Florian Weber: You’ll Never Walk Alone

(Rock-) Musiker schreiben mehr oder weniger autobiografisch gefärbte Romane über ihre Jugend auf dem Lande und ihre musikalischen Erweckungserlebnisse. Das wird schon bald ein eigenes Genre. Heinz Strunk und Rocko Schamoni haben mit zwei wunderbaren Büchern vorgemacht, wie’s geht. In eine ähnliche Kerbe schlägt jetzt Florian Weber, besser bekannt als „Der Schlagzeuger der Sportfreunde Stiller, der immer sone Truckermütze aufhat“.

Seine Jugend war neben der Musik vor allem vom Fußball geprägt, und so kam das Buch auch zu seinem nicht besonders originellen Titel: You’ll Never Walk Alone. Erlebnisse vom Bolzplatz, vom Stadion, aus Klassen- und Jugendzimmern werden — natürlich — in elf Kapiteln erzählt. Dazwischen gibt’s jeweils eine Kurzvorstellung eines Spielers aus Flo Webers persönlicher Weltauswahl. Die einzelnen Episoden sind stellenweise recht nett zu lesen, aber es fehlt das Überraschende. Klar lief I love Rock’n’Roll und We Will Rock You auf allen Jugendfeten. Klar waren irgendwann alle betrunken. Klar nannten sich die Torhüter auf dem Bolzplatz Pfaff und die Mittelfeldspieler Maradona. So weit, so bekannt. Leider gelingt es dem Autor auch nicht besonders gut, seine Episoden zu einem großen Ganzen zu verknüpfen. Erst gegen Ende, bei einem sehr hübschen Showdown im Fußballstadion, gelingt das ansatzweise. Dieser Showdown dreht sich um den Bruder des Ich-Erzählers, der beinahe in eine Hooligan-Karriere abgedriftet wäre und zum Schluss in dramatischer Weise seine verflossene Liebe zurückerobert.

Seltsamerweise ist der Handlungsfaden, der sich um den Bruder dreht, viel interessanter als das, was der Ich-Erzähler selbst erlebt. Bis man zum eben erwähnten Finale kommt, quält man sich über lange Strecken durch eher fade Geschichtchen, die nie ein großes Bedürfnis zum sofortigen Weiterlesen wecken.

Nachdem ich oben schon auf die Herren Strunk und Schamoni abgehoben habe: diesen beiden gelingt es perfekt, saukomisch zu sein und dabei auch noch authentisch zu wirken. You’ll Never Walk Alone hat auch komische Momente, aber die entstehen in der Regel nur, wenn Weber den Münchhausen gibt und gnadenlos übertreibt. Die Authentizität bleibt dann aber auf der Strecke. Ich erwarte hier natürlich keine hundertprozentige Wahrheit, ist ja schließlich ein Roman, aber wenn schon dauernd auf reale Fußballer, Musiker und Ereignisse angespielt wird, dann sollte die Geschichte sich zumindest real anfühlen und nicht klingen wie Käpt’n Blaubärs Seemannsgarn.

Schade, ich wollte dieses Buch wirklich mögen. Die Passagen, die auf der Sportfreunde-Lesereise vorgetragen wurden, fand ich ganz hübsch. Ein wirklich toller Roman ist es am Ende nicht geworden, die in den Amazon.de-Kundenrezensionen gezogenen Vergleiche mit Nick Hornby sind jedenfalls stark übertrieben.