Überall Schwarz-Rot-Gold

Der Überschwang, mit dem derzeit vielerorts geflaggt wird, hat schon was von Kindern aus strengem Hause, die sich nach Jahren vernunftbegabter Mäßigung beim ersten McDonald’s-Besuch völlig überfressen. Die Opportunisten werden nach der ersten Niederlage ans Einrollen denken, bei Finalteilnahme wird das Symbol vom Ereignis nachhaltig geadelt werden. Ist doch hübsch, dass die Nazis sich eh schon für die Reichskriegsflagge und ähnlich Erbrochenes entschieden haben, da kann das Burschentuch positiv aufgeladen werden.

Friedrich Küppersbusch in seiner wöchentlichen (und stets lesenswerten) taz-Kolumne.

 

Ein Gedanke zu „Überall Schwarz-Rot-Gold

  1. Um die Positivladung des Dreifarbentuchs vom Hauptbedenken zu befreien, ist natürlich das Naheliegende als Motto voranzustellen. Das Programm „bunt statt braun“, meines Wissens in Mecklenburg-Vorpommern ersonnen und zwischenzeitlich vielfach anlässlich verschiedener Veranstaltungen und Aktionen aufgegriffen, lässt sich nämlich auch auf die Beflaggung anwenden. Schwarz und Rot und Gelb, rührt man sie zusammen, ergeben irgend eine Übel- oder Unfarbe. Unverrührt bleibt es erfreulich farbig. Dann also doch gleich, wie bei Schwerin-NEWS und Braintwist-BLOG zu lesen: Schwarz-Rot-Gold statt Braun! Das erinnert dann vielleicht auch hinreichend listig an eine moralische Abgrenzungspflicht des gastgebenden Fahnenträgers. Und der Reichskriegsbeflaggte sähe sich vor der Aufgabe, die Differenz wegzureden.

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