Freitag, 28.04.2006
Für Nicht-Bayern wahrscheinlich ziemlich irrelevant, der Rest hat’s wahrscheinlich schon mitbekommen: Der Bayerische Rundfunk plant ein Jugendradio, das voraussichtlich nur digital senden wird, und vermutlich wird dafür der Zündfunk (täglich 90 Minuten im Kultursender B2) geopfert. Zusammenfassung hier.
So. Seit gestern gibt es also die erste offizielle Mitteilung des BR, was sie in Zukunft mit ihrem so called Jugendradio vorhaben. Klingt beim groben Drüberlesen alles ganz nett, man kann es aber auch ganz anders lesen, so wie Don Alphonso.
Wie das Endprodukt, der neue Jugendsender, schließlich aussehen wird, ist noch sehr ungewiss. Ob und wie irgendwas Zündfunk-ähnliches auf UKW bestehen bleibt, ist ebenso offen. Ich warte mal ab und melde mich wieder, wenn der Sender dann tatsächlich sendet.
Das alles sollte mich gar nicht interessieren, schließlich bin ich knapp über 30 und damit jenseits der Zielgruppe. Fakt ist aber: Ich mag den Zündfunk, höre die Sendung gerne und finde auch Aktionen wie die Bavarian Open klasse. Allerdings hab ich sehr lange dahin gebraucht. Als Jugendlicher war’s mir zu blöd, extra nachmittags B2 zu suchen, auch war mir damals die Musik oft zu seltsam. Mit Anfang 20 lebte ich nicht im Sendegebiet, später dann doch wieder, aber da war ich zur Sendezeit nicht zuhause. Seit der Verlegung auf 19 Uhr passt es: ich kann den Zündfunk hören und würde das gerne weiter tun. Aber sehen wir den Tatsachen ins Auge: Ich hab auch gerne jetzt gelesen und Viva Zwei geschaut. Auch damals gab es Internet-Aktionen gegen die Einstellung — gebracht haben sie nichts. Die Aktion zuendfunk-retten.de ist ehrenwert — sie hat eindeutig dafür gesorgt, dem Thema Öffentlichkeit zu verschaffen — aber ihr Ziel wird sie vermutlich auch nicht erreichen.
Und jetzt? Ich hör erst mal weiterhin Zündfunk, solang es ihn gibt. Der Banner-Link zur Rettungsaktion kommt erst mal wieder weg. Die Aktion ist mir zwar sympathisch, aber in ihrer konservativ-bewahrenden Haltung auch ein bisschen unheimlich. Dann warten wir mal ab, was da im Funkhaus ausgebrütet wird. Wenn da wirklich ein 24-Stunden-Zündfunk oder ein bayerisches FM4 rauskommt: super! Wenn nicht: jammerschade, aber auch nicht schlimm. Gute Texte, gute Musik, gute (Sub-)Kultur wird’s weiterhin geben, da ist mir nicht Bange. Das ist wie Ukraut, das wuchert immer weiter. Gottseidank.
Freitag, 28.04.2006
Ich könnte mich stundenlang aufregen über das ganze Getue wegen Popetown, über Frau v.d. Leyens “Bündnis für Erziehung” mit den Kirchen, über den allgegenwärtigen konservativen Werte-Backlash, über das unsäglich-unerträgliche “Zurück an den Herd”-Gewäsch einer Schunkel-TV-Moderatorin, über “Wir sind Papst” und überhaupt.
Man kann es aber auch mit ein paar schnellen Strichen auf den Punkt bringen. Danke, Ahoi Polloi.
Donnerstag, 27.04.2006
Wer meine Rubrik Lichtspielreklame schätzt, wird sicher auch hieran Gefallen finden:
Peter Nosters Photoset mit hübsch trashig-bunten Videocovern von Actionreißern aus den 80ern.
Mittwoch, 26.04.2006
Diesmal mit Erich von Däniken, Hitler, Kung-Fu-Trash aus Hongkong, einem Zeichentrick-Tarzan und Bud Spencer.
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Mittwoch, 26.04.2006
Jene Angriffe allerdings sind eine unerträgliche Beleidigung der Intelligenz aller Menschen, die ein wenig Ahnung von Medien und Kommunikation haben. Es ist erbärmlich, wie gebildete (nehmen wir jetzt mal an) und in öffentlichen Ämtern tätige Menschen nicht erkennen, dass sie den Gegner, den sie besiegen wollen, nur stark machen.
Thomas Knüwer über den Feldzug gegen Popetown.
Dienstag, 25.04.2006
Der DHL-Mann hat heute an der Tür geklingelt und mir eine Freude gemacht:

