Live: Bloglesung von jetzt.de

HISTORISCHES: Im Frühsommer hatte jetzt.de ein Blogstipendium ausgeschrieben, im September wurden fünf Blogs ausgewählt, die jetzt mit 300 Euro monatlich gefördert werden. Die „Stipendiaten“ trafen sich am Freitag im Münchner Literaturhaus zu einer Lesung.

RÄUMLICHES: Der Saal des Literaturhauses und auch die Räumlichkeiten drumrum haben etwas sehr offizielles. Mehr Hoch- als Subkultur. Man bemühte sich zwar, mithilfe einer Bar und ein paar Tischen das sterile Neonröhrenflair eines Vortrags- und Konferenzsaales zu vertreiben, aber so recht wollte das nicht klappen. In einer kleinen, schummrigen Bar/Kneipe/Lounge/Café wäre die Veranstaltung viel besser aufgehoben gewesen.

PERSONELLES: Gelesen haben Rose, Herr Waldar, Nilzenburger, Markus Beckedahl sowie Nico, Guido und Piwi.

GEBOTENES: Ein richtig runder Abend ist es nicht geworden. Es eignet sich halt einfach nicht jedes Blog und schon gar nicht jeder Beitrag für einen solchen Rahmen. Am besten funktionierte es noch bei Nilzenburgers amüsanten Geschichten. Die anderen behalfen sich zum Teil mit dem Vorführen von Videos (Waldar, Jackpotbaby) oder mit allgemeinen, etwas ausschweifenden Ausführungen über sein Blog und dessen Anliegen (netzpolitik). Alles nicht wirklich schlecht und ganz interessant, aber so richtig ‚klick‘ hat’s nicht gemacht.

LITERARISCHES: Immer wieder wurde auf dem Zusammenhang zwischen Blogs und Literatur herumgeritten. Die Chefin des Literaturhauses betonte, dass München das allererste Literaturhaus sei, das Blogs auf die Bühne bitte. Etwas entspannter nahm das zum Glück der LMU-Literaturprofessor, der als Experte die vorgelesenen Blogbeiträge kommentieren durfte und die Literatur-Kiste angenehmerweise nicht überstrapazierte.

FINANZIELLES: Es muss ja nicht gleich freier Eintritt sein, aber 8 Euro sind beim besten Willen zuviel. Zumal die Zielgruppe von jetzt.de ja auch nicht die Topverdiener sind (Die des Literaturhauses vielleicht schon – vgl. die Preisliste des Café Dukatz).

OLFAKTORISCHES: Es gab Kürbissuppe und einen asiatischen Eintopf. Eine dieser beiden Speisen verbreitete einen säuerlichen, leicht an Kotze gemahnenden Duft, der in mir als Nichtraucher den Wunsch aufkommen ließ, das Rauchverbot im Saal möge doch aufgehoben werden.

BIBLISCHES: Fast wie bei der Hochzeit in Kana: Zuerst gab’s das warme Bier, später dann auch gekühltes. Normalerweise ist das doch fast immer umgekehrt.

Edit 30.10.06: Weitere Einschätzungen zum Abend stehen bei muenchenblogger (mit Fotos), eslebedaslaster, caliban, und bei den Protagonisten selbst: Nilzenburger und Herr Waldar (mit Fotos und Videos).

 

3 Gedanken zu „Live: Bloglesung von jetzt.de

  1. Es ist halt durchaus Geschick angesagt bei der Auswahl von Texten für solche Veranstaltungen. Netzpolitik.org für eine Lesunge einzuladen halte ich auch etwas für verfehlt, es sei denn man pickt sich dort einen Blogeintrag raus und startet damit eine Diskussion mit dem Publikum oder dem Podium. Das könnte wohl noch am ehesten funktionieren.
    Darf ich erwähnen, dass mein Blog immerhin bei diesem Wettbewerb auf Platz 7 – zusammen mit einigen anderen – kam? ;-)
    Ad Astra

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