Urheberrechtsfrust

Man kommt ja aus dem Aufregen gar nicht mehr raus. Was soll denn der Scheiß schon wieder?

In einem Lagerhaus irgendwo in Deutschland liegt ein Haufen CDs, aufgenommen, gepresst und gut verpackt. Die Bemusterungsexemplare sind vor Wochen an die Musikmagazine verschickt worden; in deren Juli-Ausgaben werden die Geschichten und Rezensionen zum Album erscheinen. Ob „Die Dreigroschenoper“ in der Neueinspielung der Popband Slut jedoch jemals in die Läden kommen wird, ist unklar: Die CDs bleiben bis auf Weiteres im Lager.

In dem Artikel auf jetzt.de, der auch in der gedruckten Süddeutschen Zeitung erschien, wird geschildert, wie sich Slut und ihr Label redlich um die Rechte an der Veröffentlichung ihrer Version der Dreigroschenoper (die bereits mehrfach im Theater in Ingolstadt aufgeführt wurde) bemüht hatten. Zuerst gab’s gar keine Antwort, dann hieß es, sieben oder acht Songs seien okay, später waren nur noch fünf gestattet. Begründung: Keine. Also kommt in Kürze die Schmalspur-Version Die kleine Dreigroschenoper als Mini-CD auf den Markt.

Okay, das ist kein großer Skandal, kein schlimmer Goliath-gegen-David-Kampf. Die Erben von Kurt Weill haben die Rechte, sie können „ja“ oder „nein“ sagen (und, wie man sieht, auch „jein“). Trotzdem: Zum einen ist es verdammt schade für eine obersympathische Band wie Slut, die hier um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wird, zum anderen ist diese seltsame Politik der Weill-Erben ein weiterer Tropfen auf dem Stein, der „Der extrem nervende Umgang von Rechteinhabern mit ihren Rechten“ heißt. Und lächerlich obendrein, da der Einspruch ja erst kam, nachdem erste Exemplare der vollständigen Aufnahmen bereits verbreitet wurden. Viel Spaß beim Suchen in den schummrigen Ecken des Netzes.

 

4 Gedanken zu „Urheberrechtsfrust

  1. Ich würde ja auch sagen: Wenn die Leute von Slut wirklich so coole Leute sind, wie alle sagen, dann wissen die, was jetzt zu tun ist. Und wo.

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