Der Titel sagt alles!
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Archive for April, 2006
Der Titel sagt alles!
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Dokumentarfilm und Feelgood-Movie in einem. Franz Xaver Gernstl, der seit gut 20 Jahren mit Ton- und Kameramann für den Bayerischen Rundfunk unterwegs ist, betreibt mit dem Kinofilm Gernstls Reisen: Auf der Suche nach dem Glück eine Art Resteverwertung: Er plündert sein Archiv und präsentiert einen Best-of-Zusammenschnitt seiner Reisen. Dass dieses fürs Fernsehen gedrehte, nicht mehr taufrische Material rein technisch für die Kinoleinwand ungeeignet ist und man kein brillantes, gestochen scharfes Bild bekommt, hat man schnell vergessen, denn der Faszination des Films kann man sich kaum entziehen.
Das dreiköpfige Team macht in all den Jahren nicht viel mehr, als sich mit seinem VW-Bus treiben zu lassen (vorwiegend innerhalb Deutschlands bzw. im Alpenraum, aber immer außerhalb der Großstädte), interessante Menschen zu suchen und mit ihnen zu sprechen. Gernstl kann gut zuhören und kitzelt damit oft Erstaunliches aus seinen Gesprächspartnern heraus. Nicht immer, aber recht häufig sind es die Sonderlinge, mit denen Gernstl ins Gespräch kommt, manche würden sagen: die Freaks. Ein selbsternannter Guru, ein Unfallchirurg, der nebenbei eine alternative Tierfarm betreibt, ein esoterisch angehauchter Käsehersteller. Gernstl nimmt diese Menschen ernst, er führt sie nie vor, auch wenn man als Zuschauer über das Ergebnis lacht.
Als ich die TV-Sendung im Bayerischen Fernsehen zum ersten Mal flüchtig wahrnahm, kam sie mir sehr altbacken, ein bisschen zu bayerisch-gemütlich, vor. Dieser erste Eindruck täuscht, denn Gernstl erzählt eine Menge über unsere Gegenwart und über die unglaubliche Vielfalt von Typen, die darin leben. Da er das Ganze mit einem sehr charmanten Humor kommentiert und der Schwerpunkt des Films auf Menschen liegt, die — jeder auf seine Art — mit sich und ihrem Leben sehr zufrieden sind, geht man mit einem sehr angenehmen Gefühl aus dem Kino. Absolute Empfehlung — und wer mal wieder seine Eltern oder Großeltern ins Kino begleiten will, hat hier einen echten Trumpf im Ärmel.
(Der Film lief anfangs fast nur in Bayern, langsam arbeiten sich die Kopien auch nach Norden vor, siehe Übersicht)
* Auf die Anti-Globalisierungsdemo gehen — in H&M-Klamotten, anschließend ‘nen Kaffe bei Starbucks und dann nach Hause aufs IKEA-Sofa
* Für Arbeitnehmerrechte sein — und bei Lidl oder Schlecker einkaufen
* Sich über Content- und Ideenklau ereifern — und das WLAN vom Nachbarn schnorren
* Tagesthemen statt RTL II News, Aspekte statt DSDS gucken — aber keine GEZ zahlen
* Markenwahn doof finden — aber die Hardware muss von Apple kommen
* Das Kinosterben bedauern — aber ins Mathäser gehen
* CDs von kleinen Indielabels kaufen — bei Saturn
* Naomi Kleins “No Logo” bei Amazon bestellen
* Im Kopf für St. Pauli sein, aber vom Bauch her dann doch für den FC Bayern
Am Wochenende konnte ich die folgenden Filmchen goutieren, alle online verfügbar:
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In FAIRPLAY wird sehr effektvoll ein Kickerspiel inszeniert. Nicht ganz so beeindruckend wie die Kicker-Sequenz in Absolute Giganten, aber doch sehr unterhaltsam. (via Bolzen, aus Papier) |
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A MOVIE ABOUT TRUSTED COMPUTING versucht nicht, erschöpfend über das brisante Thema “Trusted Computing” Auskunft zu geben. Stattdessen weckt er Interesse, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen. Dazu ist er noch exzellent designt — ein Augenschmaus. (via Spreeblick) |
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Ein kurzer Clip, in dem die South-Park-Macher Trey Parker und Matt Stone den großen Monty Python Tribut zollen. Da wird erst mal der Dead Parrot-Sketch zitiert und später eine Geisel genommen… |
