Auf DVD: Munich (München)

Steven Spielbergs Film über die israelische Antwort auf die Attentate während der Olympischen Spiele 1972 in München sorgte für etliche Kontroversen, u.a. weil das Buch Vengeance von George Jonas, das Spielberg als Vorlage diente, sehr umstritten ist und vielfach als erfunden gilt. Spielberg selbst hatte daher wohl auch das Bedürfnis, sich zu rechtfertigen. Auf der DVD wird der Film (optional) mit einer Einleitung abgespielt, in der der Regisseur erklärt, warum er den Film so gedreht hat und wie er nicht verstanden werden will. Spielberg sagt, ihm gehe es nicht um Akuratesse, er habe einen fiktiven Spielfilm gedreht und keine Dokumentation. Er will den Film als Diskussionsbeitrag verstanden wissen.

Versuchen wir uns mal von der Meta-Diskussion frei zu machen und betrachten den Film einfach nur als Film. Dann ist Munich erst mal ein spannender, gut gemachter Agenten- und Polit-Thriller (Was nochmal einen netten Drive bekommt, wenn eine der Hauptrollen von Daniel Craig gespielt wird, der gerade als neuer Bond omnipräsent ist). Eine Gruppe von Männern wird dafür bezahlt, andere Männer umzubringen, und wir schauen ihnen bei der Arbeit zu. Wir sehen, wie sie ihre Attentate besprechen, planen, vorbereiten, wie ihre Aktionen gelingen oder scheitern. Wir sehen klassische Zutaten des Genres: Vertrauliche Hintergrundgespräche, geheime Treffen mit hochgeschlagenem Kragen, den Tüftler beim Bombenbauen. Dazu kommt die persönliche Ebene bei Avner (Eric Bana), von dem wir auch viel über sein Innenleben erfahren.

Aber Spielberg hat dann doch keinen „gewöhnlichen“ Thriller aus dem Stoff gemacht, dafür ist ihm das Thema zu ernst. Er macht aus Munich keinen Hollywood-Mainstream, lässt sich viel Zeit, nimmt immer wieder das Tempo aus dem Film. Wichtiger als die Action sind die Dialoge. Deren Grundtenor ist zwar einerseits recht platt (Gewalt erzeugt Gegengewalt. Krieg, egal mit welchen mitteln, ist immer grausam und barbarisch.), stellen aber auch etliche Fragen, die bewusst offen gelassen werden. Ist Rache legitim, und wenn ja, an welchem Punkt gibt es eine Grenze? Spielberg vermeidet es, sich auf eine Seite zu stellen. Dramaturgisch sind zwar die Israelis eher die „Guten“, mit denen der Zuschauer mitfiebert und um die er bangt, aber ihr Vorgehen wird nicht moralisch legitimiert, im Gegenteil. Das Urteil über richtig und falsch muss der Zuschauer selbst fällen. Dass Spielberg von beiden Seiten vorgeworfen würde, er nehme zu sehr für die jeweils andere Seite Partei, zeigt vielleicht, dass er es genau richtig gemacht hat.

Munich ist jedenfalls keine lockere Unterhaltung, aber auch keine bleischwere Politikvorlesung. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Film wirklich gut fand. Aber was er wirklich hervorragend rüberbringt, ist das Zeitkolorit der 70er Jahre. Und er schafft es, etwas von der weltpolitischen Stimmungslage zu vermitteln, die zu dieser Zeit geherrscht hat. Und gerade diesen Aspekt fand ich wirklich sehr spannend und interessant.