Dienstag, 31.10.2006
30 Filme laufen dieses Jahr auf dem Asia Filmfest, das heute abend beginnt. Für die Dauerkarte fehlen mir Zeit, Geld und vor allem die Energie, das durchzustehen (mein Kantonesisch und Japanisch ist immer noch so mies, dass ich ständig Untertitel lesen muss). Aber ein paar Filme will ich dann doch sehen, und dank Internet und DSL können Trailer eine Entscheidungshilfe sein. Auf geht’s:
ASIA ERÖFFNUNG
FEARLESS (Ronny Yu, China / Hongkong 2006)
Jet Li als Huo Yuanjia in einem Martial-Arts-Biopic mit Kampfchoreographien von Yuen Wo Ping. Kommt demnächst auch regulär ins Kino.
ASIA FOKUS
RIDING ALONE FOR THOUSANDS OF MILES (Zhang Yimou, China / Japan 2005)
Auch der neue Zhang-Yimou-Film wird ziemlich sicher in die “normalen” Kinos kommen. Ein poetischer Film, der sich am Vater-Sohn- und am Japan-China-Verhältnis abarbeitet.
ASIA ABSCHLUSS
THE HOST (Bong Joon-ho, Südkorea 2006)
So ein richtig schönes Monstermovie macht sicher auch mal wieder Spaß.
CHINA / HONGKONG
DRAGON SQUAD (Daniel Lee, Hongkong 2005)
Action, Action, Action, ein Hinweis auf den Produzenten Steven Seagal (nicht grade ein Qualitätssiegel) und eine nervige Tonspur: Mehr bietet der Trailer nicht.
RE-CYCLE (Oxide Pang, Danny Pang, Hongkong 2006)
Die Flash-Website sieht richtig lecker nach sehr düsteren Fantasywelten aus. Der Trailer löst das nicht so recht ein, aber ich denke, ich werde dem Film ne Chance geben.
SEVEN SWORDS (Tsui Hark, Hongkong 2005)
Historisches Martial-Arts-Epos mit Überlänge, das sehr edel aussieht, aber wahrscheinlich inhaltlich nicht viel neues ist.
DIE TÖCHTER DES CHINESISCHEN GÄRTNERS (Sijie Dai, Frankreich / China 2006)
Ernstes Thema (Verbotene lesbische Liebe in China), aber der Trailer sieht mir zu sehr nach Romantik-Kitschdrama mit einer Prise Hochglanz-Erotik aus. Ab Dezember auch regulär im Kino.
INDIEN
DISCO DANCER (Babbar Subhash, Indien 1983)
Kein Trailer vorhanden. Saturday Night Fever auf Bollywoodisch.
DREAMING LHASA (Ritu Sarin, Tenzing Sonam, Indien 2005)
Für Tibet-Fans.
JAPAN
CUTIE HONEY (Hideaki Anno, Japan 2004)
Trashige Realverfilmung eines Superheldinnen-Manga, quietschbunt und schrill.
HAZARD (Sion Sono, Japan 2006)
Eine japanische Straßengang in New York. Nicht uninteressant.
Double Feature:
HAZE (Shinya Tsukamoto, Japan 2005) & IMPRINT (Takashi Miike, Japan 2006)
Zweimal krasser Stoff: Ein klaustrophobischer “Gefangen im Labyrinth”-Film und Miikes Beitrag zur Masters of Horror-Reihe. Ich bin zu sehr Weichei für sowas.
JUVENILE, A BIG BANG LOVE (Takashi Miike, Japan 2006)
Nochmal Miike, diesmal auf einem verstörenden Experimental-Trip. Sieht recht anstrengend aus, vor allem die beiden Clips, die auf YouTube stehen.
MEMORIES OF MATSUKO (Tetsuya Nakashima, Japan 2006)
Nakashimas letzten Film, Kamikaze Girls, hab ich 2005 auf dem Asia Filmfest gesehen und war begeistert von diesem knalligen Pop-Comic-Spektaktel. Diesmal baut er wohl noch eine tragische Komponente ein.
SAIKANO - ULTIMATE WEAPON (Taikan Suga, Japan 2005)
Aufwendige Realverfilmung eines SF-Action-Manga. Der Trailer sieht nicht übel aus, aber im Endergebnis sind solche Filme leider oft enttäuschend (z.B. Casshern)
SHINOBI (Ten Shimoyama, Japan 2005)
Wow, sieht das kitschig aus!
