Am Morgen danach

Es ist ein bisschen, wie wenn ein Urlaub zuende geht. Die letzten Wochen waren irgendwie anders, und jetzt geht der Alltag wieder los. Die letzten Wochen waren besonders, dieses Turnier im Fußballspielen hat unseren Tag bestimmt, Fußball war das Thema Nr. 1, auch in einem Büro mit 80% Frauenanteil. Das Turnier hat sehr viele Menschen begeistert und die deutsche Mannschaft erst recht. Und hier in München, war auch ein bisschen was davon zu spüren, dass das Turnier hier im Land, hier in der Stadt stattfindet, und nicht irgendwo anders in der Welt.

Was wurde nicht gehöhnt, unmittelbar vor der WM. Man war — zu Recht — genervt vom medialen Dauerfeuer, von den Trittbrettfahrern in Marketing, Werbung und Supermarkt und von der alles vereinnahmenden Politik der FIFA. Das war vor vier Wochen, aber es scheint Ewigkeiten her zu sein.

Es war toll. Es war ein Erlebnis, bei drei (wenn auch nicht besonders wichtigen) Vorrundenspielen im Stadion dabei zu sein. Auch wenn ich sämtliche Datenschutzgrundsätze über Bord werfen musste, um überhaupt Karten bestellen zu können. Es war ein Riesenspaß, gemeinsam mit anderen Kneipengästen bei Spielen der deutschen Mannschaft mitzufiebern. Es war faszinierend zu sehen, wie sich plötzlich alle auf dieses Thema einigen konnten: Kantinengespräche über Fußball mit Leuten, die Roy Makaay für einen Magier aus Las Vegas mit weißen Tigern halten. Eine Kanzlerin auf der Tribüne, die beim linkischen Jubeln zwar schon ein bisschen peinlich, aber doch irgendwie auch ziemlich sympathisch rüberkommt.

Natürlich waren das nicht 64 hochklassige Fußballspiele, im Gegenteil, da waren eine Menge miese und durchschnittlliche Kicks dabei. Ich bin eingeschlafen beim Halbfinale Portugal gegen Frankreich! Und trotzdem gab es eine Menge toller Momente, und diesmal war erstaunlicherweise sehr oft die deutsche Mannschaft dabei. Eine Mannschaft, die zu den besten Teams des Turniers gehört hat, die einen begeisterten und begeisternden Fußball gespielt hat, und die (so ziemlich als einzige Mannschaft des Turniers) nicht ein wirklich schlechtes Spiel gemacht hat. Das war super, Herr Klinsmann, bitte weitermachen.

Der Urlaub ist zuende, der Alltag beginnt wieder. Ich werde wieder fragende Blicke ernten, wenn ich an einem Champions-League-Spieltag erkläre, dass heute abend Fußball kommt. Man wird wieder lächeln, wenn ich nach einem Fernseher mit Videotext Ausschau halte, falls ich Samstag nachmittag irgendwo zu Besuch bin.

Ach ja, eure Fähnchen könnt ihr dann wieder von den Autos wegmachen. Macht ihr das bitte? Jetzt gleich? Danke.

 

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