Archive for Januar, 2007

Thomas Glavinic: Die Arbeit der Nacht

Schon seltsam. Ich lese ein Buch, das vor allem von der professionellen, anspruchsvollen Literaturkritik gelobt wird. Es gefällt mir nicht, ich werde nicht warm damit, und dann suche ich die Ursache bei mir selbst. Bin ich literarisch zu ungebildet, zu blöd für dieses Buch? Ist es zu anspruchsvoll für mich? Nein, denke ich mir, da schreib ich im Blog mal lieber nix drüber, sonst endet das noch wie eine dieser peinlichen Amazon-Leserrezensionen.

Das ist jetzt ein paar Wochen her und ich denke mir, was soll’s. Das Buch war nix für mich und das kann ich ruhig laut sagen. Mein Interesse weckte dieser positive Eintrag bei wirres.net, die Ausgangslage klang sehr spannend: Ein Mann wacht eines Tages allein in Wien auf und merkt, dass er scheinbar der einzige Mensch auf der Erde ist. Alle anderen sind weg.

Daraus könnte man eine Science-Fiction-Story machen, einen spannenden Thriller, eine philosophische Betrachtung über Einsamkeit und den Mangel an Mitmenschen. Thomas Glavinic macht nichts davon (was auch völlig okay ist!). Er schaut dem Protagonisten Jonas in den Kopf, und wir beobachten ihn dabei, wie er langsam schizophren wird. Wenn er schläft, hat er sich nicht unter Kontrolle und entdeckt jeden Morgen aufs Neue überraschende Ergebnisse der letzten Nacht. Ein Messer, das da nicht hingehört. Ein Loch in der Wand, das gestern noch nicht da war, solche Dinge.

Er beginnt dann, sich selbst im Schlaf mit einer Videokamera zu überwachen. Außerdem zieht er ziellos durch Wien, fährt an Schauplätze seiner Jugend und schließlich sogar nach England, wo seine Freundin sich zuletzt aufhielt. Zentrales Element des Romans sind neben den nächtlichen Überraschungen und den akribisch geschilderten Videoaufnahmen die Jugenderinnerungen von Jonas. Schauplätze und Fotos erinnern ihn an Vergangenes.

Viel mehr “passiert” nicht in diesem Buch. Es gibt auch keine Erklärung, keine Auflösung für die vielen Rätsel. Das werfe ich dem Autor auch gar nicht vor, schließlich wollte er keinen Genreroman schreiben. Was mir missfallen hat, ist, dass der Roman ab etwa Seite 100 zunehmend dröge wird. Immer wieder wiederholen sich gleiche oder sehr ähnliche Elemente, man dreht sich im Kreis und kommt nicht weiter. Das macht die Lektüre sehr ermüdend, und dazu trägt auch der Schreibstil bei, die kurzen, abgehackten Sätze, die Glavinic ständig verwendet.

Zugegeben, am Anfang war ich wirklich fasziniert von der kalten, verstörenden Grundstimmung, die das Buch erzeugt. Zwischendrin wäre aber auch die ein oder andere interessante Idee oder Überraschung schön gewesen. Stattdessen schleppte ich mich mühsam durch die Seiten. Das fiese ist nur, dass immer dann, wenn ich kapitulieren wollte, doch ein klitzekleines Spannungselement eingebaut war. Allerdings eines, das nie aufgelöst wurde.

Die Arbeit der Nacht ist ein düsteres literarisches Experiment, das hochinteressant beginnt und dann von Kapitel zu Kapitel immer uninteressanter wird.

Trailerschau für Filmstarts vom 18.1.

Haufenweise neue Filme diese Woche:

Im Kino sehen:
Flags of our Fathers: Clint Eastwoods Filme mag ich sehr und finde die Idee total faszinierend, zwei Filme aus zwei Perspektiven über eine Schlacht zu drehen. Ich weiß kaum etwas über diese Schlacht, aber nach zweimal über zwei Stunden wird sich das sicher ändern (Letters from Iwo Jima, der die japanische Seite beschreibt, startet am 22.2.).