SKY HIGH (Ryuhei Kitamura, Japan 2003)
Mix aus Geisterthriller, Krimi und Schwertkämpfer-Action, der auf jeden Fall nichts hiermit zu tun hat.
STRANGE SAGA OF HIROSHI - THE FREELOADING SEX MACHINE, THE (Yûji Tajiri, Japan 2006)
Das scheint sowas wie ein durchgeknallter Comedy-Softporno zu sein. Leider kein Trailer online.
TOKYO ZOMBIE (Sakichi Satô, Japan 2005)
Mit japanischem Humor tue ich mich immer recht schwer. Aber neugierig bin ich hier schon, zumal die kurzen Animationssequenzen im Trailer auch sehr stylish aussehen.
SÜDKOREA
CRYING FIST (Ryoo Seung-wan, Südkorea 2006)
Wer auf Boxerdramen steht, ist hier sicher bestens aufgehoben.
LADY VENGEANCE (Park Chan-wook, Südkorea 2005)
Erinnert mich daran, dass ich endlich mal Old Boy nachholen muss. Vielleicht bis Januar, dann läuft Lady Vengeance auch regulär im Kino.
NINE LIVES OF KOREAN CINEMA, THE (Hubert Niogret, Frankreich 2005)
Französische Doku über das koreanische Kino.
THAILAND
ART OF THE DEVIL 2 (Ronin Team, Thailand 2005)
Puuh, derbes sadistisches Gemetzel. Schon für den Trailer braucht man einen starken Magen. Ich verwende das Wort nur ungern, aber hier passt es dann doch: krank.
INVISIBLE WAVES (Pen-Ek Ratuanaruang, Thailand 2006)
Das sieht richtig interessant aus: ein Noir-Thriller mit exquisiten Bildern.
JOHNNIE TO RETROSPEKTIVE
Ich zähle nicht zu den Hongkong-Überfans und -Spezialisten, darum muss ich gestehen, der Name Johnnie To sagt mir gar nix. Bin aber auch kein großer Fan dieser Triaden-Gangsterfilme, die scheinbar einen Schwerpunkt seines Schaffens darstellen (korrigiert mich, wenn ich falsch liege).
THE MISSION (Johnnie To, Hongkong 1999)
EXILED (Johnnie To, Hongkong 2006)
WHERE A GOOD MAN GOES (Johnnie To, Hongkong 1999)
RUNNING OUT OF TIME Johnnie To, Hongkong 1999)
ELECTION 2 (Johnnie To, Hongkong 2006)
Hmm, The Mission oder Running Out Of Time wären vielleicht ein guter Einstieg, aber die laufen nachmittags.
Nach Abstimmung zwischen dem Spielplan und meinem Terminkalender läuft es wohl erstmal auf Re-Cycle und The Host hinaus.
Sonntag, 29.10.2006
HISTORISCHES: Im Frühsommer hatte jetzt.de ein Blogstipendium ausgeschrieben, im September wurden fünf Blogs ausgewählt, die jetzt mit 300 Euro monatlich gefördert werden. Die “Stipendiaten” trafen sich am Freitag im Münchner Literaturhaus zu einer Lesung.
RÄUMLICHES: Der Saal des Literaturhauses und auch die Räumlichkeiten drumrum haben etwas sehr offizielles. Mehr Hoch- als Subkultur. Man bemühte sich zwar, mithilfe einer Bar und ein paar Tischen das sterile Neonröhrenflair eines Vortrags- und Konferenzsaales zu vertreiben, aber so recht wollte das nicht klappen. In einer kleinen, schummrigen Bar/Kneipe/Lounge/Café wäre die Veranstaltung viel besser aufgehoben gewesen.
PERSONELLES: Gelesen haben Rose, Herr Waldar, Nilzenburger, Markus Beckedahl sowie Nico, Guido und Piwi.
GEBOTENES: Ein richtig runder Abend ist es nicht geworden. Es eignet sich halt einfach nicht jedes Blog und schon gar nicht jeder Beitrag für einen solchen Rahmen. Am besten funktionierte es noch bei Nilzenburgers amüsanten Geschichten. Die anderen behalfen sich zum Teil mit dem Vorführen von Videos (Waldar, Jackpotbaby) oder mit allgemeinen, etwas ausschweifenden Ausführungen über sein Blog und dessen Anliegen (netzpolitik). Alles nicht wirklich schlecht und ganz interessant, aber so richtig ‘klick’ hat’s nicht gemacht.
