Archive for September, 2006

Trailerschau für Filmstarts vom 14.9.

Diese Woche traut sich kaum einer gegen Eichingers Großproduktion anzutreten, daher nur eine ganz kleine Auswahl heute:

Im Kino sehen:
Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders: Die allererste Szene im Trailer finde ich schon mal ziemlich beeindruckend. Ob der Rest der Romanverfilmung was taugt? Man kann’s bezweifeln, aber ich gebe Tom Tykwer den benefit of the doubt, wie man in Bayern sagt.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Drum Bun – Gute Reise!: Scheinbar wurde der Start verschoben, ich hatte den schon vor drei Wochen aufgelistet.

Muss nicht sein:
La terre vue du ciel (Die Erde von oben): So kann man natürlich auch einen Bestseller verfilmen: Buchdeckel auf, Kamera an, Seiten abfilmen. Dazu einen kitschigen Vater-und-Sohn-Dialog sprechen lassen, fertig. Könnte man sich glatt drüber aufregen, wenn’s nicht so egal wäre.

(Hinweis: Es starten noch zwei oder drei andere Filme, zu denen im Netz aber kein Trailer verfügbar ist. Sie werden daher an dieser Stelle ignoriert.)

Kleinanzeige

Mein Blog soll eigentlich nicht dazu da sein, Dinge zu verhökern. Gibt schließlich genügend andere Plattformen für sowas. Aber eine Ausnahme kann mal ja mal machen, schließlich passt das Angebot auch thematisch hier rein. Ich würde mich gerne von dem hier trennen:

Das sind acht Ausgaben von Lothar R. Justs Film-Jahrbuch aus dem Heyne Verlag, 1997 bis 2004. Jeder dieser Wälzer enthält Daten und Rezensionsschnipsel zu jedem Film, der im jeweiligen Vorjahr in Deutschland herauskam (alle 2003er-Filme stehen also im Jahrbuch 2004). Dazu kommen noch etliche Listen, Festivalberichte usw. Die Bücher sind wirklich ziemlich gut, nur musste ich für mich persönlich feststellen, dass ich sie kaum noch nutze. Weil das Nachschlagen immer schwieriger wird, je mehr Bände da stehen, und auch wegen diesem Ding namens Internet.

Jedenfalls brauche ich dringend Platz und will die Bücher loswerden. Am liebsten alle zusammen, für wenig Geld. Hat jemand Interesse? Dann bitte hier in den Kommentaren melden oder eine E-Mail an thomas ät abspannsitzenbleiber punkt de schreiben.

Heute vor fünf Jahren

…bin ich abends ins Kino gegangen, in Lammbock. Alles ganz normal, war ja schon vorher abgemacht mit den Freunden. Man hat ein paar Worte gewechselt über die zwei Türme in New York, aber das war’s dann auch. Erst ein oder zwei Tage später war es soweit, dass das mediale Dauerfeuer es tatsächlich geschafft hatte, mir vorübergehend ein schlechtes Gewissen zu machen: Hätte ich an diesem Abend womöglich gar nicht ins Kino gehen dürfen? Und dann auch noch in einen lustigen Film? War es nicht eine Unverschämtheit, an diesem Tag den normalen Alltag weiterzuleben? Musste ich mich schämen?

Eine Phrase, die damals dauernd fiel, war die vom “Respekt vor den Opfern”. Aus “Respekt vor den Opfern” wurden Fußballspiele, Konzerte und Parties abgesagt. Da waren die Opfer natürlich sehr erleichtert, dass ZSKA Sofia gegen Schachtjor Donezk erst eine Woche später angepfiffen wurde vor lauter Respekt. Damit man mich nicht falsch versteht: Es gibt manchmal gute Gründe, eine gut geölte Entertainmentmaschine mal für einen Moment auszusetzen. Und der 11. September gehört womöglich dazu. Dass ein Zirkusclown oder ein Opernsänger an einem solchen Tag mal lieber Pause macht, kann ich verstehen. Aber dass das alles dann immer lauthals mit “Respekt vor den Opfern” begründet wird, das fand ich schon immer verlogen. Genauso verlogen wie das Absetzen bestimmter Songs im Radio nach einer Katastrophe. Meine Güte, wir wissen alle, dass Die perfekte Welle nix mit einem Tsunami zu tun hat. Steinigt mich, aber ich finde es okay, dass Pro Sieben in der Nacht, als Johannes Paul II. starb, wie geplant Die Harder gezeigt hat. War vielleicht nicht grade geschmackvoll, aber seit wann erwarten wir Geschmackvolles von kommerziellen Fernsehsendern? Das tagelange Durchhecheln von Krankenstandsmeldungen und Endlos-Live-Schaltungen nach Rom fand ich jedenfalls auch nicht viel geschmackvoller.