Auf die DVD warten:
Running with Scissors (Krass): Bevor ich mich über den deutschen Titel aufrege: Das hier ist ne Literaturverfilmung und die deutsche Buchvorlage heißt auch schon so. Im Buch beschreibt Augusten Burrows seine Jugend in einer sehr durchgeknallten und kaputten Familie und die Besetzung (Annette Bening, Alec Baldwin, Gwyneth Paltrow) lässt hoffen, dass das auch als Film gut klappen könnte. Leider behandelt der Verleih den Film recht stiefmütterlich. Kaum Promotion und nur sehr wenige Kopien. In München läuft der Film nur zu Rand-Uhrzeiten.

The Fountain: Rachel Weisz und Hugh Jackman als unsterbliches (?) Liebespaar im Jahr 1500, im Jahr 2000 und im Jahr 2500. Darren Aronofsky hat mit Pi und Requiem for a Dream zwei starke Filme gemacht, The Fountain ist sein bisher aufwendigster. Geniestreich oder Esoterik-Schrott? Die professionellen Kritiker sind gespalten. Auch hier gilt leider wieder: Der Film ist kaum irgendwo im Kino zu sehen.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Unser täglich Brot: Schaut hinter die Kulissen der industriellen Nahrungsmittelproduktion und haut damit in die gleiche Kerbe wie We Feed the World, dürfte aber dank völligem Verzicht auf Text und Off-Kommentar noch eindringlicher und schmerzhafter sein. Im Kino ist sowas ja meistens “Preaching to the Converted”. Sowas muss zur besten Sendezeit ins Fernsehen, wird aber sicher wieder im Nachtprogramm versteckt werden.

Die Unzerbrechlichen: Von Dominik Wessely stammt einer meiner All-Time-Lieblings-Dokumentarfilme, Die Blume der Hausfrau. Sein neuer Film erzählt von der Renaissance einer bankrotten bayerischen Glashütte.

Catch a Fire: Tim Robbins in einem Polit-Thriller, der in Südafrika spielt und den Weg eines ANC-Mitglieds vom einfachen Familienvater zum Rebellen zeigt. Klingt ganz interessant, die Kritiken sind aber eher verhalten.

Muss nicht sein:
Quand j’étais chanteur (Chanson d’Amour): Depardieu als alternder Barsänger und Gigolo. Sehr französisch, nix für mich.

Schwere Jungs: Rosenmüllers ersten Film, Wer früher stirbt…, hat mir zwar gefallen, er drohte aber gelegentlich zu sehr in Richtung Slapstick und Dumpfbacken-Humor zu kippen. Bei seinem neuen Film ist diese Gefahr noch sehr viel größer, schwant mir.

Pursuit of Happyness (Das Streben nach Glück): Will Smith macht einen rührseligen Vater-Sohn-Film. Mit seinem eigenen Kind. Nein danke.

John Tucker must die (Rache ist sexy): Die x-te Teenie-Komödie. Diesmal wollen sich ein paar hübsche Mädels am Highschool-Romeo rächen, weil der alle betrogen hat.

The Return: Austauschbarer Mystery-Thriller mit Sarah Michelle Gellar.

Texas Chainsaw Massacre: The Beginning: Ja Leute, melkt die Kuh! Melkt sie immer weiter, auch wenn die Milch schon komisch riecht und zähflüssig ist. Und in diesem Fall sicher auch ganz eklig schmeckt.

Die Trailerschau als YouTube-Playlist gibt es nach dem Klick. Weiterlesen…

Liveblogging: Bayerischer Filmpreis 2007

Durch das Live-on-Tape-Blogging beim Golden Globe bin ich auf den Geschmack gekommen. Heute steht schon die nächste Filmpreis-Galaveranstaltung an, allerdings auf einem weit provinzielleren Level: In München wird der Bayerische Filmpreis vergeben. In Deutschland ist das neben der Lola der zweitwichtigste Filmpreis, nicht zuletzt auch deshalb, weil er mit hohen Preisgeldern verbunden ist.

