Archive for August, 2006

Trailerschau für Filmstarts vom 24.8.

Am Donnerstag kommen folgende Filme ins Kino:

Im Kino sehen:
Diese Woche ist nichts dabei, was ich ganz dringend im Kino sehen müsste.

Auf die DVD warten:
Der freie Wille: Jürgen Vogel als Vergewaltiger. Ist höchstwahrscheinlich ein richtig guter Film. Wichtig, sehenswert, gut gespielt. Aber — und das ist so gewollt — vermutlich eine Qual für den Zuschauer. Harte Kost. Von Zeit zu Zeit sollte man sich sowas schon antun. Ich bin nur noch nicht sicher, ob ich wirklich will.

Die Könige der Nutzholzgewinnung: Kennt ihr diese seltsamen Lumberjack-Wettbewerbe, die man manchmal im DSF sieht? Einen solchen veranstaltet hier ein arbeitsloser Holzfäller im Ostharz. Sieht sehr sympathisch aus, dieser Trailer.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Drum bun – Gute Reise: Ein Deutscher auf einer Irrfahrt in der rumänischen Provinz. Könnte ganz nett werden, läuft bestimmt bald mal auf arte.

Muss nicht sein:
Miami Vice: Trotz nerviger Linking-Park-Musik macht der Trailer einen ziemlich coolen Eindruck. Und Michael Mann hat einige tolle Filme auf dem Kerbholz. Trotzdem interessiert mich Miami Vice nicht die Bohne. Die Serie hab ich nie geguckt, und Speedboote faszinieren mich nicht besonders. Beim nächsten Mal dann wieder, Mister Mann.

Monster House: Filme, bei denen man ganz groß die Produzenten nennt, machen mich immer skeptisch. Hier sind’s die Herren Spielberg und Zemeckis. Monster House ist ein digital animierter Gruselfilm um ein Spukhaus, bei dem mir nicht ganz klar ist, warum er als Animationsfilm gedreht wurde. Damit Kinder reingehen? Die FSK-Freigabe ist zwar ab 6, aber ein bisschen zu gruslig scheint mir das dann schon für die Jüngsten. Und für Teenies ist es wieder viel zu uncool.

Krampfadern von WDR-Kugelschreiberstärke

Nach wochenlanger Absenz ist Harald Schmidt ab Mittwoch wieder auf Sendung. Da die letzten Sendungen vor der langen Sommerpause ziemlich schwach waren, hatte ich ihn nicht besonders vermisst. Wenn er allerdings in der Show wieder Anekdoten bringt wie die folgende, dann freu ich mich doch wieder drauf:

Ich hatte mir ein Eis gekauft und saß damit auf einer Bank. Dann kam eine Frau, etwa mein Alter. Was natürlich ein grauenhaftes Alter für Frauen ist. Für Männer ist es fantastisch, aber für Frauen ist es schwierig. Diese Frau kam auf mich zugelaufen und tat mir zutiefst leid. Sie trug selbst abgeschnittene Jeans, so Hotpants, und hatte Krampfadern von WDR-Kugelschreiberstärke, in WDR-Blau. Sie zu mir: “Hallo, Herr Schmidt, darf ich ein Foto von Ihnen machen? Mein Sohn traut sich nicht.”
 
Und das waren dann diese menschlichen zehn Minuten, die ich mir pro Tag verordnet habe, auch im Dienst des Senders. Ich sage: Klar, machen Sie das. Und dann hab ich dieses Foto in Bild gesehen. 500 Euro dafür, das war wahrscheinlich deren halber, oder vielleicht sogar deren ganzer Urlaub. Und da dachte ich: Ist okay.

Mehr davon beim WDR.

Bryan Lee O’Malley: Scott Pilgrim

Ich hab letztes Wochenende den dritten Band dieser Comic-Serie gelesen, und obwohl ich das Comicgebrabbel hier in der Regel unterlasse (das findet nämlich dort statt), muss das mal raus:

Scott Pilgrim ist nämlich super, und ich glaube, dass das genau der richtige Comic für die ASB-Leserschaft ist. Eine wilde Mischung aus Indie-Comic und Manga, aus Slacker-Komödie, Studenten-Romanze und von Spielkonsolen inspirierten Action-Fights.