LITERARISCHES: Immer wieder wurde auf dem Zusammenhang zwischen Blogs und Literatur herumgeritten. Die Chefin des Literaturhauses betonte, dass München das allererste Literaturhaus sei, das Blogs auf die Bühne bitte. Etwas entspannter nahm das zum Glück der LMU-Literaturprofessor, der als Experte die vorgelesenen Blogbeiträge kommentieren durfte und die Literatur-Kiste angenehmerweise nicht überstrapazierte.
FINANZIELLES: Es muss ja nicht gleich freier Eintritt sein, aber 8 Euro sind beim besten Willen zuviel. Zumal die Zielgruppe von jetzt.de ja auch nicht die Topverdiener sind (Die des Literaturhauses vielleicht schon - vgl. die Preisliste des Café Dukatz).
OLFAKTORISCHES: Es gab Kürbissuppe und einen asiatischen Eintopf. Eine dieser beiden Speisen verbreitete einen säuerlichen, leicht an Kotze gemahnenden Duft, der in mir als Nichtraucher den Wunsch aufkommen ließ, das Rauchverbot im Saal möge doch aufgehoben werden.
BIBLISCHES: Fast wie bei der Hochzeit in Kana: Zuerst gab’s das warme Bier, später dann auch gekühltes. Normalerweise ist das doch fast immer umgekehrt.
Edit 30.10.06: Weitere Einschätzungen zum Abend stehen bei muenchenblogger (mit Fotos), eslebedaslaster, caliban, und bei den Protagonisten selbst: Nilzenburger und Herr Waldar (mit Fotos und Videos).
Freitag, 27.10.2006
Im Kino sehen:
Ein Freund von mir: X-Filme ist ein verlässliches Qualitätslabel, Sebastian Schippers ersten Film Absolute Giganten fand ich toll (unvergesslich: die Kickerszene!). Und Jürgen Vogel und Daniel Brühl find ich auch meistens prima. Ja, das könnte ein guter Film sein.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Montag kommen die Fenster: Sehr rätselhafter Trailer. Aber irgendwie hat der was.
The World’s Fastest Indian (Mit Herz und Hand): Anthony Hopkins als Burt Munro. Sicher recht unterhaltsam, aber nichts was ich dringend sehen müsste.
No. 2: Feelgood-Familienfilm aus Neuseeland. Ja mei.
Muss nicht sein:
7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug: Doch.
La vita che vorrei (Das Leben, das ich immer wollte): Einer dieser erwachsenen, sehr europäischen Filme für Oberstudienräte, die zur Abwechslung mal nicht ins Theater oder in die Oper gehen wollen. Kommt sicher bald auf arte.
Hokkabaz: Türkische Komödie, die einigermaßen durchgeknallt zu sein scheint. Ein deutschsprachiger Trailer war leider nicht auffindbar.
Kabhi Alvida Naa Kehna (Never Say Goodbye): Nachdem Bollywood auf DVD grade der Über-Renner ist, muss die Welle ja langsam mal ins Kino schwappen. Ich find das ganz schön, aber ich werde in diesem Leben kein Fan dieser Filme mehr.
Mittwoch, 25.10.2006
Solange man in den einschlägigen Schwanzvergleichs-Listen und Top-Rankings der Blogosphäre sowieso unter “ferner liefen” rangiert, ist es ein Leichtes, zu sagen, die eigene Platzierung interessiere einen nicht. Wenn man dann plötzlich und unerwartet nach oben schnellt (siehe rechts, Screenshot von blogscout.de), dann fühlt man sich trotzdem irgendwie gebauchpinselt. Wenn ich nur etwas mehr Noblesse hätte, könnte ich hier einfach still sitzen, genießen und schweigen. Aber nein, ich muss es rausposaunen: Dieses Blog hatte gestern soviele Besucher wie nie. Der Server bzw. die Datenbank ging zwischenzeitlich wohl ein bisschen in die Knie, hat’s aber ganz gut überstanden.
Ich würde mich jedenfalls freuen, liebe Telepolis-Leser, wenn der eine oder andere von Euch öfter mal hier vorbeischauen würde. Den RSS-Feed findet ihr am Ende der rechten Spalte.
Dienstag, 24.10.2006

Wong, Schilcher und Hunter, drei schwer pubertierende Jungs, die im nordöstlichen Bayern, nahe der tschechischen Grenze leben, beschließen, ihren Hormonstau in einem der zahlreichen tschechischen Freudenhäuser abzubauen und dort endlich ihre Unschuld zu verlieren.