Veranstalter und Preisvergeber ist die Bayerische Staatsregierung, der Hofsender BR überträgt live und Christoph Süß, Kabarettist und Moderator der manchmal ein bisschen satirischen BR-Sendung quer, ist Conferencier des Abends. Ich bin mal gespannt, wie er sich gegenüber dem MP auf Abruf, der in der ersten Reihe sitzt, verhalten wird…

Die beiden treten erstmal in einem vorbereiteten Einspielfilmchen auf, also Süß mit einem Stoiber-Imitator. Bemerkenswert unwitzig. Süß betritt dann die Bühne und beginnt gleich zu stoibern. Keiner lacht, keiner klatscht. Peinlich. Stoiber selbst ist nirgends zu sehen. Der lässt sich noch ein paar Sekunden Zeit und läuft dann verspätet gemeinsam mit Muschi ein.

Der erste Laudator ist Bully Herbig und der ist tatsächlich witzig. Bully gibt einen bierdimpfelnden, kaum zu verstehenden Depperl-Bayern. Bully darf das, weil der kann das. Bester Nachwuchsregisseur wird Marcus H. Rosenmüller für Wer früher stirbt, ist länger tot, was ebenso erwartbar wie verdient ist. Rosenmüller verrät in seiner Dankesrede, dass er schon seit 20. Dezember weiß, das er den Preis kriegt. So wirklich spannend wird dieser Abend also wohl nicht werden.

Jetzt gibt’s einen Einspieler: ein Schulungsvideo, wieder mit Christoph Süß, der zeigt, wie man so einen Preis entgegenzunehmen hat. Funktioniert als nette Parodie auf die typischen Award-Gepflogenheiten, schon mal besser als die müden Gags am Anfang.

Gregor Schnitzler kriegt den Preis für den besten Jugendfilm, Die Wolke. Laudatorin ist Nora Tschirner und die ist ja sowieso super. Schnitzler bedankt sich bei Stoiber, dass er einen Film auszeichnet, der klar “Nein zur Atomkraft” sagt. Und wer applaudiert? Kein Schwein. Als Rache hört er dann gar nicht mehr auf zu Reden…

Joachim Król vergibt Beste Nachwuchsdarstellerin an Hannah Herzsprung in Vier Minuten (der erst im Februar in die Kinos kommt). Und für sie gibt es richtig großen Jubel im Prinzregententheater.

Karoline Herfurth vergibt Bestes Szenenbild an Uli Hanisch, der die Sets für Das Parfum gestaltet hat. Der erste, der sich mal angenehm kurz fasst beim Danke-Sagen.

Der nächste Preis heißt VGF-Preis, den bekommen die Schwestern Alexandra und Meike Kordes, die Produzentinnen von Vier Minuten. Was jetzt genau hinter dieser Kategorie steckt, außer dass er wohl von der VGF (eine Art Film-GEMA) gestiftet ist, wird nicht verraten.

Musikeinlage: Randy Crawford. Ich geh dann mal auf Toilette.

Die Presse-Freigabe für die Preisträger war wohl auch schon. Bei sueddeutsche.de gibt’s schon alle Namen zu lesen. Leute, warum macht ihr das so unspannend?

Jürgen Vogel gewinnt den Darstellerpreis. Der war im letzten Jahr ja wirklich oft im Kino zu sehen. Ausgezeichnet wird er für die Rolle in Emmas Glück. Er ist nicht da und darf per Video danke sagen. Katja Riemann sagt, er sei in der Südsee, Vogel sagt, er müsse Schaufelbagger fahren. Hä?

Sehr sehr routiniert läuft das hier alles ab, und ein bisschen altbacken. Nicht unbedingt verkrampft, aber halt auch nicht richtig locker.

