärt einiges

Das menschliche Gehirn ist evolutionsbiologisch eine Ausstülpung des Darms.
Udo Pollmer, Ernährungswissenschaftler, in der Welt

(via Don Dahlmann)