Im TV: Golden Globe Awards 2007

In meiner Glotze läuft jetzt die Aufzeichnung der Golden Globes und ich blogge dazu. Nenn wir’s einfach Live-on-Tape-Blogging.

Irgendwie beginnt das total lieblos ohne jede Einleitung. Kein Moderator, keine Begrüßung, es geht direkt los mit George Clooney, der den ersten Globe ansagen darf. Danach kommt Justin Timberlake, und obwohl der auch nicht viel anderes sagt als Clooney, merkt man gleich, wieviel weniger Ausstrahlung und Charisma Timberlake hat. Prince hätte einen Preis für den besten Filmsong (aus Happy Feet) gewonnen, ist aber nicht da. Timberlake reißt dann natürlich gleich einen naheliegenden Flachwitz. Weil Prince ja so klein ist, hihi.

Die erste halbwegs originelle Einlage ist die Dankesrede von Jeremy Irons (Bester Nebendarsteller TV, Elizabeth I): Er beklagt sich, dass er ständig die Namen seiner Kollegen vergesse, weil er ja weit weg auf einer Insel lebe. Vor der Show hat er sich einem Kollegen vorgestellt: „I’m Jeremy“. Antwort: „Ahmed“. Darauf Irons: „Hi, Ed“. Naja, geschrieben ist das gar nicht mehr so witzig….

Cool: Jack Nicholson sitzt wieder mit Sonnenbrille und Zauselfrisur im Publikum und grinst sich eins.

Warum kommt auf einmal eine ganze Fußballmannschaft auf die Bühne, nur um einen mickrigen Preis anzusagen? Ach ja: Es ist die Cast der neuen Serie Heroes. Die kommt auf NBC, und wer überträgt die Preisverleihung? Schon klar.

Der Preis für den besten Hauptdarsteller in einem TV-Drama geht an Hugh „Dr. House“ Laurie, und der hält eine wirklich nette Dankesrede:
[Video wurde bei YouTube entfernt]

Bisschen lang, aber sehr charmant: Meryl Streeps Acceptance Speech, sie hat für The Devil Wears Prada gewonnen.

Schnarch, das zieht sich. Lange Werbepausen (in denen Pro Sieben ständig für sein neues Pornoportal wirbt), uninteressante Kategorien („Best Mini-Series Or Motion Picture Made for Television“). Und wenn dann mal ein Award mit tollen Nominierten ansteht, dann gewinnt ausgerechnet Eddie Murphy die beste männliche Nebenrolle und hält eine todlangweilige Dankesrede.

Helen Mirren holt den ersten ihrer beiden Preise ab, für ihre Rolle als Elizabeth I.

Kindergeburtstag auf der Bühne: Das ganze Ugly-Betty-Team („Best Television Series – Musical Or Comedy“) steht da und freut sich tierisch.

Auch irgendwie ironisch: Amerikaner drehen jetzt einfach in fremden Sprachen, so wie Clint Eastwood bei Letters of Iwo Jima, und schon können sie auch noch bei „Best Foreign Languge Film“ abräumen.

Hoppla, jetzt ist Prince doch noch eingetrudelt. Er war im Stau steckengeblieben. Auf die Bühne lassen sie ihn aber jetzt nicht mehr. Schade, dabei hat er einen lustigen goldenen Strampelanzug an.

Tom Hanks, der auch wieder ein bisschen runder geworden ist, verleiht den Cecil B. De Mille-Award fürs Lebenswerk an Warren Beatty: „What balls this man has!“ Bei solchen Preisen sind Standing Ovations Pflicht, aber Beatty hat die ja auch verdient, glaub ich. Wobei ich noch fast keinen seiner Filme gesehen habe, außer Dick Tracy. Jedenfalls kriegt Beatty viel Sendezeit: erst darf Tom Hanks lange reden, dann gibt es reichlich Filmausschnitte, dann wieder Hanks („Hand hoch, wer schon mal was mit diesem Romeo hatte!“), nochmal Ausschnitte und dann noch Beattys Dankesrede. Die ist ganz witzig (er macht sogar mal kurz auf Borat), aber auch seeeehr lang. Is gut jetzt.

Martin Scorsese gewinnt den Regie-Globe für The Departed, und Standing Ovations kriegt er auch. Von mir bekommt er noch den Schnellsprecherpreis dazu.

Ha, Sacha Baron Cohen gewinnt tatsächlich als Bester Schauspieler für Borat. Großer Jubel im Saal. Ich sehe den hier zum ersten Mal in Zivil. Seine Dankesrede ist natürlich ein Highlight. Und sein Filmpartner Ken Davitian säuft den Wein direkt aus der Pulle.
[Video wurde bei YouTube entfernt]

Beste Komödie/Musical wird Dreamgirls, der wahrscheinlich langweiligste Film von allen Nominierten.

Helen Mirren holt den zweiten ihrer beiden Preise ab, für ihre Rolle als Elizabeth II (The Queen). Das hat’s sicher auch noch nie gegeben, dass die gleiche Person zwei Königinnen spielt und dafür zwei Preise abräumt.

So, gleich haben wir’s geschafft. Bester Drama-Schauspieler: Forest Whitaker für Last King of Scotland. Den will ich sehen. Whitaker macht einen echt überwältigten Eindruck. Bestes Drama wird dann noch Babel, und dann haben wir’s überstanden.

Einen Abräumer gab’s dieses Jahr nicht (außer vielleicht die doppelte Elizabeth, Helen Mirren), alles wurde schön fair verteilt. Die Preisverleihung selbst war wirklich verdammt zäh und langweilig. Viel zu routiniert abgespult, das ganze. Die Globes brauchen dringend einen guten Moderator und mehr Entertainment-Elemente. Als Filmpreis und als Oscar-Barometer sind die Globes interessant, als Show leider ein Totalausfall.

Ganz davon abgesehen, gehört die Dramaturgie solcher Award-Shows dringend überarbeitet. Wenn ganz am Ende die wichtigen Preise kommen, ist man meist schon hinter dem Zeitplan, also wird’s hektisch. Und alle beteiligten sind meist schon merklich erschöpft. Wagt mal was neues, fangt mit den wichtigen Preisen an!

 

3 Gedanken zu „Im TV: Golden Globe Awards 2007

  1. hey, wofür brauch ich jetzt noch fernsehen. das war eine sehr angenehme zusammenfassung. danke für die videohighlights. ich hab live nicht so lange durchgehalten. fand den event ohne diese ganzen show elemente aber sehr erfrischend. auch wenn die ständigen werbeunterbrechungen wirklich nervten.

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