Bryan Lee O’Malley: Scott Pilgrim
Ich hab letztes Wochenende den dritten Band dieser Comic-Serie gelesen, und obwohl ich das Comicgebrabbel hier in der Regel unterlasse (das findet nämlich dort statt), muss das mal raus:
Scott Pilgrim ist nämlich super, und ich glaube, dass das genau der richtige Comic für die ASB-Leserschaft ist. Eine wilde Mischung aus Indie-Comic und Manga, aus Slacker-Komödie, Studenten-Romanze und von Spielkonsolen inspirierten Action-Fights.
Die Story: Unser Held Scott ist 23 und lebt in Toronto. Er spielt Bass in einer Band und hängt viel rum. Vielleicht studiert er auch, aber das erfährt man nicht so genau. Nach einer kurzen Affäre mit einer 17-jährigen namens Knives Cheau (die für Knives sehr schmerzlich endet), verliebt er sich in Ramona. Ramona ist super, und das könnte tatsächlich was werden mit den beiden. Aber leider gibt es Ramonas sieben Ex-Freunde, und die müssen von Scott erst mal besiegt werden. Die Reihe ist auf sieben Bände angelegt. Sieben Ex-Freunde, sieben Bände, ihr versteht. Also gibt es in jedem Band einen Kampf, und hier tritt das in Kraft, was wir Geeks heutzutage “Video Game Logic” nennen. Die Geschichte folgt den Regeln eines Computerspiels. Neues Level, neuer Gegner. Manchmal findet Scott auch ein Extra-Leben oder er kann ein paar Bonus-Punkte aufsammeln (”ITEM!”).
Die Kampfszenen sind zwar recht ausführlich und gehen, ganz nach Manga-Vorbild gestaltet, über etliche Seiten, nehmen aber trotzdem nicht den Hauptteil der Geschichte ein. Denn hauptsächlich tut Brian Lee O’Malley das, was jeder gute Serienautor tun sollte: Er charakterisiert seine Figuren. Wir nehmen Teil am Leben dieser sympathischen jungen Kanadier, an ihren Konversationen, ihren Bandproben, ihren Kochabenden. Und je mehr wir davon lesen, umso mehr wachsen uns die Jungs und Mädels ans Herz: die kleine, naive Knives, der verspulte Wallace (Scotts schuler Mitbewohner), und natürlich Scott Pilgrim, der Held, der eigentlich ein Typ wie du und ich, aber trotzdem was besonderes ist. Soap Opera, wenn man so will, aber eine gute und vor allem sehr witzige.
Es gibt wunderbare, in sehr realistischer Alltagssprache gehaltene Dialoge (die ziemlich schwer zu übersetzen sein dürften, falls das jemals auf deutsch erscheinen sollte), eine Menge Popkulturreferenzen (Scotts Bandkollegen heißen z.B. Stephen Stills und Young Neil) und eine Art Off-Kommentar: kleine Textkästchen, die das Geschehen mit ironischem Abstand kommentieren. Dazu kommen O’Malleys Zeichnungen, erkennbar von Mangas beeinflusst, aber trotzdem eigenständig. Diese Mischung verleiht der Serie einen ganz eigenen Charme, den man in Comics (und auch sonst) ganz selten findet.
Zum Reinschnuppern empfehle ich die Kurzgeschichte Free Scott Pilgrim, die als Heft beim Free Comic Book Day verteilt wurde und auch im Netz kostenlos zu lesen ist. Die bringt das Flair von Scott Pilgrim schon recht gut rüber. Preview-Seiten zu den drei bisher erschienenen Bänden gibt’s auf scottpilgrim.com. Und wem’s gefällt, der bestellt. Entweder beim Comic-Fachhändler oder bei Amazon (auf die Cover klicken):

Und wer partout nichts englischsprachiges kaufen will, kann sich mal Lost at Sea ansehen, O’Malleys Erstlingswerk, das gerade auf deutsch bei Modern Tales erschienen ist. Anderes Thema, andere Stimmung, aber auch schön (Leseprobe hier).
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[…] Die Perle: Die Perle ist hier ein Gag, der das Slackerklischee auf die Spitze treibt. Slacker? Ihr wisst schon. Also, die böse Hand des Hauptcharakters hat seine zwei besten Freunde, auch ziemlich üble Slacker, umgebracht. Kurz danach sitzen die toten Slacker als Zombies wieder auf seiner Couch im Keller rum. […]
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[…] gespannt bin ich ja auf den Scott-Pilgrim-Film von Edgar Wright. Der Comic ist großartig (wurde hier schon mal ausführlich bebloggt, und auch der frisch erschienene fünfte Band ist wieder klasse) […]
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