Ach, Focus…

Bernd Eichinger ist so manches, das kann schon sein. Aber ein Regisseur, ein “großer” gar? Ach komm! Der letzte, bei dem er selbst Regie geführt hat, war der Große Bagarozy und das war ein großer Rotz. Allerdings ist der Ausschnitt aus dieser Anzeige tatächlich ein gutes Indiz dafür, wie sehr sich der Produzent Bernd E. in den Vordergrund zu spielen versteht. Schon Der Untergang wurde landauf, landab als Eichinger-Film wahrgenommen, vom Regisseur war kaum die Rede. Beim Parfum wird’s wieder ähnlich sein.

König Kunde tut kund

Es ist meist langweilig, oft grausam, aber gelegentlich dann auch wieder sehr komisch, die Leserrezensionen bei Amazon zu studieren. Hier einige Beispiele rund um Süskinds Das Parfum:

Zur Interpretationshilfe Deutsch schreibt eine Leserin:

es war wirklich dringend nötig für dieses Buch eine Interpretationshilfe zuschreiben, denn was sollen sonst die normalen Schüler machen, die keine Interpretationsmöglichkeiten (außer das dieses Buch bescheuert ist)sehen.
Einfach toll

Zum 3,40 Euro teuren Reclam-Bändchen Das Parfum. Erläuterungen und Dokumente schreibt einer:

Da ich in der Schule das Buch “Das Parfum” von Patrick Süskind lesen wollen, wollte ich dieses bei Amazon bestellen. Bei meiner Suche fand ich diese Exenmplar, welches mir sehr günstig erschien. Erst als es da war, bemerkte ich, dass es nur eine Interpretationshilfe ist. Dies ist aus der Artikelbeschreibung nicht richtig hervorgegangen.

Deutschlehrer der Nation, lest ihr mit?

Der hier landete versehentlich ebenfalls bei den Erläuterungen (Achtung, Spoiler):

Das Ende hat mich nicht sehr angesprochen, da der ganze Spuk einfach so ein Ende haben soll, weil sie ihn AUFFRESSEN! Jedoch hat mich in der letzten Zeit kein derartiges Buch so gefesselt wie dieses. Deswegen 4 Sterne.

Und dann gibt es noch über 400 Kundenrezensionen zum Roman selbst. Am meisten Spaß machen wie immer die Verrisse:

Ich empfehle dieses Buch nicht weiter. Sicherlich gibt es Leser der ihr Interesse geweckt wird.

Die Mordtaten kommen entsprechend zu kurz. Hier hätte ich mehr erwartet. Der teilweise rohe Sprachstil hätte hier wesentlich mehr Interpretationsspielraum für wirklich erschreckende und harte Morddarstellungen gegeben. Um es klar zu sagen: Der Untertitel hatte mir ein brutaleres Buch versprochen.

Also das nennt man Krimi? Ich verstehe es nicht! Nach den ersten 20 Seiten bin fast eingeschlafen und ich hatte auch keine Ahnung wieso ich es weiterlesen sollte (außer das wir es wegen der Schule lesen mussten) Über 200 Seiten lang passiert überhaupt nchts besonderes. Es wird das Leben von Grenouille beschrieben und man weiss nicht um was es überhaupt geht. Wen interessiert es schon, wie er lebt und das er zum Beispiel 7 Jahre in einer Höhle versauert?. Dann kauf ich mir eine Biografie von jemanden, aber doch keinen “Krimi”.

Als ich das Buch las, war ich schon auch gebannt, es liest sich flüssig, tropft nur so raus, manchmal ist es auch ziemlich brühig.

Aber nicht so brühig wie diese ganzen Kundenrezensionen. Bei isabo übrigens gibt’s eine sehr hübsche Liste von Punkten, die beim Schreiben von Kundenrezis unbedingt zu beachten sind.

Ursula Vossen (Hrsg.): Von Neuseeland nach Mittelerde. Die Welt des Peter Jackson

Die Münchner Stadtbibliothek ist im Bereich Filmliteratur gar nicht schlecht sortiert. Drum liegen zur Zeit einige Filmbücher auf meinem Nachttisch, zuletzt dieses aus dem Schüren-Verlag. Das Buch erschien 2004, also nach dem Kinostart des dritten Herr-der-Ringe-Films, aber noch vor King Kong.

Enthalten sind insgesamt 13 Aufsätze verschiedener Autoren, allesamt recht lesbar und interessant, aber bisweilen etwas übereifrig beim Interpretieren von Jacksons Filmen. Vor allem der erste Artikel, in dem Vossen mit Harald Harzheim “Motive und Konstanten im Werk Peter Jacksons” beleuchten will, bietet teilweise arg anstrengendes Gefasel, das sich dann so liest:

Frodo befreit sich und Mittelerde von der ins Spirituell-Phantastische stilisierten Autoritätsperson Sauron, der ihn über den Ring immer wieder beherrscht. Die Inkarnation von dessen — letztlich immaterieller — Persönlichkeit ist sein Auge mit spaltartiger Pupille, das ein Raubtierauge, aber auch eine Vagina assoziiert und zwischen Spitzen eines phallisch aufragenden Turms sitzt. Sauron ist damit übergeschlechtlich, Vater- und Mutterinstanz in einem.

