Das Filmfest und das Filmfest

Jedes Jahr im Sommer in München: Das Münchner Filmfest (nach eigener Aussage das zweitgrößte Festival in Deutschland nach der Berlinale) und das Fantasy Filmfest (das immer in München beginnt und dann durch andere Städte zieht). Heuer überschneiden sich leider die beiden Festivals an vier Tagen, weil das Münchner Filmfest wegen der WM später beginnt als üblich. Ich find das sehr schade. Auch wenn die Zielgruppen der beiden Festivals nicht direkt übereinstimmen, so gibt es sicherlich Schnittmengen, also etliche Leute, die beide Veranstaltungen interessant finden. Das zeigt sich schon allein daran, dass zumindest ein Film (Linklaters A Scanner Darkly) sowohl hier als auch dort läuft (vielleicht sind’s auch noch mehr, so genau hab ich nicht geschaut). Beim Filmfest ist das gesamte Programm bereits online, beim FFF erst ein unvollständiger Ausschnitt mit rudimentären Infos.

Das Festival-Filme-Aussuchen ist ja eine Kunst für sich. Wenn man weder Dauerkarte noch Urlaub noch Geldscheißer noch Presse-Akkreditierung hat, so erlauben Zeit- und Geld-Budget meistens nur den Besuch einer kleinen Handvoll Filme. Nicht ganz einfach, hier die „richtigen“ rauszusuchen. Ich gehe in der Regel erstmal nach Kalender vor. Zeiten, die bereits durch andere Termine belegt sind, scheiden schonmal aus, das schränkt die Auswahl gleich ein. Dann werden interessante Filme angestrichen. Das ist gar nicht so leicht — zuerst fallen einem Filmtitel ins Auge, von denen man im Internet oder anderswo schon gelesen hat (Art School Confidential, Sympathy for Lady Vengeance oder Soderberghs Bubble beim Filmfest, Renaissance und The Science of Sleep beim FFF). Schwieriger wird’s bei völlig unbekannten Titeln, Regisseuren und Darstellern. Wer hat die Zeit, all die Inhaltsangaben und Promotexte zu lesen?

Hat man schließlich eine kleine Menge interessanter Filme gesammelt, kommt das Aussieben und — bei gleichzeitig laufenden Filmen — das Abwägen. Ich versuche bei Festivals möglichst solche Filme zu sehen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht regulär im Kino laufen werden. Manche Filme haben bereits einen Verleih und ein konkretes Startdatum für die Kinoauswertung (einigermaßen gut zu recherchieren bei filmz.de oder blickpunktfilm.de). Dann muss ich den nicht auf dem Festival sehen. Ich gehöre nicht zu der Sorte, die alles möglichst früh und als erste haben, sehen oder hören muss.

Schwieriger wird’s bei Filmen wie A Scanner Darkly: Die Erfahrung sagt mir, dass der Film sicher in die deutschen Kinos kommen wird, aber einen Starttermin oder Verleiher kann ich nicht finden. Ich spekuliere auf einen regulären Start, schon allein wegen Keanu Reeves. Wie auch immer, in diesem Jahr werde ich so oder so nicht mehr als zwei oder drei Filme sehen können. Der Juli ist bei mir einfach zu voll mit anderen Beschäftigungen.