Die WM-Tickets sind da. Sehr auffällig unauffällig in einem neutralen Päckchen getarnt, als wäre der Absender ein Erotik-Versand. Inhalt des Päckchens, neben den Karten: Ein offizieller Spielplan, eine Broschüre mit Stadioninfos, eine weitere Broschüre mit einem kleinen Deutsch-Sprachführer (”Destination Germany”), eine Klarsichthülle mit Schnur, damit ich mir die Karten um den Hals hängen kann. Und das sinnloseste Accessoire überhaupt: eine “Schiedsrichter-Karte”, vorne gelb, hinten rot. Wem darf ich die denn zeigen? Dem Goleo? Dem Blatter Sepp?
Montag, 24.04.2006
Letzte Woche im Backstage: Ein Miniaturfestival mit nicht allzu berühmten, aber feinen Bands. Die Duels hab ich gleich mal verpasst. Als ich kam, spielten bereits die Kooks, die mir bis dahin auch kein Begriff waren. Jung, aus England, und ziemlich gehypt. Der jüngere Teil des Publikums schien zu einem beträchtlichen Teil genau wegen dieser Band hier zu sein, zahlreiche Kooks-Buttons und -T-Shirts waren zu sehen. Ihr Sound klingt ziemlich retro und kommt, wenn man das zarte Alter der Musiker betrachtet, erstaunlich routiniert rüber.
Nach der Umbaupause: The Zutons. Ein höchst unterhaltsamer Rock’n'Roll-Stilmix mit Schwerpunkt Gute Laune. Die Zutons dürfen sich das Verdienst ans Revers heften, ein Instrument wieder salonfähig zu machen, das durch exzessiven Missbrauch v.a. in den Achtzigern inzwischen als völlig uncooles Rock-Tabu galt: Das Saxofon. Nicht übertrieben oft, aber sehr effektiv eingesetzt, röhrt das Sax hier ganz wunderbar.

Zum Schluss das Kontrastprogramm nach den Party-Rocksongs der ersten Bands: Archive. Schwer zu beschreiben, schwer einzuordnen. Passende Schlagworte sind vielleicht “Prog-Rock” oder “Radiohead”, aber damit trifft man es auch nicht ganz. Zu acht stehen Archive auf der Bühne und entwerfen beeindruckende Soundscapes. Schicht für Schicht entstehen diese Songs, die nie kürzer als fünf Minuten und oft wesentlich länger dauern. Obwohl das “Kunst”-Etikett hier nicht ganz falsch ist, wird Archives Musik nie zu verkopft, irgendwo ist immer ein eingängiger Hook versteckt, der dich mitreißt. Großartige Musik, die ich mir gerne noch länger angehört hätte als die etwa 60 Minuten, die der Gig dauerte.


Insgesamt ein sehr abwechslungsreicher Abend, der für mich dank Losglück bei der Roten Raupe auch noch kostenlos war.

Donnerstag, 20.04.2006
Eine Woche frei, viel Freizeit und so. Beste Voraussetzungen eigentlich, um ordentlich zu bloggen, um gute Gedanken und gute Links zu sammeln. Und was passiert? Fast nichts, zumindest hier im Blog. Stattdessen: Draußen ist Frühling, ich bin viel zu beschäftigt mit dem echten Leben, auf einmal gibt es so viele Sachen, die interessanter und wichtiger sind.
Anscheinend brauche ich das Ventil, das das Geblogge für mich in erster Linie ist, in den “normalen” Arbeits-Alltags-Wochen viel notwendiger als im Urlaub. Beruhigend, finde ich. Andersherum wär’s bedenklicher.
Dienstag, 18.04.2006
Der Titel sagt alles!
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Donnerstag, 13.04.2006
Na super. Da machen wir uns sehr ernsthafte Sorgen um den Zündfunk, und was titelt die tz?
Die Guten sind in der Minderheit. Scheiße.