Im TV: Emmy Awards 2006

Nachdem ich dieses Jahr schon die Golden-Globe– und die Oscar-Verleihung gesehen habe, wollte ich auch mal die Emmies testen, die ich bisher noch nie geguckt hatte. Die Emmy Awards sind das Fernseh-Gegenstück zum Kino-Oscar, ausgezeichnet werden also TV-Produktionen. Das bringt es mit sich, das man als deutscher Zuschauer schon mal viele der nominierten Produktionen, Macher und Schauspieler nicht kennt. Das macht es gleich weniger interessant. Die Spannung hält sich in Grenzen, wenn man von keinem der Nominierten in einer Kategorie jemals etwas gehört hat.

Das gilt besonders für die Kategorien, die sich mit Miniserien und Fernsehfilmen befassen, von denen es bisher einfach (noch) keine ins deutsche Fernsehen geschafft hat. Absahner war hier die Miniserie Elizabeth I mit vier Emmies. Serien haben es da leichter: die laufen meist über mehrere Staffeln und die Chancen stehen gut, dass man sie auch als deutscher Zuschauer kennt. Leider wird einem hier aber auch wieder schmerzlich bewusst, dass ein Teil der hochkarätigen US-Serien in Deutschland entweder gar nicht läuft (The West Wing, Curb Your Enthusiasm, Extras, My Name Is Earl, Arrested Development) oder zu Unrecht gefloppt ist (The Sopranos, mannomann, es ist eine Schande…). Nochmal anders ist es bei The Office (gewann als Beste Comedy-Serie): das ist in Amerika eine Adaption des britischen Originals von und mit Ricky Gervais, die sich aber offiziell auf dieses Original beruft — im Gegensatz zum deutschen Stromberg, wo eher inoffiziell abgekupfert wurde.

Die Emmys folgen der gängigen, von den Oscar-Verleihungen hinlänglich bekannten Dramaturgie einer Award Ceremony. Mehr oder weniger bekannte Stars sagen die Nominierten auf, der Gewinner hält seine Dankesrede undsoweiter. Dazwischen gibt es noch Standing Ovations für verdiente alte Haudegen des Business, in diesem Fall für den Moderatoren-Veteran Dick Clark, und einen ausgiebigen Nachruf auf Produzenten-Legende Aaron Spelling, bei dem es ein Wiedersehen mit Joan Collins und den 3 Engeln für Charlie gab, wahrscheinlich gesponsort von der Vereinigung der plastischen Chirurgen von Los Angeles.

Ich könnte eine solche Show nie live sehen, die Vorspul-Taste des Videorekorders ist nicht nur wegen der unzähligen Werbepausen sehr wichtig. Ein paar kleine Highlights gab es dann aber doch, und zwar immer dann, wenn die Late-Night-Komödianten am Zug waren. Conan O’Brien als Moderator hatte einige gute Sprüche auf Lager („A man whose first name is German for ‚very odd name‘ — please welcome Kiefer Sutherland!“) und tanzte und sang eine Musicaleinlage, die mit den Problemen der Fernsehbranche und des übertragenden Senders NBC kokettierte. Großartig war der kurze Eröffnungsfilm, in dem O’Brien durch diverse Serien wie Lost, 24, The Office, South Park oder Dr. House stolpert — wobei der jeweilige Stil und Look exakt nachgeahmt wurde.

Sehr hübsch auch Conans Ansage des Accounting Teams, also der zuständigen Notare von Ernst & Young. Weil das ja immer so dröge sei, wolle er das mal anders machen. Also wurden die Herren im Stile von NBA-Stars aufgerufen, mit Spotlights und Trockeneis-Nebel, und Basketball-Held Kareem Abdul-Jabbar kam gleich auch noch mit auf die Bühne.

Dann waren da noch Jon Stewart und sein Ex-Mitarbeiter Stephen Colbert. Stewart gewann zwei Preise für seine Daily Show („I think this year you made a terribe mistake.“), auch Colbert war mehrmals nominiert. Gemeinsam durften sie die Nominierten für die Kategorie „Outstanding Reality-Competition Program“ (der Preis für Reality- und Casting-Shows) ansagen und machten dabei keinen Hehl daraus, was sie von dieser Art Fernsehen halten.

Schade, dass die Show nur wenige solcher gelungenen witzigen Momente hatte. Aber immerhin waren die Emmies, vor allem dank Conan O’Brien, unterhaltsamer als die Golden Globe Awards, und um Längen besser als die krampfigen Nachahmungs-Veranstaltungen, die man in Deutschland so pflegt.

Update 31.08.: Inzwischen tummeln sich auf YouTube etliche Videoclips von der Emmy-Verleihung. Die sehenswerten Ausschnitte sind jetzt im obigen Text entsprechend verlinkt. Recht witzig auch die Vorstellung der Nominierten in der Kategorie „Best Writing for Comedy, Variety or Musical Series“ (via BatzLog).

 

Ein Gedanke zu „Im TV: Emmy Awards 2006

  1. Kleine Anmerkung: Curb Your Enthusiasm gibt es auch einer deutschen Version (ich gehe stark davon aus, dass man sich da auch einen Scheiß um die offiziellen Rechte geschert hat): Pastewka ist von der Struktur her genau so aufgebaut wie CYE. Sogar die Musik ist fast 1:1 übernommen worden.

Kommentare sind geschlossen.