Der Preis für die beste Schauspielerin wird geteilt. Die eine Hälfte kriegt Monika Bleibtreu für — schon wieder — Vier Minuten und sie bekommt den bisher größten Beifall von allen. Die Branche scheint diesen Film bereits sehr zu lieben. Die andere Hälfte verleiht Anna Thalbach an ihre Mama Katharina Thalbach für ihre Rolle in Schlöndorffs Strajk – die Heldin von Danzig (kommt im März ins Kino). Frau Thalbach fasst sich kurz und kommt extrem sympathisch rüber.

Jetzt versucht sich Süß in einem Einspieler auch noch als Beckenbauer-Imitator. Könnte schlimmer sein, aber seit dem hier sollten Beckenbauer-Parodien eigentlich verboten werden, weil besser geht’s einfach nicht.

Ohje, jetzt kommt Gerhard Delling. Der sagt den Publikumspreis an und den bekommt natürlich Wortmanns Sommermärchen. Zum Überreichen kommen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Oliver Bierhoff, aber nur Lahm darf was sagen. Dafür darf Schweini nen Ball halten.

Peter Lohmeyer vergibt den Preis für den besten Dokumentarfilm: Havanna – Die neue Kunst Ruinen zu bauen von Florian Borchmeyer und Matthias Hentschler (startet am 1.2.). Lohmeyer gratuliert mit einem Fidel-Zitat.

Also eine mitreißende Veranstaltung ist das ja nicht. Irgendwo zwischen Staatsakt, spießiger Samstagabend-Show und ein bisschen Sich-Selbst-Feierei der Filmbranche. Ein bisschen sehr gediegen und gemütlich, das ganze. Aber immerhin wird hier nicht krampfhaft versucht, auf Möchtegern-Oscar zu machen, das ist ja auch schon was.

Jetzt wird’s erst recht staatstragend: Josef Vilsmaier (der neben Abruf-Edmund sitzt) und Dana Vavrova bekommen einen Spezialpreis für Der letzte Zug. Beim Thema Holocaust wird’s natürlich sehr ernst und ein bisschen hölzern.

Die nächste Pinkelpause mit Katie Melua.

Jetzt wäre ich beinah eingeschlafen bei der Musik, aber dem Publikum scheint’s gefallen zu haben. Jetzt wäre mal was lebendiges ganz nett. Aber es bleibt wohl langweilig: Jetzt kommt Schlöndorff. Und schleimt wie fast alle erst mal dieses schreckliche “Guten Abend Herr Ministerpräsident” ins Mikrofon. Dann vergibt er den Preis für die beste Kamera an Andreas Höfer für Strajk.

Drehbuchpreis: Chris Kraus. Vier Minuten. Wir haben einen Abräumer des Abends. Herr Kraus redet auch sehr sehr lange. Offiziell ist die Sendezeit jetzt rum. Macht mal hinne!

Och, jetzt kommt nochmal einer dieser unwitzigen Süß-Einspieler, diesmal ist er als Parfumeur verkleidet und französelt irgendeinen Blödsinn daher.

Hier wird gerade eingeblendet, dass das noch 25 Minuten weiterplätschern wird. Na gut, solange halte ich auch noch durch. Ich gucke inzwischen eh nur noch so nebenher. Ein Lichtblick ist immerhin Jessica Schwarz. Sie vergibt den Regiepreis an Tom Tykwer fürs Parfum.

Stoiber schläft auch gleich ein. Ich kann’s verstehen. Die nächste Kategorie ist der Produzentenpreis, der geht an Roxy Film für Wer früher stirbt…. Der Film war der erste für die Firma und ist tatsächlich eine ziemlich erstaunliche Erfolgsgeschichte: Ohne große Promotion und ohne bekannte Namen zog der Film, angefacht durch Mundpropaganda, immer mehr Zuschauer ins Kino und ist in Bayern mittlerweile fast ein kleiner Kultfilm.