Ne Vagina, is klar!

Es folgen lesenswerte Aufsätze zu jedem einzelnen der Filme, die Jackson als Regisseur gemacht hat (wobei Lord of the Rings in einem großen Aufsatz behandelt wird). Was ich darin allerdings vermisse, sind Ausführungen zur Produktionsgeschichte (Wie kam es dazu, dass Heavenly Creatures eine deutsche Coproduktion war? Wie und warum kam Lord of the Rings von Miramax zu New Line?). Dazu kommt ein Essay über den Herrn der Ringe als Fan-Phänomen (Stichwort Fanfiction) und ein interessanter Vergleich zwischen den drei existierenden Verfilmungen von LotR. Den Abschluss bilden ein (eher nichtssagendes) Interview mit Jackson selbst, ein Ausblick auf King Kong, der inzwischen obsolet ist, und ein kurzer Überblick über Filme, bei denen Jackon als Produzent an Bord war.

Insgesamt bietet das Buch eine ordentliche Werkschau über Peter Jacksons bisheriges Werk, das auch Lust auf die Filme selbst macht. Zum Beispiel muss ich jetzt wirklich mal diesen Forgotten Silver besorgen. Den vollen Kaufpreis von 14,90 Euro wäre mir das Buch allerdings nicht wert. Es ist zwar nicht gerade von völlig devoten Fanboys geschrieben, lässt aber trotzdem etwas kritischen Abstand vermissen. Und wer der englischen Sprache mächtig ist und ein Internet bedienen kann, der findet im Netz mehr als reichlich Material zu Jackson. Nicht umsonst besteht die Literaturliste des Buchs zu großen Teilen aus URLs.

Wo wir grade dabei sind: Was sind eigentlich Jacksons nächste Projekte? Als Produzent mischt er bei der Verfilmung des Computerspiels Halo mit. Als Regiearbeit soll 2007 mal wieder ein “kleinerer” Film im Geiste von Heavenly Creatures kommen: Die Verfilmung des Romans The Lovely Bones (In meinem Himmel) von Alice Sebold. Danach kommt wohl ein Remake des britischen Kriegsfilms The Dam Busters. Die Gerüchteküche hingegen erwähnt immer mal wieder Tolkiens The Hobbit sowie Ella nach einem Roman von Löffelbieger-Man Uri Geller.

Trailerschau für Filmstarts vom 7.9.

Im Kino sehen:
Diese Woche gibt’s nichts, was ich unbedingt sehen müsste.

Auf die DVD warten:
Confetti (Heirate lieber ungewöhnlich): “Iiieh, eine romantische Komödie übers Heiraten, wie eklig”, wollte ich zuerst denken. Mehrere Pärchen bewerben sichbei einer Zeitschrift um den Titel der originellsten Hochzeit des Jahres. Aber hey, das hier ist aus England, kommt zum Teil als Pseudo-Doku daher und sieht wirklich ziemlich komisch aus. Der deutsche Untertitel ist natürlich trotzdem saudoof.

Cars: Der neue Pixar-Film sieht grafisch schon sehr lecker aus, aber der Trailer müffelt arg nach einer allzu simplen “Hochnäsiger Aufschneider wird geläutert”-Geschichte.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Snakes on a Plane: Hachja, das Wahnsinns-Internet-Hype-Phänomen. Geld bezahlen will ich dafür aber nicht, ich empfehle stattdessen das sehr lustige Interview mit Samuel L. Jackson in Jon Stewarts Daily Show.

Sehnsucht: Ganz unkitschige und unsentimentale Liebesgeschichte aus der deutschen Provinz. Demnächst im öffentlich-rechtlichen Sehrspätprogramm.

Das G muss weg: Drei funktionale Analphabeten versuchen, lesen und schreiben zu lernen. Langfassung einer Doku, die bereits im WDR lief.

Muss nicht sein:
Water: Frauen- und Mädchenunterdrückung in indischen Witwenhäusern in den 30er Jahren. Hochgelobt, kritisch, politisch, feministisch. Man möge mir verzeihen, wenn’s mich trotzdem nicht so recht reizt.

Le chiavi di casa (Die Hausschlüssel): Konnte hier nur den italienischen Trailer finden. Ich glaube, es geht um ein Paar mit einem kranken oder behinderten Sohn. Also sicher was “wertvolles”. Und Charlotte Rampling ist dabei.

Friends with Money: Tolle Besetzung, muss ich sagen. Dass dieser Film ganz klar als “Frauenfilm” daherkommt, ist okay, macht ja nix. Dass der Trailer dann aber voll nach “Die ein paar Jahre ältere Schwester von Sex and the City” aussieht, ist nicht okay.

Lichtspielreklame: Juli 1966

Heute u.a. mit dem großartigen Titel Gemini 13 – Todesstrahlen auf Kap Kanaveral.
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