Im Kino: Wer früher stirbt, ist länger tot

Sebastian Schneider, oder besser: der Schneidersebastian, 11 Jahre alt, Lausbub, lebt in einem kleinen oberbayerischen Dorf mit Bruder und Vater, dem die Dorfwirtschaft gehört. Seine Mutter ist bei seiner Geburt gestorben und seit ihm sein Bruder erklärt hat, dass er daran schuld sein, hat der Schneidersebastian ein sehr schlechtes Gewissen. Sein Bruder sagt, er käme ins Fegefeuer und müsse für seine Sünden büßen (ein paar Stallhasen hat er auch schon auf dem Gewissen).

Kindliche Logik, Einflüsterungen der Stammtischbrüder im Wirtshaus, katholische Erziehung und einige Alpträume sorgen dafür, dass der Bub beschließt, er müsse sich von seinen Sünden reinwaschen oder am besten gleich unsterblich werden, so wie der Jimi Hendrix. Und den Tod seiner Mutter will er wieder gutmachen, indem er eine neue Frau für seinen Vater findet.

Also geht Sebastian ans Werk, und zwar sehr kompromisslos. Da werden Hasen gesprengt, teure Gitarren geklaut und Lehrerinnen wird ins Ohrläppchen gebissen. Regisseur Marcus Hausham Rosenmüller inszeniert seine Geschichte einerseits sehr bayerisch-bodenständig (fast alle sprechen Dialekt), was den Film sehr erdig und glaubwürdig macht, andererseits leistet er sich einige surreale Schlenker, die schon fast ins Terry-Gilliam-hafte gehen. Vordergründig ist sein Film eine gagreiche Komödie, allerdings eine, die das unlustige Thema Tod thematisiert und auch düstere Sequenzen einbaut. Eine sehr unterhaltsame Mischung, getragen von guten Dialogen und dem umwerfenden Hauptdarsteller Markus Krojer.

Der Film ist sicher nicht perfekt, stellenweise ist das Drehbuch etwas holprig oder zu vorhersehbar, manche Gags sind allzu klamaukig geraten. Trotzdem macht Wer früher stirbt, ist länger tot sehr viel Spaß. Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Filmen, speziell Komödien, ist dieser nicht als zu groß geratener Fernsehfilm inszeniert, sondern sichtbar für die große Leinwand. Und er hat einen Showdown, an dem Sergio Leone seine Freude hätte.

(Der Film läuft zur Zeit in vielen Kinos in Süddeutschland, aber auch in Hamburg und Berlin. Grundkenntnisse des Bairischen sind zu empfehlen.)

 

4 Gedanken zu „Im Kino: Wer früher stirbt, ist länger tot

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