Jetzt kommt der vorletzte Preis, der Ehrenpreis. Laudator ist Derherrministerpräsidentdoktoredmundstoiber persönlich, Preisträger ist Michael Verhoeven.

Mei, is des zaach. Stoiber hört gar nicht mehr auf mit laudieren.

Inzwischen heißt es schon “Die nachfolgenden Sendungen beginnen 40 Minuten später”. Bei Stoibers Rede hab ich nicht zugehört, aber Verhoevens Dankesworte sind interessant: Er findet es schade, dass er v.a. für die Wirkung seiner Filme gelobt wurde, was aber für ihn nicht der wichtigste Aspekt seiner Arbeit sei. Und er versucht zu betonen, dass er sich nicht so stark für die Vergangenheit interessiert, wie es in der Laudatio rüberkommt, sondern vielmehr für die jeweilige Gegenwart, in der seine Filme entstanden sind. Der Mann kritisiert und korrigiert seine eigene Laudatio, das find ich gut.

Hoppla, jetzt ist es auf einmal vorbei. Und ich dachte, da kommt noch “Bester Film”? Aber scheinbar versteckt sich diese Kategorie hinter dem Produzentenpreis. Für den gibt’s auch die meiste Kohle. Also ist Wer früher stirbt, ist länger tot der beste Film. Soll mir recht sein.

Jetzt bin ich erschöpft, das war viel zu lang und viel zu fad. Hier hat eindeutig ein Mann wie Sacha Baron Cohen bei den Globes gefehlt, der wenigstens ein bisschen Pep reinbringt. Wo ist Helge Schneider, wenn man ihn braucht? Außerdem weiß man es nach solch einer zähen Veranstaltung wieder zu schätzen, dass die Oscar-Preisträger beim Dankesagen gnadenlos vom Orchester von der Bühne geblasen werden, wenn sie zu lange brauchen. Die wissen schon, warum.

Those were the days

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als mein Elternhaus “verkabelt” wurde. Auf einmal gab es viele viele bunte Sender mit viel Werbung, mit “coolen” amerikanischen Serien (Knight Rider) und mit doofen Gameshows. Und was mich auch immer fasziniert hat, weshalb auch immer, waren die verschiedenen Sender-Kennungen, Sendungs-Intros, Werbetrenner und Logos. Deshalb freut mich ein Ritt auf der Zeitmaschine wie dieser hier:

Der YouTube-User MilhouseDaniel hat ganz viele dieser Schnipsel hochgeladen, die das Erscheinungsbild deutscher Privatsender in den letzten 20 jahren dokumentieren. Außerdem betreibt er die Website MDV, auf der es reichlich Videos (leider nur als wmv-Files in Briefmarkengröße) gibt.
(via Wortfeld)

Im TV: Golden Globe Awards 2007

In meiner Glotze läuft jetzt die Aufzeichnung der Golden Globes und ich blogge dazu. Nenn wir’s einfach Live-on-Tape-Blogging.

Irgendwie beginnt das total lieblos ohne jede Einleitung. Kein Moderator, keine Begrüßung, es geht direkt los mit George Clooney, der den ersten Globe ansagen darf. Danach kommt Justin Timberlake, und obwohl der auch nicht viel anderes sagt als Clooney, merkt man gleich, wieviel weniger Ausstrahlung und Charisma Timberlake hat. Prince hätte einen Preis für den besten Filmsong (aus Happy Feet) gewonnen, ist aber nicht da. Timberlake reißt dann natürlich gleich einen naheliegenden Flachwitz. Weil Prince ja so klein ist, hihi.

Die erste halbwegs originelle Einlage ist die Dankesrede von Jeremy Irons (Bester Nebendarsteller TV, Elizabeth I): Er beklagt sich, dass er ständig die Namen seiner Kollegen vergesse, weil er ja weit weg auf einer Insel lebe. Vor der Show hat er sich einem Kollegen vorgestellt: “I’m Jeremy”. Antwort: “Ahmed”. Darauf Irons: “Hi, Ed”. Naja, geschrieben ist das gar nicht mehr so witzig….

