Archive for Juni, 2006

WM live: Zweimal im Stadion

Die richtig tollen Spiele hab ich nicht erwischt, aber man will ja nicht kleinlich sein und freut sich natürlich, wenn man Tickets hat für die WM. Ich war letzte Woche bei Saudi-Arabien – Tunesien (2:2), ein teilweise erbärmlicher Kick auf bestenfalls Zweitliganiveau. Aber immerhin mit vier Toren. Und gestern dann bei Brasilien – Australien (2:0). Auch das war nicht ganz so toll wie erwartet, bot aber zumindest eine unterhaltsame zweite Halbzeit und man konnte gut beobachten, wie der neutrale Teil des Publikums im Laufe des Matches vom Brasilien- zum Aussie-Unterstützer mutierte. Ein Tor hätte den Socceroos fast jeder gegönnt. Und sonst?

  • Die Münchner Arena ist wirklich ein tolles Stadion. Alles so nah dran!
  • Je langweiliger, desto La Ola.
  • Wenn das Publikum irgendwann schreit “Steht auf, wenn ihr Deutsche seid” und das auch tut, spricht das nicht gerade für die Qualität des Spiels. Nichts gegen Tunesien und Saudi-Arabien, aber das war schon enttäuschend für ‘ne WM.
  • Der Mann, der für die Lautstärke der Stadion-Beschallung zuständig ist, arbeitet wahrscheinlich den Rest des Jahres als Triebwerktester bei Boeing. Scheiße, war das laut.
  • Goleo: schlimm. Pille: sehr schlimm. Stefan Lehmann “interviewt” Goleo und Pille: schlimmschlimmschlimm.
  • Vollkommen überflüssig: das komplette Spiel auf den großen Anzeigetafeln zu übertragen. Was soll das? Die Leute schauen auf den Rasen! Und die interessanten Sachen (z.B. Zeitlupen nach Schiedsrichter-Pfiffen) kriegt man dann doch nicht zu sehen.
  • Du hast zuviel Bier getrunken, wenn…
  • … du die Aussies anfeuern willst, aber “Austria, Austria” schreist
  • Anheuser-Busch-Plörre mag nicht das beste Bier sein, aber es gibt schlimmeres. Der kleine Junge, der in der Halbzeitpause die Treppe von Block 217 vollgereihert hat, hatte sicher kein Bud getrunken.
  • Der Typ, der direkt danach in bester Slapstick-Manier volle Pulle auf dessen Pfütze ausgerutscht ist, dagegen schon.
  • Der Stadion-DJ hatte gut mitgedacht und nicht nur Brazil eingepackt sondern auch AC/DC und Midnight Oil (Was ein Glück, dass Schweden nicht gespielt hat).
  • Und dass Down Under von Men at Work super als Stadion-Mitgröhl-Song funktioniert, hätte ich auch nicht gedacht.
  • Schöner Versprecher im U-Bahnhof: “The next plane, äh train, to the city will arrive in two minutes.”
  • Der MVV ist prima. Das klappt alles richtig gut mit dem An- und Abtransport zum/vom Stadion.
  • Brasilien wird nicht Weltmeister. Jedenfalls nicht in dieser Form.

U-Bahn-Station Fröttmaning

I need Sex and Tickets

Schnell noch hübsch machen

U-Bahn nach dem Spiel

Featuring…

Ich weiß, das ist kleinlich von mir. Aber auch peinlich für dich, liebe Süddeutsche:


(Interview mit Fußball-TV-Regisseur Volker Weicker)

Schon mal was von einem Feed gehört?

Auswärtsspiel

Yours truly ist ein paar Tage unterwegs und verstärkt das Korrespondententeam, das für Comicgate vom Comic-Salon in Erlangen berichtet. Natürlich in Blogform: Erlangen am Draht. Schau’n Sie bitte mal rein.

