Auf DVD: Grenzverkehr

Wong, Schilcher und Hunter, drei schwer pubertierende Jungs, die im nordöstlichen Bayern, nahe der tschechischen Grenze leben, beschließen, ihren Hormonstau in einem der zahlreichen tschechischen Freudenhäuser abzubauen und dort endlich ihre Unschuld zu verlieren.

Diese Plotbeschreibung lässt erstmal eine dumpfbackige Prollkomödie im Stil von American Pie oder drittklassiger Pro-Sieben-Fernsehfilme befürchten, eine Zotenparade ohne jeden Charme. Grenzverkehr von Stefan Betz aber ist alles andere als das. Die Suche nach Sex dient ihm zwar als Story-Aufhänger, aber nicht als zentrales Element der Geschichte. Stattdessen erzählt er in erster Linie davon, wie es ist, als Junge in der niederbayerischen Provinz, weit weg von urbanem Leben aufzuwachsen und erwachsen zu werden. Seine Helden sind Ministranten, die in der Dorfdisko Weizenbier trinken und am Nachmittag mit ihren Mofas über den Dorfplatz fahren und zusehen müssen, wie die hübschen Dorfmädchen sich mit den Dumpfbacken von der GTI-Fraktion abgeben. Sie sind keine coolen Highschool-Checker, aber auch nicht deren Klischee-Gegenstück, verpickelte Vollnerds mit Panzerglasbrille und Sommersprossen. Sie sind ziemlich normal: nicht besonders blöd und nicht besonders schlau, nicht besonders hübsch und nicht besonders hässlich, vor allem aber ganz schön verunsichert.

Per Moped (heimlich geliehen aus der Landmaschinenhandlung von Schilchers Vater) düsen sie also über die Grenze und landen im „Temple of Love“. Dass von da an alles schief geht, was schief gehen kann, ist klar, das gehört nunmal zum Genre. Der Film wird dabei aber fast nie klamottig und kriegt sogar einigermaßen die Kurve, Stellung zum Thema Prostitution zu beziehen, ohne mit dem Zeigefinger zu wackeln.

Das schöne an Grenzverkehr ist die erdige Bodenständigkeit seiner Figuren und seiner Geschichte, wozu auch der ungekünstelte niederbayrische Dialekt beiträgt (in dieser Hinsicht ist der Film durchaus verwandt mit dem Überraschungserfolg Wer früher stirbt, ist länger tot). Als Kontrast dürfen die beiden Gaststars Oliver Korittke und Götz Otto als Zuhälter hemmungsloses Overacting betreiben und ihre Figuren als total überzeichnete Karikaturen anlegen.

Trotz mancher Schwächen (die Geschichte ist stellenweise recht unglaubwürdig und ein bisschen holprig, manche Szenen haben ihre Längen) macht Grenzverkehr Spaß. Fast noch besser gefällt mir aber der Kurzfilm Sommergeschäfte, der als Bonus auf der DVD enthalten ist. Hier sind bereits etliche kleine und große Motive von Grenzverkehr zu finden, werden allerdings in sehr kompakter und komprimierter Form präsentiert, was dem Film sehr gut tut.