Zeitungen und Zukunft

Zwei interessante Artikel über die Printpresse und ihre Zukunftsaussichten konnte ich in den letzten Tagen finden. Der eine heißt heißt „Bye bye Print“ und stellt „12 Thesen zur Zukunft der Verlage“ auf. Die Thesen von Peter Turi (Ex-Chef des Kress report) sind plakativ, provokant, wahrscheinlich auch zu stark verallgemeinert und vereinfacht. Aber ganz Unrecht hat er wohl nicht mit seinem Orakel.

Der andere erschien in der FAS und bei Spiegel Online. Stefan Niggemeier beschreibt in „Was wollen sie von uns?“ das System „ReaderScan“ , mit dem exakt geprüft werden kann, wie Zeitungleser ihre Zeitung lesen, was sie lesen, was sie überfliegen, was sie ignorieren. Gleichzeitig macht er sich sorgen:

Zu abschreckend ist das Beispiel des Fernsehens, das in der Illusion lebt, sekundengenau nachvollziehen zu können, wann gutverdienende 19- bis 39jährige Frauen zur Kochshow umgeschaltet haben. Und man sieht ja, was aus dem Fernsehen geworden ist, das nur noch auf diese Zahlen starrt und sich nicht mehr fragt, was es eigentlich erzählen will.

Persönlich gehöre ich wohl eher zur aussterbenden Gattung des ausgiebigen und regelmäßigen Zeitunglesers. Meine tägliche Zeitungslektüre möchte ich nicht missen. Ob das immer in der bisher gewohnten Form sein muss, ist die andere Frage, ich kann mir auch eine digitale Zeitung vorstellen. Meine persönliche ideale Zukunftszeitungsversion sieht ungefähr so aus: Lesbar auf einem robusten, kompakten, mobilen Online-Gerät, ständig aktualisiert. In einem Layout, das (wie im Papier) dem Leser klar macht, was wie wichtig ist, und ihn leicht die Unterschiede zwischen Kommentar, Reportage, Kolumne, Service usw. erkennen lässt. Idealerweise könnte ich bestimmte Schwerpunkte abonnieren oder einzelne Ressorts komplett weglassen. Und ich könnte mit einer Abo-Kennung Inhalte aus verschiedenen Quellen beziehen, die thematisch untereinander verlinkt sind. Gerne dann auch mit Audio- und Video-Angebot.

In etwa in diese Richtung scheint übrigens die New York Times mit dem geplanten Service „My Times“ zu gehen. Dort sollen auch externe Inhalte eingebunden werden.

 

4 Gedanken zu „Zeitungen und Zukunft

  1. Und man sieht ja, was aus dem Fernsehen geworden ist, das nur noch auf diese Zahlen starrt und sich nicht mehr fragt, was es eigentlich erzählen will.

    Vom Radioprogramm mal ganz zu schweigen…

  2. Na, na, das Deutschlandradio und WDR2 sind doch wohl noch okay. (Zudem: Schon mal was von Podcasting gehört? :-))
    Ad Astra

  3. Ich hab nur noch die FAS abonniert, abgesehen davon werde ich newsmäßig fast nur noch vom Internet versorgt, was fast zwangsläufig ist, wenn man den Großteil des Tags am Computer verbringt.

    Begeistert von der neuen NY Times ist auch dieser Artikel, in dem behauptet wird, dass die Online-Ausgabe der NY Times mittlerweile besser sei als die Printfassung. Wenn man allerdings die Kosten für den Grafikdesigneer-Bildschirm einrechnet, den man zum Anzeigen dieser Mega-Seite braucht…

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