Im Kino: Sommer vorm Balkon

Stolze 19 Wochen nach dem Kinostart habe ich es nun auch in Sommer vorm Balkon von Andreas Dresen geschafft. Wurde aber auch höchste Zeit, denn das ist ein wirklich feines Stück Film. Der Trailer und vor allem die bunte Plakatwerbung deuteten auf ein Feelgood-Movie für Freundin– und Petra-Leserinnen hin, aber das ist die falsche Fährte. Sommer vorm Balkon ist ein Blick auf unsere Gegenwart: Deutschland 2006, das Leben zweier Frauen über Dreissig, noch nicht alt, aber auch nicht mehr richtig jung. Das ist — wie im echten Leben — stellenweise sehr lustig, aber auch sehr tragisch, romantisch ist es eher nicht (auch wenn sich die Figuren vielleicht manchmal wünschen, dass es so wäre). Die Geschichte, die Menschen darin und ihre Dialoge, sie fühlen sich sehr realistisch und lebensnah an.

Den Plot könnt ihr gerne woanders nachlesen, denn der ist nicht unbedingt das wichtigste. Ich habe lange keinen Film gesehen, der so viele tolle kleine Einzelmomente hat: Ein einzelner Satz, ein bestimmter Blick, ein unscheinbarer Gag, ein kleines Detail, auf das nicht weiter eingegangen wird. Und eine Handvoll wunderbarer Kameraeinstellungen. Dazu ein Schauspielerensemble, das ohne die ganz großen Namen auskommt, aber gerade deshalb so überzeugend wirkt. Mit den Elementarteilchen-Allstars hätte das nicht gepasst.

Heißer Anwärter auf einen Platz in meinen Jahres-Top-Five.