Auf DVD: No Direction Home – Bob Dylan

Über dreieinhalb Stunden dauert No Direction Home, aufgeteilt auf zwei DVDs, und das obwohl Martin Scorsese keinen Überblick über die gesamte Karriere Bob Dylans geben will, sondern sich auf die erste Hälfte der Sechziger Jahre beschränkt. Diese wird dafür umso detaillierter beleuchtet.

Dylans Anfänge im Greenwich Village, seine Bewunderung für Woodie Guthrie, seine Verwurzelung in der Folk-Szene, sein Aufstieg zum berühmten Protestsänger. Das alles dokumentiert Scorsese, indem er zum einen Dylan selbst ausgiebig reden lässt, zum anderen viele damalige Kollegen und Mitstreiter interviewt. Dazu gibt es reichlich Archivmaterial, auf einen Off-Kommentar wurde verzichtet. Dem Film gelingt es sehr gut, die Zeit und vor allem den Zeitgeist, der damals herrschte, lebendig werden zu lassen.

So richtig interessant und spannend wird er aber erst in der letzten Stunde, wenn es um den ersten großen Bruch und Wendepunkt in Dylans Karriere geht. No Direction Home, der Filmtitel, ist ein Zitat aus Like A Rolling Stone, einem der größten Dylan-Hits, der symbolisch für das steht, was plötzlich alles anders war: Eine Rockband anstatt eines Solosängers, elektrisch verstärkte und verzerrte Instrumente, mehr Blues, weniger Folk. Scorsese zeigt ausführlich, welchen Sturm der Entrüstung dies unter Dylan-Fans damals auslöste, und lässt auch erahnen, warum Dylan wohl gar nicht anders konnte, als diesen Schritt zu machen. Wer die völlig absurden Szenen aus diversen Pressekonferenzen sieht, in denen der Sänger die abstrusesten Fragen gestellt bekommt, der versteht, dass Bob Dylan die Schnauze voll davon hatte, als „Sprachrohr einer Generation“ und ähnliches zu gelten.

Dass dieser Film von einem Regie-Superstar stammt, merkt man ihm nicht an, stilistisch folgt er weitgehend den Konventionen der „Rockumentary“. Wer also Scorsese-Anhänger ist, aber für Dylan gar nichts übrig hat, kann sich No Direction Home sparen. Für Dylan-Fans ist der Film dagegen Pflicht, und auch für Menschen, die sich eher allgemein für die Musik der Sechziger interessieren, zu empfehlen.