Im Kino: Gwai wik (Re-Cycle)

(Gesehen auf dem Asia Filmfest)

Tin-Ying, eine junge Bestsellerautorin, beginnt die Arbeit an ihrem neuen Roman. Es soll eine Geistergeschichte werden. Sie tut sich schwer mit dem Stoff, zusätzlich nervt noch ihr Ex-Freund, der ihre alte Beziehung wieder aufleben lassen will. Bald beginnt sie seltsame Dinge rund um ihren Arbeitsplatz wahrzunehmen: Schatten huschen durch den Raum, lange Haare liegen herum, die Dusche läuft, Telefonanrufe mit komischen Geräuschen… Als sie das nächste Mal das Haus verlässt, steht sie plötzlich in einer völlig fremden Welt, bevölkert von zombieesken Kreaturen, und erfüllt mit irren Geräuschen. Ein kleines Mädchen, das sie dort trifft, erklärt ihr, dass sie an einem Ort sei, wo alles landet, was die Menschen aufgegeben und vergessen haben: von weggeworfenem Spielzeug über vergessene Selbstmörder bis zu abgetriebenen Föten. Gemeinsam versuchen die beiden, den Ausgang zu finden.

Das ist schon der ganze Plot in Re-Cycle, dem neuen Film der Pang Brothers (The Eye). Es passiert nicht viel mehr, als dass die Hauptperson und ihr kleiner Sidekick durch die fremde Welt stolpern wie durch die Level eines Computerspiels. Beeindruckend ist der Film in erster Linie visuell. Nach einer etwas zähen ersten halben Stunde, in der die Pangs einen J-Horror-Zitatewettbewerb veranstalten, betritt Ting-Yin die surreale (Alp-) Traumwelt, und von hier an kann man tolle, am Rechner generierte Szenerien bewundern. Gespenstische Welten, in denen Hieronymus Bosch mit Giger, Helnwein und Romero Ringelreihen tanzt.

Tolle Optik, dünne Story, könnte also das Fazit lauten. Wäre da nicht der Schluss. Denn da holen die Pang Brothers die Moralkeule heraus und sie zögern nicht, sie einzusetzen. Und zwar mit der Subtilität einer Dampfwalze. Mit solchen Holzhammermethoden kann man ziemlich viel versauen, und genau das ist hier der Fall. Schade drum, denn ästhetisch ist Re-Cycle wirklich gelungen. So aber bleibt ein übler Nachgeschmack, der das ganze Gericht verdirbt.

 

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