Im Kino: C.R.A.Z.Y. (Verrücktes Leben)

C.R.A.Z.Y., diese fünf Buchstaben stehen für fünf Brüder, die in einer Familie in der Provinz Québec aufwachsen. Im Mittelpunkt steht Zac, Jahrgang 1960, den wir vom Mutterleib an durch seine ganze Adoleszenz begleiten. Richtig, C.R.A.Z.Y. von Jean-Marc Vallée, in diesem Jahr der große Abräumer bei den Genie Awards (dem kanadischen Pendant zum Oscar), ist ein Coming-of-age-Film und enthält praktisch alle Standardzutaten, die in diesem Genre dazu gehören: Stress mit Geschwistern, Mitschülern und Eltern, erste sexuelle Erfahrungen, und — ganz wichtig — Musik.

Zacs Umgebung, in der er aufwächst, wird hier nicht als Hölle beschrieben, aus der man es kaum erwarten kann, auszubrechen. Seine Eltern sind eigentlich ziemlich in Ordnung, wenn nur die Mutter nicht so streng gläubig wäre und der Vater kein so stolzer Macho, dessen größte Sorge es ist, dass aus seinem Nachwuchs Schwuchteln werden könnten. Genau das ist dann auch der Konflikt, der die Geschichte vorantreibt: Zac, der sich schon als Kind für Puppenwägen und Mutters Schmuck interessiert hat, entdeckt sein Interesse für den Freund der Cousine. Für den Vater eine Katastrophe.

Jean-Marc Vallée zeichnet ein stimmungsvolles Bild der 60er und 70er Jahre, seine Figuren sind zwar ziemlich archetypisch angelegt, tappen aber nicht in die Klischeefalle. Die Schauspieler, allen voran Hauptdarsteller Marc-André Grondin sorgen dafür, dass die Charaktere nicht zu Schablonen werden. Besonders schön gelungen sind einige musikalische Szenen, z.B. wenn Zac in der Christmette sitzt und sich vorstellt, die ganze Kirche würde „Sympathy for the Devil“ singen, oder wenn er (das Gesicht mit einem Blitz bemalt) in seinem Zimmer zu David Bowies „Space Oddity“ posiert.

C.R.A.Z.Y. ist wirklich kein schlechter Film, aber so ganz gepackt hat er mich dann doch nicht. Erstens, weil er sich zu wenig traut — er hat einige originelle Ideen, bleibt aber dann doch meist einen Tick zu brav und bieder. Und zweitens, weil der Film sich in der zweiten Hälfte mächtig in die Länge zieht. Mit 127 Minuten ist er mindestens eine halbe Stunde zu lang, da wäre weniger mehr gewesen.