Cool: Jack Nicholson sitzt wieder mit Sonnenbrille und Zauselfrisur im Publikum und grinst sich eins.

Warum kommt auf einmal eine ganze Fußballmannschaft auf die Bühne, nur um einen mickrigen Preis anzusagen? Ach ja: Es ist die Cast der neuen Serie Heroes. Die kommt auf NBC, und wer überträgt die Preisverleihung? Schon klar.

Der Preis für den besten Hauptdarsteller in einem TV-Drama geht an Hugh “Dr. House” Laurie, und der hält eine wirklich nette Dankesrede:
[Video wurde bei YouTube entfernt]

Bisschen lang, aber sehr charmant: Meryl Streeps Acceptance Speech, sie hat für The Devil Wears Prada gewonnen.

Schnarch, das zieht sich. Lange Werbepausen (in denen Pro Sieben ständig für sein neues Pornoportal wirbt), uninteressante Kategorien (“Best Mini-Series Or Motion Picture Made for Television”). Und wenn dann mal ein Award mit tollen Nominierten ansteht, dann gewinnt ausgerechnet Eddie Murphy die beste männliche Nebenrolle und hält eine todlangweilige Dankesrede.

Helen Mirren holt den ersten ihrer beiden Preise ab, für ihre Rolle als Elizabeth I.

Kindergeburtstag auf der Bühne: Das ganze Ugly-Betty-Team (“Best Television Series – Musical Or Comedy”) steht da und freut sich tierisch.

Auch irgendwie ironisch: Amerikaner drehen jetzt einfach in fremden Sprachen, so wie Clint Eastwood bei Letters of Iwo Jima, und schon können sie auch noch bei “Best Foreign Languge Film” abräumen.

Hoppla, jetzt ist Prince doch noch eingetrudelt. Er war im Stau steckengeblieben. Auf die Bühne lassen sie ihn aber jetzt nicht mehr. Schade, dabei hat er einen lustigen goldenen Strampelanzug an.

Tom Hanks, der auch wieder ein bisschen runder geworden ist, verleiht den Cecil B. De Mille-Award fürs Lebenswerk an Warren Beatty: “What balls this man has!” Bei solchen Preisen sind Standing Ovations Pflicht, aber Beatty hat die ja auch verdient, glaub ich. Wobei ich noch fast keinen seiner Filme gesehen habe, außer Dick Tracy. Jedenfalls kriegt Beatty viel Sendezeit: erst darf Tom Hanks lange reden, dann gibt es reichlich Filmausschnitte, dann wieder Hanks (“Hand hoch, wer schon mal was mit diesem Romeo hatte!”), nochmal Ausschnitte und dann noch Beattys Dankesrede. Die ist ganz witzig (er macht sogar mal kurz auf Borat), aber auch seeeehr lang. Is gut jetzt.

Martin Scorsese gewinnt den Regie-Globe für The Departed, und Standing Ovations kriegt er auch. Von mir bekommt er noch den Schnellsprecherpreis dazu.

Ha, Sacha Baron Cohen gewinnt tatsächlich als Bester Schauspieler für Borat. Großer Jubel im Saal. Ich sehe den hier zum ersten Mal in Zivil. Seine Dankesrede ist natürlich ein Highlight. Und sein Filmpartner Ken Davitian säuft den Wein direkt aus der Pulle.
[Video wurde bei YouTube entfernt]

Beste Komödie/Musical wird Dreamgirls, der wahrscheinlich langweiligste Film von allen Nominierten.

Helen Mirren holt den zweiten ihrer beiden Preise ab, für ihre Rolle als Elizabeth II (The Queen). Das hat’s sicher auch noch nie gegeben, dass die gleiche Person zwei Königinnen spielt und dafür zwei Preise abräumt.

