DVB-T und ich: Das erste Jahr

Es muss etwa 2000 oder 2001 gewesen sein, da in mir das Verlangen nach einem Kabelanschluss erwachte. Die erste Zeit in der Münchner Wohnung genügte mir die Handvoll Dachantennen-Programme, aber das Angebot war dann doch verlockend: viele öffentlich-rechtliche Sender, für die ich eh schon GEZahlt hatte, sie aber nicht sehen konnte, MTViva (die damals noch einige Musikvideos spielten) und das analoge Premiere, von dem ich gehört hatte, dass man mit einer TV-Karte und einem PC lustige Experimente machen konnte. So kam also das Kabel in die Wohnung, und irgendwann auch die Erkenntnis, dass 30 x doof nicht besser ist als 6 x doof. Nur teurer. Aber zur Kündigung konnte ich mich dann auch nicht durchringen (und außerdem entscheide ich das nicht alleine).

Der Ausweg (die Alternative namens Sat-Schüssel scheidet in einem Mietshaus meistens aus) kam exakt heute vor einem Jahr: DVB-T, also digitales Fernsehen über Antenne, startete in Bayern. 24 Sender, nur unwesentlich weniger als beim analogen Kabel, ohne Gebühren. Das war die Chance, dem Kabelprovider endlich die Kündigung zu schicken und mir einen DVB-T-Receiver zu kaufen. Für mich eine kleine TV-Revolution, aber nicht wegen digital, sondern weil mein Receiver auch eine Festplatte hat. Und dieses Ding verändert das Fernsehverhalten wirklich.

Plötzlich ist es möglich, Serien wirklich zu verfolgen, also jede Folge zu gucken (was bei den modernen, guten Serien wie Lost, 24 oder Six Feet Under auch dringend anzuraten ist). Und zwar dann zu gucken, wenn ich will, und nicht dann, wenn der Fernsehsender meint, jetzt wäre grade ein guter Moment. Das ist keine Revolution, kann man einwenden, das geht auch mit DVDs (die kosten aber Geld!) und ein normaler Videorekorder kann das auch. Sicher, antworte ich, aber Aufnahmen mit dem klassischen Videokassettenrekorder waren leider ziemlich umständlich und mühsam: Freies Tape suchen oder kaufen, die richtige Stelle auf dem Band hinspulen, prüfen, ob noch genügend Platz frei ist. Fällt alles weg, Aufnehmen ist viel leichter geworden und wird damit auch öfter praktiziert. Die Folge: Man kann sich das jämmerliche Live-TV-Gucken, dieses „Was kommt denn grade, hmmm, das läuft schon seit 20 Minuten, weiterzappen, nagut, das ist halbwegs erträglich, das bleibt erstmal“ sparen. Man schaut Festplatte. Ein Nachteil bleibt natürlich: Ich muss rechtzeitig auswählen und programmieren, bevor die Sendung läuft. Wenn ich erst heute lese, dass diesundjenes gestern gut war, ist’s zu spät. Aber das kann ja auch noch werden. Die BBC zum Beispiel entwickelt da grade höchst Spannendes.

A propos Fernsehen: Bei Zoomo ist es auch verdächtig ruhig geworden. Schade, ich finde dieses Weblog mit interessanten TV- (und Radio-) Empfehlungen klasse. Da kommt hoffentlich nochmal was.

 

13 Gedanken zu „DVB-T und ich: Das erste Jahr

  1. „Und zwar dann zu gucken, wenn ich will, und nicht dann, wenn der Fernsehsender meint, jetzt wäre grade ein guter Moment.“ – Glückwunsch! Bei mir ist es seit DVBT: Dann gucken, wenn zufällig eines der Programme gerade reinkommt. Und, nein, es liegt nicht an meiner Unfähigkeit das Ding richtig auszurichten. Das Problem kennt ein ganzer Stadtteil.

  2. Hallo,

    ich habe die Möglichkeit, Fernsehen entweder über DVB-T oder Satellit zu empfangen (bin gerade umgezogen). Welche der beiden Empfangsarten würdet ihr mir empfehlen? Ich weiss, dass ich über Satellit wesentlich mehr Sender reinbekomme und ausserdem auch noch Premiere empfangen kann. Wie unterscheidet sich denn die Bildqualität von DVB-T zu Satellit?

    Vielen Dank!

  3. Muppet, ich habe beide Möglichkeiten schon mal gehabt. Bei Satellit hatte ich nie ein Problem, bei DVBT (siehe oben) umso mehr. Aber offensichtlich hängt das in München davon ab, in welchem Stadtteil man wohnt. Und natürlich, welche Sender man empfangen will – bei DVBT geht nichts fremdsprachliches rein (abgesehen davon, dass auch das ZDF nahezu nie reingeht).

  4. Relativ schlecht soll der Empfang angeblich in direkter Umgebung des Olypiaturms sein, wo die Signale ja herkommen. Regenschirmeffekt (heißt das so?).
    Wir haben das Glück, das unser Mietshaus noch eine klassische terrestrische Antenne aufm Dach hat, die letztes Jahr extra neu ausgerichtet wurde. Zu 90% klasse Empfang. Man merkt allerdings, das nicht alle Sender in der gleichen Qualität senden. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind qualitativ top, sogar beim Fußball (da hatte ich die meisten Bedenken).

  5. Danke für die Antworten! Weisst denn jemand, wie es mit der Bildqualität bei DVB-T im Vergleich zu Satellit bestellt ist?

  6. Wird nicht bei SAT inzwischen auch manchmal hdtv-quali gesendet? im gegensatz zu dvb-t…

  7. Wobei sich DVB-TV wohl auch gegessen haben wird, wenn der Vertrag mit den Privaten, die da mit im Sortiment stecken, ausläuft (meines Wissens in ~ 1 Jahr oder so). Da diese Digital-Lösung für die teilnehmenden Sender mit enormen, teils horriblen Kosten verbunden ist, ist das nämlich kaum rentabel und so wie es aussieht, werden die privaten Sender ihre Teilnahme über die testende Ersteinführung hinaus nicht verlängern.

  8. Ich habe seit fast einem Jahr keinen Fernseher mehr. Weil der DVB-T-Empfang in der neuen Wohnung nicht funktioniert – in der alten lief das Prima, da konnte ich direkt am PC aufnehmen und schneiden und auf DVD auswerfen etc. pp.
    Aber seitdem ist Funkstille. Und wißt ihr was? Ich vermisse überhaupt nichts. Wenn diese blöde Internet-GEZ-Gebührenregelung nicht nächstes kommen würde, ich hätte die auch schon gekündigt…
    Ad Astra

  9. @Thomas: Ich sagen nur „grundverschlüsselte“ Privatsender, für die man dann nochmal neben der GEZ eine Gebühr entrichten darf um das Programm mit Werbung überhaupt zu sehen. Das kommt garantiert.
    Ad Astra

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