Liveblogging: Bayerischer Filmpreis 2007

Durch das Live-on-Tape-Blogging beim Golden Globe bin ich auf den Geschmack gekommen. Heute steht schon die nächste Filmpreis-Galaveranstaltung an, allerdings auf einem weit provinzielleren Level: In München wird der Bayerische Filmpreis vergeben. In Deutschland ist das neben der Lola der zweitwichtigste Filmpreis, nicht zuletzt auch deshalb, weil er mit hohen Preisgeldern verbunden ist.

Veranstalter und Preisvergeber ist die Bayerische Staatsregierung, der Hofsender BR überträgt live und Christoph Süß, Kabarettist und Moderator der manchmal ein bisschen satirischen BR-Sendung quer, ist Conferencier des Abends. Ich bin mal gespannt, wie er sich gegenüber dem MP auf Abruf, der in der ersten Reihe sitzt, verhalten wird…

Die beiden treten erstmal in einem vorbereiteten Einspielfilmchen auf, also Süß mit einem Stoiber-Imitator. Bemerkenswert unwitzig. Süß betritt dann die Bühne und beginnt gleich zu stoibern. Keiner lacht, keiner klatscht. Peinlich. Stoiber selbst ist nirgends zu sehen. Der lässt sich noch ein paar Sekunden Zeit und läuft dann verspätet gemeinsam mit Muschi ein.

Der erste Laudator ist Bully Herbig und der ist tatsächlich witzig. Bully gibt einen bierdimpfelnden, kaum zu verstehenden Depperl-Bayern. Bully darf das, weil der kann das. Bester Nachwuchsregisseur wird Marcus H. Rosenmüller für Wer früher stirbt, ist länger tot, was ebenso erwartbar wie verdient ist. Rosenmüller verrät in seiner Dankesrede, dass er schon seit 20. Dezember weiß, das er den Preis kriegt. So wirklich spannend wird dieser Abend also wohl nicht werden.

Jetzt gibt’s einen Einspieler: ein Schulungsvideo, wieder mit Christoph Süß, der zeigt, wie man so einen Preis entgegenzunehmen hat. Funktioniert als nette Parodie auf die typischen Award-Gepflogenheiten, schon mal besser als die müden Gags am Anfang.

Gregor Schnitzler kriegt den Preis für den besten Jugendfilm, Die Wolke. Laudatorin ist Nora Tschirner und die ist ja sowieso super. Schnitzler bedankt sich bei Stoiber, dass er einen Film auszeichnet, der klar „Nein zur Atomkraft“ sagt. Und wer applaudiert? Kein Schwein. Als Rache hört er dann gar nicht mehr auf zu Reden…

Joachim Król vergibt Beste Nachwuchsdarstellerin an Hannah Herzsprung in Vier Minuten (der erst im Februar in die Kinos kommt). Und für sie gibt es richtig großen Jubel im Prinzregententheater.

Karoline Herfurth vergibt Bestes Szenenbild an Uli Hanisch, der die Sets für Das Parfum gestaltet hat. Der erste, der sich mal angenehm kurz fasst beim Danke-Sagen.

Der nächste Preis heißt VGF-Preis, den bekommen die Schwestern Alexandra und Meike Kordes, die Produzentinnen von Vier Minuten. Was jetzt genau hinter dieser Kategorie steckt, außer dass er wohl von der VGF (eine Art Film-GEMA) gestiftet ist, wird nicht verraten.

Musikeinlage: Randy Crawford. Ich geh dann mal auf Toilette.

Die Presse-Freigabe für die Preisträger war wohl auch schon. Bei sueddeutsche.de gibt’s schon alle Namen zu lesen. Leute, warum macht ihr das so unspannend?

Jürgen Vogel gewinnt den Darstellerpreis. Der war im letzten Jahr ja wirklich oft im Kino zu sehen. Ausgezeichnet wird er für die Rolle in Emmas Glück. Er ist nicht da und darf per Video danke sagen. Katja Riemann sagt, er sei in der Südsee, Vogel sagt, er müsse Schaufelbagger fahren. Hä?

Sehr sehr routiniert läuft das hier alles ab, und ein bisschen altbacken. Nicht unbedingt verkrampft, aber halt auch nicht richtig locker.

Der Preis für die beste Schauspielerin wird geteilt. Die eine Hälfte kriegt Monika Bleibtreu für — schon wieder — Vier Minuten und sie bekommt den bisher größten Beifall von allen. Die Branche scheint diesen Film bereits sehr zu lieben. Die andere Hälfte verleiht Anna Thalbach an ihre Mama Katharina Thalbach für ihre Rolle in Schlöndorffs Strajk – die Heldin von Danzig (kommt im März ins Kino). Frau Thalbach fasst sich kurz und kommt extrem sympathisch rüber.

Jetzt versucht sich Süß in einem Einspieler auch noch als Beckenbauer-Imitator. Könnte schlimmer sein, aber seit dem hier sollten Beckenbauer-Parodien eigentlich verboten werden, weil besser geht’s einfach nicht.