So, gleich haben wir’s geschafft. Bester Drama-Schauspieler: Forest Whitaker für Last King of Scotland. Den will ich sehen. Whitaker macht einen echt überwältigten Eindruck. Bestes Drama wird dann noch Babel, und dann haben wir’s überstanden.

Einen Abräumer gab’s dieses Jahr nicht (außer vielleicht die doppelte Elizabeth, Helen Mirren), alles wurde schön fair verteilt. Die Preisverleihung selbst war wirklich verdammt zäh und langweilig. Viel zu routiniert abgespult, das ganze. Die Globes brauchen dringend einen guten Moderator und mehr Entertainment-Elemente. Als Filmpreis und als Oscar-Barometer sind die Globes interessant, als Show leider ein Totalausfall.

Ganz davon abgesehen, gehört die Dramaturgie solcher Award-Shows dringend überarbeitet. Wenn ganz am Ende die wichtigen Preise kommen, ist man meist schon hinter dem Zeitplan, also wird’s hektisch. Und alle beteiligten sind meist schon merklich erschöpft. Wagt mal was neues, fangt mit den wichtigen Preisen an!

Goldene Kugeln

Letzte Nacht war Preisverleihung. Die Gewinner stehen hier. Ein paar Blogger haben sich wieder die Nacht um die Ohren geschlagen und live gebloggt. Ich hab lieber geschlafen und den Recorder arbeiten lassen. Meine Eindrücke gibt’s dann morgen an dieser Stelle.

Mit Hitler macht man keine Scherze

Schon gar nicht solche, liebes Google News!

Trailerschau für Filmstarts vom 11.1.

Im Kino sehen:
Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler: Helge als Hitler. Als ich zum ersten Mal davon hörte, freute ich mich wie ein Kind auf den Film. Jetzt ist er da und die Vorfreude schrumpft beträchtlich, nicht nur weil sich Helge Schneider selbst vom Film distanziert. Im Trailer haben wir einen auf Adolf pinkelnden Hund, eine unwitzige Sexszene mit ausgerechnet Katja Riemann und wir haben einen Adolf, der lustig hinfällt. Slapstickhumor mag ich nicht. Aber was soll’s, sehen will ich den Film trotzdem!

Auf die DVD warten:
Chinjeolhan geumjassi (Lady Vengeance): Ich hab immer noch nicht Oldboy gesehen, muss ich bald mal nachholen. Das hier ist jedenfalls der Nachfolger, und der Trailer sieht recht vielversprechend aus.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Last Days: Gus van Sant überlegt, wie die letzten Stunden von Kurt Cobain wohl ausgesehen haben. Als Experiment und Gedankenspiel sicher hochinteressant, aber ob das einen ganzen Film trägt?

The Queen (Die Queen): Wenn ich mich ein kleines bisschen für die britischen Royals interessieren würde, wäre das sicher mein Highlight der Woche, aber ich kann mich halt gar nicht für Königs begeistern. Was mich auch wundert: Der Film wird allerseits als großartige Satire und voll von bissigem Witz angepriesen, der Trailer aber ist todernst wie ein verfilmter Staatsakt. Da blitzt kein bisschen Humor auf.

An American Haunting (Der Fluch der Betsy Bell): Hier hat mal wieder jemand reichlich Geister- und Gruselfilme genommen und alles schön durchgerührt und -geschüttelt. The Exorcist’s Baby.

Muss nicht sein:
Anplagghed al cinema (Anplagghed): Scheinbar eine in Italien erfolgreiche Bühnen-Comedyshow, die jetzt gefilmt und ins Kino gebracht wurde. Für ein spezielles Nischenpublikum, würde ich mal sagen.

Auf Anregung von Hike gibt es hier probeweise eine Youtube-Playlist der genannten Trailer, mit der man sich das alles gleich direkt an Ort und Stelle ansehen kann. Weiterlesen…