Auf DVD: Fantastic Four

Die Fantastic Four gehören zu den Superheldencomics, die den Mythos des Marvel-Verlags begründeten, und zählen (zumindest in den USA) zu den langlebigsten und bekanntesten Comicserien. Hierzulande ist eine gewisse schwäbische Hip-Hop-Gruppe unter diesem Namen weitaus berühmter, was wahrscheinlich auch der Grund dafür ist, dass der deutsche Verleih den Filmtitel nicht eindeutschte, obwohl die Comics in Deutschland seit jeher als Die fantastischen Vier laufen.

Die Verfilmung von Tim Story, bei der auch Bernd Eichinger und seine Constantin ihre Finger im Spiel hatte, muss sich erstmal mit dem gleichen Problem herumschlagen wie alle anderen Superhelden-Filme, die keine Fortsetzung sind: die Origin muss erzählt werden. Wie und warum kamen die Helden zu ihren Superkräften? Das ist meist mühsam, weil es viel Zeit kostet, bis die eigentliche Geschichte richtig losgehen kann, und weil die simplen Erklärungen, die in einem Comic der 60er Jahre okay waren, nicht ohne weiteres in einem heutigen Film funktionieren. Obwohl sich der Film Mühe gibt, nicht allzu lächerlich zu wirken, braucht man schon eine wohlwollende Haltung zum Genre, um das zu akzeptieren: Vier erstaunlich junge Weltraumforscher fliegen ins All, werden von einem kosmischen Sturm erwischt und sind hinterher dehnbar, unsichtbar, entzündbar oder ein Golem-artiger Steinklops.

Anschließend folgt der Teil des Films, in dem die Helden ihre neuen Fähigkeiten und deren Vor- und Nachteile kennenlernen. Dieser Teil ist sehr unterhaltsam, mit viel Humor und netten Onelinern inszeniert und macht wirklich Spaß. Es ist sehr angenehm, dass die Vier nicht sofort die ganze Welt retten müssen, sondern ihre Kräfte erstmal im kleinen Rahmen testen können.

Es kommt Fantastic Four sehr zu gute, dass er nie mehr sein will als ein Summer Blockbuster, ein unterhaltsames, actionreiches Popcornmovie für eine junge Zielgruppe. Anders als beim überambitionierten Hulk von Ang Lee oder den politisch interpretierbaren X-Men gibt es hier keine Metaebene, über die man lange nachdenken müsste. Das hier ist Rummelplatzkino, und als solches funktioniert der Film. Auf große Namen wurde verzichtet, die Hauptdarsteller wurden großteils eher aus einem Model- als aus einem Schauspielerkatalog gecastet. So kann Michael Chiklis, der als „The Thing“ die meiste Zeit unter einer Maske steckt, seine Kollegen mühelos an die Wand spielen und seine Figur zu dem machen, was sie auch in den Comics ist: der sympathischste und interessanteste Charakter der Vier.

 

3 Gedanken zu „Auf DVD: Fantastic Four

  1. Hast du die Essential Fantastic Four-Bände gelesen? Ich habe mir den ersten Band gegeben und dass ist Silver Age in seiner besten Form. Der beiläufige Sexismus (Sue hat wirklich nichts zu tun, außer entführt zu werden oder romantisch verwirrt zu sein), der total überzogene Patriotismus und Antikommunismus, die Deus-Ex-Machina-Enden (der böse Sowjetspion wird gestellt, weil er dummerweise seinen Parteiausweis mit sich rumträgt)… und trotzdem ist das einfach nur stilvoll. Die „Ben Grimm wird Pirat“-Story und Ivan Kragoff und seine Affen haben mich sofort für sich gewinnen können. Sehr liebenswert, das ganze. (Nicht ganz so liebenswert, aber sehr gut geschrieben ist auch Unstable Molecules über die realen Vorbilder der FF.)

    Ansonsten: Yep, Ben ist definitiv der interessanteste Charakter der Vier. Und ist trotzdem nichts im Vergleich zu Doom. Für mich, eine der besten Kirby/Lee-Kreationen.

  2. Zwei Bände, die auf meinem SGUSWSBGANUM (Schändlich Großer Und Stetig Wachsender Stapel Bereits Gekaufter Aber Noch Ungelesener Meisterwerke) liegen: der von dir genannte Unstable Molecules und die Fantastische Vier-Compilation aus der F.A.Z.-Reihe mit vielen Lee/Kirby-Geschichten.

    Das mit dem Stapel ist das typische Luxusproblem eines Berufstätigen: genügend Kohle, um das Zeug zu kaufen, aber zu wenig Zeit, es auch zu lesen.

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