Die Story: Unser Held Scott ist 23 und lebt in Toronto. Er spielt Bass in einer Band und hängt viel rum. Vielleicht studiert er auch, aber das erfährt man nicht so genau. Nach einer kurzen Affäre mit einer 17-jährigen namens Knives Cheau (die für Knives sehr schmerzlich endet), verliebt er sich in Ramona. Ramona ist super, und das könnte tatsächlich was werden mit den beiden. Aber leider gibt es Ramonas sieben Ex-Freunde, und die müssen von Scott erst mal besiegt werden. Die Reihe ist auf sieben Bände angelegt. Sieben Ex-Freunde, sieben Bände, ihr versteht. Also gibt es in jedem Band einen Kampf, und hier tritt das in Kraft, was wir Geeks heutzutage “Video Game Logic” nennen. Die Geschichte folgt den Regeln eines Computerspiels. Neues Level, neuer Gegner. Manchmal findet Scott auch ein Extra-Leben oder er kann ein paar Bonus-Punkte aufsammeln (“ITEM!”).

Die Kampfszenen sind zwar recht ausführlich und gehen, ganz nach Manga-Vorbild gestaltet, über etliche Seiten, nehmen aber trotzdem nicht den Hauptteil der Geschichte ein. Denn hauptsächlich tut Brian Lee O’Malley das, was jeder gute Serienautor tun sollte: Er charakterisiert seine Figuren. Wir nehmen Teil am Leben dieser sympathischen jungen Kanadier, an ihren Konversationen, ihren Bandproben, ihren Kochabenden. Und je mehr wir davon lesen, umso mehr wachsen uns die Jungs und Mädels ans Herz: die kleine, naive Knives, der verspulte Wallace (Scotts schuler Mitbewohner), und natürlich Scott Pilgrim, der Held, der eigentlich ein Typ wie du und ich, aber trotzdem was besonderes ist. Soap Opera, wenn man so will, aber eine gute und vor allem sehr witzige.

Es gibt wunderbare, in sehr realistischer Alltagssprache gehaltene Dialoge (die ziemlich schwer zu übersetzen sein dürften, falls das jemals auf deutsch erscheinen sollte), eine Menge Popkulturreferenzen (Scotts Bandkollegen heißen z.B. Stephen Stills und Young Neil) und eine Art Off-Kommentar: kleine Textkästchen, die das Geschehen mit ironischem Abstand kommentieren. Dazu kommen O’Malleys Zeichnungen, erkennbar von Mangas beeinflusst, aber trotzdem eigenständig. Diese Mischung verleiht der Serie einen ganz eigenen Charme, den man in Comics (und auch sonst) ganz selten findet.

Zum Reinschnuppern empfehle ich die Kurzgeschichte Free Scott Pilgrim, die als Heft beim Free Comic Book Day verteilt wurde und auch im Netz kostenlos zu lesen ist. Die bringt das Flair von Scott Pilgrim schon recht gut rüber. Preview-Seiten zu den drei bisher erschienenen Bänden gibt’s auf scottpilgrim.com. Und wem’s gefällt, der bestellt. Entweder beim Comic-Fachhändler oder bei Amazon (auf die Cover klicken):

    

Und wer partout nichts englischsprachiges kaufen will, kann sich mal Lost at Sea ansehen, O’Malleys Erstlingswerk, das gerade auf deutsch bei Modern Tales erschienen ist. Anderes Thema, andere Stimmung, aber auch schön (Leseprobe hier).

Freud und Leid der deutschen Tonspur

Gestern abend auf Video eine TV-Aufzeichnung des John-Cusack-Films Grosse Pointe Blank geschaut. An einer Stelle stutzen müssen: Da erzählt eine Radiomoderatorin von den 80er Jahren und sagt auf einmal: “Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran.” Ein Fehlfarben-Zitat in einem Hollywood-Film? Höchstwahrscheinlich ein Einfall der Übersetzer, die das Skript für die deutsche Synchronisation schrieben. Was Minnie Driver wohl im Original gesagt hat? Und warum spricht eigentlich Dan Aykroyd genau wie John Cleese?

