Im Kino: Running Scared (Renn oder stirb)

Ein Film, der komplett unter meinem Radar durchgeflogen wäre, wenn ich nicht Renés Bindings enthusiastischen Hinweis auf Nerdcore gelesen hätte. So begeistert wie er bin ich allerdings nicht…

Runnning Scared von Wayne Kramer gehört zu der Sorte von Filmen, die sich knallhart geben, sich in Sachen Gewalt nicht zurückhalten und das ganze in einer sehr modernen und sehr stylishen Ästhetik präsentieren. Das Oberflächliche, die Optik, ist Kramer auch superb gelungen: Farbfilter, Kamerafahrten, Schnitte, alles sehr geil gemacht. Zieht man das alles aber mal ab und stellt sich vor, der Film wäre in ZDF-Vorabendkrimi-Ästhetik gedreht worden, bleibt nicht mehr viel übrig. Es geht um Joey, den Handlanger einer Verbrechergang, der die Aufgabe hat, eine Waffe zu entsorgen, mit der ein Cop getötet wurde. Leider entwendet der Nachbarsjunge die Waffe, um damit auf seinen Stiefvater zu zielen. Und deshalb ist Joey jetzt hinter dem Jungen und hinter der Waffe her. Daraus entwickelt sich eine Katz-und-Maus-Jagd, temporeich und nicht langweilig, aber ohne jeden Tiefgang und — viel schlimmer — ohne jeden Humor.

Dabei wären Plot und Stil bestens geeignet, den Film mit einer ordentlichen Prise Ironie zu würzen. Die zahlreichen zwielichtigen Typen, harten Hunde und Mafiosi sehen allesamt so klischeehaft aus, als wären sie direkt von den Sets von Snatch und den Sopranos gecastet worden. Man möchte augenblicklich schmunzeln, wenn man diese Visagen sieht. Aber Kramer meint’s ernst und propft dem Film dann noch ein Finale auf, in dem die guten alten Werte der Kleinfamilie hochgehalten werden, Star Spangled Banner inklusive.

Man kann förmlich spüren, wie das Script für diesen Film immer wieder gekürzt, überarbeitet, erweitert und umgeschrieben wurde. Vieles in Running Scared ist als Einzelszene okay, bleibt aber Stückwerk. Wie ein Fremdkörper wirkt beispielsweise die Szene, in der Joeys Frau den Nachbarsjungen aus der Wohnung eines Kinderschänder-Ehepaars zu retten versucht. Eine sehr gruselige Sequenz, ohne Blut- und Schockeffekte, mit Hochglanz- statt Schmuddelbildern. Für sich genommen wirklich nicht übel, aber völlig unpassend zum Rest vom Film.

Nichts gegen cool gestylte blei- und bluthaltige Filme. Ich mag sowas ganz gerne, aber es muss halt passen. Bei Sin City, bei City of God, bei Spun, da passt es (jeweils auf eine ganz eigene Weise). Hier passt es nicht.

Abspann: Auch der ist stylish, auch der sieht gut aus, aber auch hier gilt: es passt nicht zum Rest des Films. Der Abspann (eigentlich ein ans Ende verpflanzter Vorspann) beschwört eine Art märchenhafte Gruselstimmung, die leicht an Tim Burton erinnert, aber mit Running Scared rein gar nichts zu tun hat.

 

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