Auf DVD: The Brothers Grimm

Dass ich kein Terry-Gilliam-Meisterwerk erwarten durfte, war mir vorher klar. Der Regisseur hatte damals beim Kinostart ja selbst verlauten lassen, dass er hier ziemlich viel Kompromisse mit dem Studio hatte machen müssen. Dass The Brothers Grimm dann aber derart mittelmäßig und langweilig sein würde, hatte ich nicht erwartet. Eine gewisse märchenhafte Magie, ein paar tolle Bilder, das hatte ich mir erhofft.

Leider ist der Film ein völlig unausgegorenes Mischmasch aus Märchenfilm, Gruselgeschichte und Komödie. Gilliam (oder sein Scriptautor Ehren Kruger) kann sich nie entscheiden, ob er jetzt lustig, dramatisch oder gruselig sein will. Letztlich ist er dann nichts davon. Besonders schlimm: der von mir sonst sehr geschätzte Peter Stormare, der hier als italienischer Foltermeister dermaßen exaltiert durchs Set hüpft, dass er nach kürzester Zeit extrem auf den Sack geht. Matt Damon und Heath Ledger in den Hauptrollen sind keine Totalausfälle, aber richtig überzeugend kommen sie nicht rüber. Man bangt als Zuschauer nicht um die beiden, sondern verfolgt mehr oder weniger gleichgültig ihre zahlreichen Actionszenen. Über das seltsame Bild, das von Deutschland und den Deutschen im Jahr 1811 gezeichnet wird, will ich mich erst gar nicht aufregen.

Sehr gelungen fand ich die wenigen kleinen Szenen, in denen tatsächlich Referenzen zu Grimms Märchen gemacht wurden: Das Geschwisterpaar, das sich im Wald verirrt, Rotkäppchen auf dem Weg zur Großmutter. Hier ist ein Hauch von dem zu ahnen, was Brothers Grimm hätte sein können, wenn man sich in Hollywood nicht entschieden hätte, ein Popcorn-Spektaktel für den kleinsten gemeinsamen Nenner zu drehen.

Ein Film, der beweist, dass man selbst mit niedrigen Erwartungen noch herb enttäuscht werden kann.

 

Ein Gedanke zu „Auf DVD: The Brothers Grimm

  1. Buhaa, wirklich wahr – ich hatte mir „Brothers Grimm“ (toller deutscher Verleihtitel) in der Videothek geholt und war dann doch erschüttert, dass ein Meister seines Fachs wie Gilliam so ein Ding abliefert. Ob er das Geld gebraucht hat? Wirklich der überflüssigste Genrefilm seit „Van Helsing“.

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