Diese Plotbeschreibung lässt erstmal eine dumpfbackige Prollkomödie im Stil von American Pie oder drittklassiger Pro-Sieben-Fernsehfilme befürchten, eine Zotenparade ohne jeden Charme. Grenzverkehr von Stefan Betz aber ist alles andere als das. Die Suche nach Sex dient ihm zwar als Story-Aufhänger, aber nicht als zentrales Element der Geschichte. Stattdessen erzählt er in erster Linie davon, wie es ist, als Junge in der niederbayerischen Provinz, weit weg von urbanem Leben aufzuwachsen und erwachsen zu werden. Seine Helden sind Ministranten, die in der Dorfdisko Weizenbier trinken und am Nachmittag mit ihren Mofas über den Dorfplatz fahren und zusehen müssen, wie die hübschen Dorfmädchen sich mit den Dumpfbacken von der GTI-Fraktion abgeben. Sie sind keine coolen Highschool-Checker, aber auch nicht deren Klischee-Gegenstück, verpickelte Vollnerds mit Panzerglasbrille und Sommersprossen. Sie sind ziemlich normal: nicht besonders blöd und nicht besonders schlau, nicht besonders hübsch und nicht besonders hässlich, vor allem aber ganz schön verunsichert.
Per Moped (heimlich geliehen aus der Landmaschinenhandlung von Schilchers Vater) düsen sie also über die Grenze und landen im “Temple of Love”. Dass von da an alles schief geht, was schief gehen kann, ist klar, das gehört nunmal zum Genre. Der Film wird dabei aber fast nie klamottig und kriegt sogar einigermaßen die Kurve, Stellung zum Thema Prostitution zu beziehen, ohne mit dem Zeigefinger zu wackeln.
Das schöne an Grenzverkehr ist die erdige Bodenständigkeit seiner Figuren und seiner Geschichte, wozu auch der ungekünstelte niederbayrische Dialekt beiträgt (in dieser Hinsicht ist der Film durchaus verwandt mit dem Überraschungserfolg Wer früher stirbt, ist länger tot). Als Kontrast dürfen die beiden Gaststars Oliver Korittke und Götz Otto als Zuhälter hemmungsloses Overacting betreiben und ihre Figuren als total überzeichnete Karikaturen anlegen.
Trotz mancher Schwächen (die Geschichte ist stellenweise recht unglaubwürdig und ein bisschen holprig, manche Szenen haben ihre Längen) macht Grenzverkehr Spaß. Fast noch besser gefällt mir aber der Kurzfilm Sommergeschäfte, der als Bonus auf der DVD enthalten ist. Hier sind bereits etliche kleine und große Motive von Grenzverkehr zu finden, werden allerdings in sehr kompakter und komprimierter Form präsentiert, was dem Film sehr gut tut.
Montag, 23.10.2006
Etwas ruhig ist es in letzter Zeit hier geworden. Momentan bleibt mir weniger Blog-Zeit, als ich’s gerne hätte, aber das wird wieder besser. Hier sind erstmal mit leichter Verspätung die aktuellen Kinostarts:
Im Kino sehen:
Schon wieder nix.
Auf die DVD warten:
DOA: Dead Or Alive: Die Verfilmung eines Prügel-Videospiels mit sexy Babes und cool stilisierten Schwert- und Faustkämpfen. Meine Vernunft sagt, ich darf das nicht mögen. Mein Bauch sagt, ich will nochmal 15 sein und das hier hemmungslos toll finden. Und wenn ich das hier bei den F5 lese, dann denke ich: gebt mir zwei Kumpels und jedem von uns zwei Flaschen Bier in die Hand und wir werden einen sehr amüsanten Abend haben.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Sommer ‘04: Jetzt werden also auch in Deutschland französische Filme gedreht. Das ist toll, nur bin ich eher selten in Stimmung für Filme dieser Art.
Muss nicht sein:
Shortbus: Sexfilm für Intellektuelle oder sowas. Ich find’s jedenfalls wahnsinnig langweilig, wie hier (dem Trailer nach zu urteilen) das größte Problem der Menschen ihr Orgasmus zu sein scheint.
The Guardian (Jede Sekunde zählt): Bademeister-Action mit Kevin Costner und diesem wahnsinnig kantenlosen Ashton Kutcher. Und jede Sekunde des Trailers schmeckt nach Hollywood-Glutamat. Bäh.
Nacho Libre: Über 90 Minuten wahrscheinlich schwer zu ertragen, schon der Trailer ist gar nicht mal so lustig. Ich mag Jack Black sehr gerne, aber hier verzichte ich lieber.