Spätestens nächste Woche geht es dann hier wieder weiter, u.a. mit Impressionen von den WM-Spielen Tunesien – Saudi-Arabien und Brasilien – Australien. Die umrahmen nämlich meine Erlangen-Tage. Positiver Stress!

Überall Schwarz-Rot-Gold

Der Überschwang, mit dem derzeit vielerorts geflaggt wird, hat schon was von Kindern aus strengem Hause, die sich nach Jahren vernunftbegabter Mäßigung beim ersten McDonald’s-Besuch völlig überfressen. Die Opportunisten werden nach der ersten Niederlage ans Einrollen denken, bei Finalteilnahme wird das Symbol vom Ereignis nachhaltig geadelt werden. Ist doch hübsch, dass die Nazis sich eh schon für die Reichskriegsflagge und ähnlich Erbrochenes entschieden haben, da kann das Burschentuch positiv aufgeladen werden.

Friedrich Küppersbusch in seiner wöchentlichen (und stets lesenswerten) taz-Kolumne.

WM-Alternativen im Fernsehen

Was erwartet man vom Fernsehprogramm der Sender, die keine WM-Spiele zeigen? Wenig bis nichts. Will ja keiner was gegen unschlagbare Konkurrenz versenden. Gerade diese Tatsache scheint die Programmplaner dazu bewogen zu haben, einige Nicht-Mainstream-Perlen ins Programm zu hieven, deren Quotenerwartung wohl ohnehin gegen Null geht. Natürlich, wie bei interessanteren Filmen üblich, meistens mitten in der Nacht. Und so nehme ich überrascht und erfreut zur Kenntnis, das man in den nächsten Tagen einige asiatische Perlen sehen kann: Shaolin Kickers (heute nacht, 0.05, arte), Tears of the Black Tiger (Mittwoch, 22.50, arte) und Old Boy, (Mi auf Do, 0.20, ARD). Die beiden letztgenannten überschneiden sich leider.

Nächsten Sonntag gibt es dann die TV-Premiere von Ozons Swimming Pool (23.15, ARD). Ein Film, bei dem sich mehrfaches Ansehen lohnt.

Vielleicht gut, vielleicht Scheiße (vielleicht auch: im Original toll, auf deutsch mies), ich weiß es nicht: Orgazmo, eine Superhelden-Mormonen-Porno-Satire von den South-Park-Machern Trey Parker und Matt Stone (Fr auf Sa, 2.40, Kabel 1).

Soweit mein Service für die Fußball-Muffel. Dann können wir ja wieder mit den wirklich wichtigen Dingen weitermachen…

Mittagspause in Eröffnungsspielhausen

Konnte es mir heute Mittag nicht verkneifen, einen Blick in die Münchner Altstadt zu werfen. Viel Polizei, viel Security in schwarzen Anzügen, kurz hinterm Hofbräuhaus kommen mir tatsächlich Horst Köhler und OB Ude samt Entourage entgegen (Fotobeweis entfällt wegen Lahmarschigkeit meinerseits). In den Straßencafés sitzen lauter gutgelaunte Leute in weißen Trikots und schwarz-rot-goldenen Hüten, am Marienplatz auch etliche Costaricaner in Rot. Ein Einheimischer in Lederhose versucht vergeblich, einem Touristen den Sinn seines weiß-blau-gerauteten Winkelements zu erkären (“Bavaria! Bayern!”). Mitten im Pulk steht einsam ein Fremdenführer und bietet erfolglos Stadtführungen an. Ein paar Jungs grölen das Oliver-Pocher-Lied. Andere gehen schnell noch Fanartikel-Shoppen bei C&A.

Ziemlich bizarr das alles, aber irgendwie auch sehr schön, finde ich.

Na, kribbelt’s schon?

Ab heute, 18 Uhr, ist die Welt ein Ball. Und wisst ihr was? Ich freu mich drauf!

Lichtspielreklame: Mai 1971

Neue Trouvaillen aus den frivolen Siebzigern (not entirely worksafe).
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