Ohje, jetzt kommt Gerhard Delling. Der sagt den Publikumspreis an und den bekommt natürlich Wortmanns Sommermärchen. Zum Überreichen kommen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Oliver Bierhoff, aber nur Lahm darf was sagen. Dafür darf Schweini nen Ball halten.

Peter Lohmeyer vergibt den Preis für den besten Dokumentarfilm: Havanna – Die neue Kunst Ruinen zu bauen von Florian Borchmeyer und Matthias Hentschler (startet am 1.2.). Lohmeyer gratuliert mit einem Fidel-Zitat.

Also eine mitreißende Veranstaltung ist das ja nicht. Irgendwo zwischen Staatsakt, spießiger Samstagabend-Show und ein bisschen Sich-Selbst-Feierei der Filmbranche. Ein bisschen sehr gediegen und gemütlich, das ganze. Aber immerhin wird hier nicht krampfhaft versucht, auf Möchtegern-Oscar zu machen, das ist ja auch schon was.

Jetzt wird’s erst recht staatstragend: Josef Vilsmaier (der neben Abruf-Edmund sitzt) und Dana Vavrova bekommen einen Spezialpreis für Der letzte Zug. Beim Thema Holocaust wird’s natürlich sehr ernst und ein bisschen hölzern.

Die nächste Pinkelpause mit Katie Melua.

Jetzt wäre ich beinah eingeschlafen bei der Musik, aber dem Publikum scheint’s gefallen zu haben. Jetzt wäre mal was lebendiges ganz nett. Aber es bleibt wohl langweilig: Jetzt kommt Schlöndorff. Und schleimt wie fast alle erst mal dieses schreckliche „Guten Abend Herr Ministerpräsident“ ins Mikrofon. Dann vergibt er den Preis für die beste Kamera an Andreas Höfer für Strajk.

Drehbuchpreis: Chris Kraus. Vier Minuten. Wir haben einen Abräumer des Abends. Herr Kraus redet auch sehr sehr lange. Offiziell ist die Sendezeit jetzt rum. Macht mal hinne!

Och, jetzt kommt nochmal einer dieser unwitzigen Süß-Einspieler, diesmal ist er als Parfumeur verkleidet und französelt irgendeinen Blödsinn daher.

Hier wird gerade eingeblendet, dass das noch 25 Minuten weiterplätschern wird. Na gut, solange halte ich auch noch durch. Ich gucke inzwischen eh nur noch so nebenher. Ein Lichtblick ist immerhin Jessica Schwarz. Sie vergibt den Regiepreis an Tom Tykwer fürs Parfum.

Stoiber schläft auch gleich ein. Ich kann’s verstehen. Die nächste Kategorie ist der Produzentenpreis, der geht an Roxy Film für Wer früher stirbt…. Der Film war der erste für die Firma und ist tatsächlich eine ziemlich erstaunliche Erfolgsgeschichte: Ohne große Promotion und ohne bekannte Namen zog der Film, angefacht durch Mundpropaganda, immer mehr Zuschauer ins Kino und ist in Bayern mittlerweile fast ein kleiner Kultfilm.

Jetzt kommt der vorletzte Preis, der Ehrenpreis. Laudator ist Derherrministerpräsidentdoktoredmundstoiber persönlich, Preisträger ist Michael Verhoeven.

Mei, is des zaach. Stoiber hört gar nicht mehr auf mit laudieren.

Inzwischen heißt es schon „Die nachfolgenden Sendungen beginnen 40 Minuten später“. Bei Stoibers Rede hab ich nicht zugehört, aber Verhoevens Dankesworte sind interessant: Er findet es schade, dass er v.a. für die Wirkung seiner Filme gelobt wurde, was aber für ihn nicht der wichtigste Aspekt seiner Arbeit sei. Und er versucht zu betonen, dass er sich nicht so stark für die Vergangenheit interessiert, wie es in der Laudatio rüberkommt, sondern vielmehr für die jeweilige Gegenwart, in der seine Filme entstanden sind. Der Mann kritisiert und korrigiert seine eigene Laudatio, das find ich gut.

Hoppla, jetzt ist es auf einmal vorbei. Und ich dachte, da kommt noch „Bester Film“? Aber scheinbar versteckt sich diese Kategorie hinter dem Produzentenpreis. Für den gibt’s auch die meiste Kohle. Also ist Wer früher stirbt, ist länger tot der beste Film. Soll mir recht sein.

Jetzt bin ich erschöpft, das war viel zu lang und viel zu fad. Hier hat eindeutig ein Mann wie Sacha Baron Cohen bei den Globes gefehlt, der wenigstens ein bisschen Pep reinbringt. Wo ist Helge Schneider, wenn man ihn braucht? Außerdem weiß man es nach solch einer zähen Veranstaltung wieder zu schätzen, dass die Oscar-Preisträger beim Dankesagen gnadenlos vom Orchester von der Bühne geblasen werden, wenn sie zu lange brauchen. Die wissen schon, warum.

 

2 Gedanken zu „Liveblogging: Bayerischer Filmpreis 2007

  1. Danke für die Zusammenfassung. Ich hatte bei besten Willen nicht durchgehalten. Mei war des langweilig…

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