Sinav (Die Prüfung): Türkische Schulkomödie. Der Trailer ist auf türkisch, ich versteh also nix, aber ich sehe immerhin, dass man auch in der Türkei coole und stylishe Optik aus Hollywood kopieren kann.
Zaïna - Cavalière de l’Atlas (Zaïna - Königin der Pferde): Mädchen und Pferde. Da wollte ich noch einen blöden Witz machen, aber die Realität war mal wieder schneller: die Website zum Film wird tatsächlich gehostet bei: Wendy!
Mittwoch, 18.10.2006

Sönke Wortmanns Film ist zweierlei: Eine sentimentale “Weißt du noch”-Erinnerungsshow an den WM-Sommer. Hach ja, schön war’s. Und ein recht interessanter Blick hinter die Kulissen, mit Bildern, die man trotz Dauer-WM-Berieselung im TV so noch nicht gesehen hat (wobei die natürlich auch alle von DFB und/oder FIFA offiziell abgesegnet wurden). Schön bizarr ist zum Beispiel die Sitzung eines FIFA-Kommitees kurz vor einem Spiel, in dem minutiöse Zeitpläne verkündet und die Trikotfarben der Teams in Augenschein genommen werden.
Weitere Erkenntnis: Schweinsteiger und Podolski sind wahre Comedy-Talente.
Lieblingsmoment I: Direkt vor dem Spiel im Spielertunnel, alle hochkonzentriert, aus dem Stadion dröhnt Grönemeyer in die Katakomben. Phillip Lahm pfeift mit.
Lieblingsmoment II: Die Kanzlerin zu Gast im Mannschaftshotel, sie hält im Stehen eine kurze Rede vor den sitzenden Spielern, Klassenzimmer-style. Mittendrin kommt Frings zur Tür rein, gibt ihr kurz die Hand und setzt sich. Das hat echt Größe.
Musik: Nicht so schlimm wie befürchtet. Die Spielszenen sind unterlegt mit einem Sound, der frappierend an den Score von American Beauty erinnert. Nur am Ende muss man ganz stark sein, wenn der Wanderprediger aus Mannheim seinen Auftritt hat.
Montag, 16.10.2006
Es ist ein großes Missverständnis: Höchstrangige kasachische Politiker fühlen sich und ihr Land verunglimpft vom TV-Reporter Borat Sagdijew, einer Figur aus der Ali G Show von Sacha Baron Cohen. Das Bild, das Borat von Kasachstan vermittelt, ist eine verschärfte, politisch extrem unkorrekte Version von Molwanien: eine Sammlung von Klischees, die man im Westen über ehemalige Sowjetrepubliken in Zentralasien nun mal hat. Wo die Autos von Eseln gezogen werden und die Männer ihre Frauen schlagen und ihre Schwestern auf den Strich schicken. Für den kasachischen Präsidenten ist das ein Skandal, aber eins hat er dabei übersehen: Sacha Baron Cohen macht sich zwar lustig über Kasachstan (oder besser: über unsere Vorurteile gegenüber solchen Ländern), aber vielmehr ist seine Figur Borat — zumindest im Kinofilm — ein Mittel, um sich über Amerikaner lustig zu machen.
Der Film gibt sich als (Pseudo-) Dokumentarfilm aus, für den Borat gemeinsam mit einem Produzenten im Auftrag der kasachischen Regierung in die USA reist, auf dass das Volk von den Amerikanern etwas lernen möge. Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan heißt der Film denn auch.
Reporter Borat begibt sich also auf eine Reise quer durch die Vereinigten Staaten, von New York nach L.A., wo er Pamela Anderson einen Heiratsantrag machen möchte. Dazwischen befragt er allerlei Landsleute. Das funktioniert ähnlich wie beim Straßenreporter Alfons: Borat gibt den unbedarften Fremden, vor dem man als Interviewter scheinbar keine Hemmungen mehr hat, sich eine Blöße zu geben. Seine Gesprächspartner sind dann oft ehrlicher als sie es in einem anderen Kontext wären und entlarven sich selbst so hemmungslos, dass es eine Freude ist. Zum Beispiel die White-Trash-Jungs in ihrem Wohnmobil, die ein ein Frauenbild offenbaren, dem nicht mal Eva Herman zustimmen würde.