Sehr interessante und überlegte Gedanken (mit Tonbeispielen) zum leidigen Thema Synchronfassungen macht sich die neue Reihe “Sprachfehler” im von mir erst ganz frisch entdeckten und empfehlenswerten Blog Fünf Filmfreunde.

Lichtspielreklame: Juli 1956

Diese Rubrik hatten wir schon länger nicht mehr, aber aufgegeben wird sie auf keinen Fall! Hier ist endlich wieder Kinowerbung, alte!
Weiterlesen…

Das ging schnell: Trainspot ist schon wieder weg

Anfang des Jahres startete eine Startup-Firma in München mit einer gar nicht so schlechten Geschäftsidee: Ein Netz von DVD-Ausleihautomaten, die in U-Bahnhöfen aufgestellt wurden. Mitglieder konnten mit einer Karte an beliebigen Stationen ausleihen und auch wieder zurückgeben. Die Preise waren sehr attraktiv, die Technik schien zu funktionieren, es wurde eifrig Werbung gemacht. Nun ist nach wenigen Monaten schon wieder Schluss. Sang- und klanglos verschwanden die Automaten, der Webauftritt ist weg, und das Guthaben, dass die Kunden auf ihre Karten geladen haben, ist wohl auch perdu. Offizielle Infos gibt’s keine, das einzige, was ich finden konnte, sind ein paar Kommentare in einem Muenchenblogger-Beitrag (Achtung, Legastheniker-Alarm!).

Wie sagte Funny van Dannen: “Schade scheiße, und vielleicht fatal / schade scheiße, aber normal”. Man ist ein bisschen überrascht, dass es so schnell ging, aber so richtig überrascht ist man dann doch nicht. Videoautomaten sind eines dieser Franchise-Geschäfte, die in den Städten gerade wie Pilze aus dem Boden schießen (neben diesen seltsamen Wettbüros), da ist die Konkurrenz groß. Und Trainspot hatte gegenüber anderen den Nachteil, dass es dort nur Filme bis maximal FSK 16 zu leihen gab (da die U-Bahnhöfe als öffentlicher Bereich gelten). Vielleicht war das einer der Gründe für das Scheitern? Besonders viel Geduld (bzw. finanzielle Reserven) hatte das Trainspot-Team jedenfalls nicht, der Stecker wurde schon verdammt schnell gezogen. Nunja, ich ärgere mich über meine paar Euro verlorenes Guthaben, aber Alternativen gibt’s ja genug. Nicht zuletzt die Münchner Stadtbibliothek und ihre Stadtteilbüchereien, die ein ziemlich gut sortiertes DVD-Angebot haben.

Trailerschau für Filmstarts vom 17.8.

Probieren wir doch mal wieder was neues aus. Ich gucke die Trailer der aktuellen Filme, die in dieser Woche anlaufen (möglichst alle) und sage kurz was dazu. Inspiriert von Postmodernbarney (der das auch mal ne Weile gemacht hat) wird das ganze dann unterteilt in die Kategorien: Im Kino sehen – Auf die DVD warten – Vielleicht mal im Fernsehen – Muss nicht sein. Also los, mit den Filmstarts vom kommenden Donnerstag:

Im Kino sehen:
Superman Returns: Der muss sein, und natürlich muss der auf der großen Leinwand sein. Superman “an sich” find ich ja eigentlich auch doof, aber Bryan Singer ist ein guter Regisseur, und die Trailer deuten schon an, dass dieses schweineteure Teil ein hübsches Superhelden-Spektakel werden könnte.

Wer früher stirbt, ist länger tot: Unbekannte Schauspieler, unbekannter Regisseur; eine deutsche Komödie über einen Jungen, der eine neue Frau für seinen Papa sucht, weil er glaubt, für den Tod seiner Mutter verantwortlich zu sein. Wäre dieser Film auf hochdeutsch gedreht, hätte ich wahrscheinlich bestenfalls “Durchschnitt” gedacht. Aber der Film (zumindest der Trailer) ist vorwiegend bairisch gehalten, und sowas mag ich. Das gibt der Sache gleich einen ganz anderen Charme.

