Im Kino: X-Men: The Last Stand (X-Men: Der letzte Widerstand)

Wenn man dem Thema Superhelden nicht komplett abgeneigt ist, dann darf man X-Men und (mehr noch) X-Men 2 durchaus zu den gelungensten Filmen dieses Genres zählen. Regisseur Bryan Singer hat die Latte für seinen Nachfolger Brett Ratner recht hoch gehängt. Ist Teil 3 ein würdiger Nachfolger? Die Antwort lautet: fast. Ratner und sein Team versuchen nicht, der Serie ihren eigenen Stempel aufzudrücken, sondern bleiben stilistisch und stimmungsmäßig den Vorgängerfilmen treu. Wie gewohnt halten sich Actionszenen, charmante Charaktermomente und ein (verglichen mit anderen Sommerblockbustern) ziemlich plausibler Plot die Waage.

Das sympathische an den X-Men ist ja die Tatsache, dass es keine eindeutige Hauptfigur, sondern immer ein Ensemble gibt, dessen einzelne Mitglieder mehr oder weniger gewichtige Rollen im Film spielen. Von der Kerntruppe aus den ersten beiden Filmen sind alle wieder dabei, keine Rolle musste durch einen anderen Schauspieler ersetzt werden. So fühlt sich der Film als echte Fortsetzung an, auch weil einige Handlungsfäden aus dem Vorgänger wieder aufgegriffen werden. Manche Nebenfiguren sind verschwunden (leider gehört der Nightcrawler dazu, den ich in X-Men 2 klasse fand), dafür wurden natürlich wieder neue Charaktere aus Marvels schier unendlichem Mutantenvorrat geholt.

Die Handlung von X3 besteht aus zwei zentralen Elementen: Zum einen die Wiederkehr der tot geglaubten Jean Grey als Dark Phoenix, zum anderen die Entdeckung eines Medikaments, das angeblich alle Mutanten von ihrer „Krankheit“ heilen könne. Während einige aus der gesellschaftlichen Randgruppe der Mutanten sich nichts sehnlicher wünschen als „normal“ zu sein, sieht v.a. Magneto, den Ian McKellen wieder mit großer Lust am Schurkentum verkörpert, das Heilmittel als ultimative Provokation und ruft einmal mehr den Krieg der Mutanten gegen die Menschen aus. Dabei will er die extremen Kräfte der Dark Phoenix für seine Zwecke nutzen. Und Charles Xavier (Patrick Stewart) und seine Schüler wollen dies natürlich verhindern.

Am meisten Spaß macht Der letzte Widerstand jedoch in den kleinen Szenen, die nicht zur Haupthandlung gehören. Wortgefechte zwischen Beast und Wolverine, eine kleine Romanze zwischen Shadowcat und Iceman, die Fiesheiten von Mystique. Und auch der Juggernaut mit seinem klobigen Helm, bei dem sich die Filmemacher getraut haben, die Figur als tumben Dämlack darzustellen, sorgt für unterhaltsame Momente. Und die Geeks unter uns dürfen natürlich wieder Ausschau nach Stan Lee halten, der (wie in fast allen Marvel-Filmen) wieder einen kleinen Cameo-Auftritt hat.

Zu einem Film wie X-Men gehören natürlich Spezialeffekte und Action wie der Senf aufs Leberwurstbrot. Und auch hier kommen die Fans auf ihre Kosten. Zu Beginn werden die Effekte eher sparsam, aber durchaus sehr wirkungsvoll eingesetzt, z.B. wenn sich die Wandlung Jean Greys zum finsteren Dark Phoenix in ihrem Gesicht spiegelt. Die richtig große Action-Keule wird erst im letzten Drittel des Films rausgeholt, dann aber gibt es eine spektakuläre, ausgiebige und sehenswerte Schlacht, bei der die Golden Gate Bridge eine tragende (haha) Rolle spielt.

X-Men 3 ist als Fortsetzung auf alle Fälle gelungen und dürfte denjenigen, die die ersten beiden Teile mochten, gut gefallen. Und das will bei der Schwemme von Sequels, die Hollywood Jahr für Jahr raushaut, schon etwas heißen. Als eigenständiger Film funktioniert The Last Stand zwar auch, macht aber mit etwas Vorwissen viel mehr Spaß. Das Figurenensemble ist für Neulinge nicht leicht zu überblicken und die Hauptpersonen werden nicht mehr groß eingeführt. Stellenweise wirkt die Geschichte in ihrem Streben nach Ernsthaftigkeit und Relevanz etwas zu bemüht. Vor allem Magnetos bedeutungsschwangere Reden wirken teilweise eher unfreiwillig komisch, was das Vergnügen aber nur wenig schmälert. Ein Meisterwerk ist X-Men: Der letzte Widerstand zwar nicht geworden, aber als Popcornfilm und Nachschub für Fans funktioniert der Film hervorragend.

Abspann: Yeah, hier gibt es mal wieder eine echte Belohnung für uns Sitzenbleiber. Durchhalten!

Dieser Text steht in etwas ausführlicherer Form auch bei Comicgate.