Neben spontanen Gesprächen mit dem “kleinen Mann von der Straße” führt Borat auch “offizielle” Interviews, u.a. mit Politikern, einem Humor-Coach und einer Benimmlehrerin. Solche hat Sacha Baron Cohen in sehr ähnlicher Form bereits als Ali G zur Kunstform gemacht (In Deutschland wurde das in Headnut TV von Erkan und Stefan ganz passabel adaptiert) und beweist auch hier wieder, wie leicht es ist, mit ein wenig Respektlosigkeit und Chuzpe das Gegenüber aus der Fassung zu bringen.
All diese kleinen Einzelszenen des Films funktionieren fast immer hervorragend und bieten wirklich saukomischen, subversiven Humor. Weniger gelungen ist dagegen die Rahmenhandlung, die um diese Szenen drumherum gestrickt wurde und dem Film eine durchgehende Story geben soll. Vieles wirkt hier gekünstelt und aufgesetzt, statt unfreiwilliger, spontan entstehender Komik gibt es einstudierte, mittelmäßige Gags. Die Passage, in der sich Borat und sein extrem fettleibiger Produzent einen Nackt-Ringkampf in Hotelzimmer und -flur liefern, zieht sich endlos in die Länge und ist eher nervig als lustig.
Insgesamt macht Borat aber großen Spaß, wenn man nicht gerade zu den allerempfindsamsten Feingeistern zählt. Das Kino, in dem ich die Preview gesehen habe, zeigte den Film als Original mit Untertiteln. Es gibt den Film aber auch in einer deutschen Synchronfassung, der ich zutraue, dass sie mindestens die Hälfte des Witzes dem Erdboben gleichmacht. Zur Abschreckung werfe man einen Blick auf die deutsche Film-Homepage.
Sehr schön gemacht ist auch die Trash-Ästhetik, besonders im Abspann, die den Anschein erwecken soll, der Film käme wirklich aus Kasachstan. Kyrillische Titeleinblendungen, die mit dilletantisch gemachten englischen Credits überklatscht werden, dazu alte Bilder aus sozialistischen TV-Archiven in fieser Farbgebung und eine Humpta-Variante von “Highway to Hell”. Jagshemash!
Donnerstag, 12.10.2006

In München findet dieses Jahr zum dritten Mal das Asia Filmfest statt, diesmal sechs Tage lang vom 31.10. bis 5.11. Die Herangehensweise und die Aufteilung des Programms erinnert ein bisschen an das etablierte Fantasy Filmfest, nur dass hier das Programm eben nicht vom Genre, sondern von der Herkunft der Filme (Japan, China, Korea, und ein bisschen Thailand und Indien) bestimmt wird.
Das Programm für 2006 wurde jetzt auf der (leider total Flash-lastigen) Website bekannt gegeben. (EDIT: Ich sehe gerade, die Filmliste und den Spielplan gibt’s auch im asianfilmweb ganz ohne Flash.) Man findet etliche bekannte Namen (Zhang Yimou, Johnnie To, Takashi Miike) aber hauptsächlich Filme, von denen zumindest ich noch nie gehört habe. Vieles davon sieht interessant aus, den ein oder anderen Film will ich mir da gerne herauspicken. Sind unter meinen Lesern ein paar Asien-Spezialisten, die eine Empfehlung haben oder von bestimmten Sachen abraten?
Donnerstag, 12.10.2006
Simpsons-Meldungen kommen in diesem Blog traditionell gut an, deshalb plappere ich hier mal nach, was andernorts auch schon verkündet wurde. Die neue deutsche Stimme (nach dem Tod von Elisabeth Volkmann) von Marjorie Simpson heißt: Anke Engelke. Hoffen wir mal, dass sie am Ende nicht klingt wie Ricky aus der Wochenshow, aber grundsätzlich kann man sich schlimmeres vorstellen. Ich warte jetzt auf die erste “lustige” Collage, die Frau Engelke mit einem blauen Haarturm zeigt.
Viel interessanter ist ja eigentlich die Frage, wer in Zukunft die Dialoge für die deutsche Fassung schreiben wird, denn auch der berüchtigte Ivar Combrinck ist ja unlängst gestorben. Und da ist durchaus Verbesserungspotential vorhanden. Sein Nachfolger heißt Matthias von Stegmann.
Wobei ich sagen muss, dass ich schon lange keine Simpsons-Folge mehr gesehen habe. Ich bin ziemlich sicher, dass ich irgendwann mal wieder Lust dazu bekomme, aber wenn es soweit ist, dann wird mir die deutsche Synchro herzlich egal sein…