Auf die DVD warten:
Neil Young – Heart of Gold: Ich bin Fan des alten Neil, also werd ich mir diesen Film bestimmt irgendwann mal ansehen. Jonathan Demme (The Silence of the Lambs) hat hier ein Konzert gefilmt. Klingt nicht sonderlich spannend, aber Demme hat mit Stop Making Sense immerhin schon einen Klassiker des Genres Konzertfilm auf dem Kerbholz. Andererseits klingt der Trailer ein bisschen sehr nach Country-Schmalz, und außerdem gibt’s bereits zwei richtig gute Neil-Young-Filme, bei der jeweils die Krachmacher von Crazy Horse mit dabei sind: Rust Never Sleeps (mit als Jawas verkleideten Roadies) und Year of the Horse von Jim Jarmusch.

Vielleicht mal im Fernsehen:
The Piano Tuner of Earthquakes: Der Infogehalt des Trailers ist nicht sehr hoch, er sagt aber “Achtung, Kunst!” und nennt stolz Terry Gilliam als Executive Producer. Eine arte-Koproduktion, dort kann man sich das vielleicht mal anschauen.

Emmas Glück: Eine Romanverfilmung (von der Buchvorlage habe ich noch nix gehört) mit Jürgen Vogel, eine Bauernhof-Lovestory. Der Trailer wirkt etwas zu romantisch für meinen Geschmack, aber Jürgen Vogel ist halt doch immer ein Argument. Deutsche Filme kommen erfahrungsgemäß recht zügig im Fernsehen — der hier ist eine SWR-Koproduktion und läuft damit auf jeden Fall werbefrei. Solange kann ich warten.

Die Quereinsteigerinnen: Die Idee ist ja ganz nett: Zwei Frauen entführen den Chef der Deutschen Telekom, weil sie die alten gelben Telefonzellen wiederhaben wollen. Das ganze wirkt mir aber viel zu betulich und riecht so nach Die fetten Jahre sind vorbei für Freundin-Leserinnen.

Muss nicht sein:
Le Cou de la Girafe (Der Hals der Giraffe). Kleines Mädchen und alter Mann werden dicke Freunde. Der Film bekommt bestimmt viel Lob und ein Prädikat Wertvoll. Gut, da hab ich was, was ich meinen Eltern empfehlen kann, wenn sie mal wieder ins Kino wollen.

Just My Luck (Zum Glück geküsst): RomCom nach Hollywood-Standard mit Lindsey Lohan. Der nächste bitte.

Trip – Remix your Experience: Musik-Film-Experiment. Naja. Für mich ist das jedenfalls nix.

Im Kino: Frostbiten (Frostbite)

Gesehen auf dem Fantasy Filmfest

Vampire, die schwedisch sprechen, das ist soweit ja schon mal ganz lustig. Noch lustiger: von Schweden gespielte Nazis, die (korrektes) Deutsch mit schwedischem Akzent sprechen. Die größten Lacher bringt dieser Film also eher unfreiwillig hervor.

Ansonsten ist Frostbiten von Anders Banke eine harmlose Horror-Teenie-Comedy für die Videothek, die sich leider nie so recht entscheiden kann, ob sie jetzt spannend, gruslig oder witzig sein möchte und in Sachen Timing hinten und vorne nicht funktioniert. Dazu die völlig unsinnige und unnötige Hintergrundgeschichte mit den Nazis (obwohl, Nazis in B-Pictures sind ja eigentlich immer ein Pluspunkt, nicht wahr, Björn?). Und die an sich gute Idee, dass Vampire sich im Winter im hohen Norden besonders wohl fühlen, wo wochenlang die Sonne nicht aufgeht, die wird im Comic 30 Days of Night (demnächst auch als Film) viel überzeugender exerziert.

Also, in Sachen Teenies + Vampire + Humor greifen Sie dann doch lieber auf die bewährte TV-Serie Buffy zurück, oder gleich auf den Klassiker Lost Boys.