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THE SPIRIT OF ’43 ist ein Propagandafilm aus dem Hause Disney, Donald muss sich entscheiden: “Spend for the axis or save for taxes!” |
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Kein Kurzfilm, sondern ein 30minütiger Pilotfilm zu einer Serie, die dann doch nicht gedreht wurde. Eine trashige Motorradvariante von Knight Rider namens HEAT VISION AND JACK. Ein großer Spaß dank der Beteiligten: Ben Stiller, Jack Black und Owen Wilson. Und Ron Silver, der sich selbst spielt. (via kurzfilme) |
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Und dann ist da noch THE CALL, ein Werbefilm von Pirelli, mit John Malkovich und Naomi Campbell. Ein aufwendiger, teurer und hochgradig alberner Blödsinn, in dem Malkovich als Priester einen Exorzismus an einem Auto vornimmt. (via Printanzeige in einer TV-Zeitschrift) |
Diesen Monat geht’s wieder in Zehner-Schritten in die Vergangenheit. Kinowerbung von vor 50 Jahren:
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Gestern startete George Clooneys neuer Film Good Night, and Good Luck in den Kinos. Ein guter Anlass, endlich mal Clooneys Regiedebüt von 2002 anzusehen, der seit Monaten ungenutzt in meinem DVD-Regal stand. Die Kernthemen sind in beiden Filmen erstaunlich ähnlich, auch wenn die Ergebnisse sicher grundverschieden sind: Fernsehen und Politik.
Confessions of a Dangerous Mind ist die Verfilmung der Autobiographie von Chuck Barris, der in den USA ein recht berühmter Fernsehproduzent und -moderator war. Ihm sind TV-Formate wie Herzblatt und die Gong Show zu verdanken (letztere hatte auch in Deutschland ein kurzes Gastspiel, eines der unrühmlicheren Kapitel in der Karriere von Götz Alsmann). Confessions ist jedoch aus zwei Gründen kein gewöhnliches Biopic: Erstens erzählt Barris in seinem Buch davon, dass er im Nebenjob ein von der CIA angeheuerter Auftragsmörder war und lange Zeit ein Dopellleben geführt hat — eine Behauptung, bei der immer in der Schwebe bleibt, ob sie wirklich stimmt. Und zweitens stammt das Drehbuch von Charlie Kaufman, und der hat immerhin so geniale Spinnereien wie Being John Malkovich oder Eternal Sunshine of the Spotless Mind auf dem Kerbholz.
Confessions ist weniger schräg und wesentlich geradliniger als die beiden letztgenannten, aber trotzdem unkonventionell und originell erzählt und verbindet ganz locker Elemente von Dokumentarfilm, Thriller und Komödie. Chuck Barris beginnt als kleiner Möchtegern bei ABC und macht eher zufällig als geplant Karriere, sowohl beim Fernsehen als auch bei der CIA. Sam Rockwell verkörpert den egozentrischen, nicht besonders sympathischen Helden sehr glaubhaft. Ein Mensch ohne echte Ziele und Überzeugungen, der sich treiben lässt und nicht nein sagen kann. Überhaupt ist der Film ausgezeichnet besetzt (bis hin zu einem sehr schönen Mini-Cameo von Danny Oceans Kumpels Brad P. und Matt D.).
Es muss Clooney und Co. großen Spaß gemacht haben, die 60er und 70er Jahre auf die Leinwand zu bringen. Farben, Musik, Frisuren, Kostüme — alles passt. Das macht Confessions auch zu einem gelungenen period piece und zu einer liebevollen Hommage an das Fernsehen, als es noch etwas unschuldiger war.
Sommer-Entscheidungen: Wie fast jedes Jahr wieder zum Southside Festival fahren? Oder doch mal Abwechslung und ins Nachbarland, nach St. Gallen? Heute wurde verkündet, wer dort auftritt:
Eine ziemlich wilde Mischung, mit Korn und Manu Chao unter den Headlinern. Außerdem feine britische Gitarren (Franz Ferdinand und Maximo Park). Und die Eels! Und natürlich Kettcartomte, ohne die wohl kein Festival im deutschen Sprachraum mehr stattfinden darf. Soll mir recht sein.
Anmerkung: Wer sein Publikum monatelang gezielt auf einen Tag hintrimmt, an dem lang ersehnte Infos verfügbar sein sollen, darf sich nicht wundern, wenn ihm an jenem Tag die Bude eingerannt wird und der Server schlapp macht.







