Auf DVD: Van Helsing

Nachdem er schon die Mummy erfolgreich wiederbelebt hatte, durfte Regisseur Stephen Sommers noch weitere Figuren aus der Monster-Mottenkiste des Universal-Studios holen. Van Helsing sollte ein Crossover werden, also eine Geschichte, in der Charaktere, die man aus ihren eigenen Geschichten kennt, aufeinandertreffen. Der gute alte Graf Dracula, der Wolfman und Frankensteins Monster gegen Vampirjäger Van Helsing, dazu ein Auftritt von Dr. Jekyll/Mr. Hyde: Das hätte ein richtig schöner Trivialspaß werden können, eine fröhliche Hommage und Liebeserklärung an die alten Klassiker, an Bela Lugosi, Boris Karloff und Lon Chaney Jr.

Stattdessen ist Van Helsing eine extrem blutleere, seelenlose und glattgebügelte Mainstreamproduktion geworden. Der Film bietet reichlich Action und eine Menge Special Effects aus dem Computer. Einen sinnvollen, nachvollziehbaren Plot sucht man dagegen ebenso vergeblich wie charismatische Charaktere. Hugh Jackman als Van Helsing hat die Ausstrahlung einer Stehlampe, da hilft auch seine bei Inspektor Gadget ausgeliehene Ausrüstung wenig. Kate Beckinsale als transsylvanisches Love Interest bleibt ebenso langweilig und uninteressant. Selten ist es dem Zuschauer egaler als hier, wenn eine der Hauptfiguren stirbt. Dracula, der große dämonische Fürst der Dunkelheit? Geschenkt! Richard Roxburgh ist sowas von überhaupt nicht gruselig, dass es fast schon schockierend ist. Witzig oder ironisch ist aber auch nicht viel bei Van Helsing. Zwar bemüht sich David Wenham als mönchischer Sidekick (eine Mischung aus James Bonds Mr. Q und trotteligem Assistent) und der Totengräber, der frappant an Riff Raff aus der Rocky Horror Picture Show erinnert, soll wohl auch komisch sein. Lachen musste ich aber trotzdem nie, höchstens über die Tatsache, dass es unter Transsylvaniern offensichtlich üblich ist, sich auf Englisch mit osteuropäischem Akzent zu unterhalten. Einzig Shuler Hensley als Frankensteins Monster schafft es, zum Sympathieträger zu werden. Leider hat er nur wenig Screentime, von ihm hätte man gerne mehr gesehen.

Was bleibt, sind 120 vergeudete Minuten Lebenszeit, in denen man immer wieder mal an die ebenso schmerzlich missratene Comicverfilmung League of Extraordinary Gentlemen denken muss. Beide Filme überschneiden sich in Grundidee (Crossover mit klassischen Pulp-Figuren), Darstellern (Roxburgh), Figuren (Jekyll und Hyde) und leider auch darin, dass sie nichts sind als völlig inhaltsleere CGI-, Kostüm- und Ausstattungs-Schlachten.

 

5 Gedanken zu „Auf DVD: Van Helsing

  1. Hättest du mich mal gefragt. Der Tickets gehörten zu verschwendetsten Eintrittsgeldern, die ich je bezahlt habe.

  2. also ich fand den gut, manchmal muss man auch mal sein Hirn ausschalten können und Filme hinnnehmen wie sie sind, zugegeben, Kunst ist Hellsing net, aber hey was solls, ich habe mich bei diesem (und auch beim anderen erwähnten) Literaturcrossover gut amüsiert :)

    grüsse aus MeckPomm

  3. EDIT: den Tom Saywer fand ich beim anderen erwähnten Literaturcrossover allerdings anne Haare herbei gezogen ;)

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