Geist ist geil

Auf DVD: Napoleon Dynamite

Mittwoch, 28.02.2007

Als ich die ersten Andeutungen zu diesem Film gelesen habe, klingelte sogleich mein Spinnensinn und sagte “Das könnte dir gefallen”: Ein Highschool-Film, bei dem jene Figuren die Stars sind, die sonst immer nur verprügelt und im Spind eingesperrt werden, präsentiert mit angenehm nerdigem Humor. Unbekannte Schauspieler, unbekannter Regisseur (Jared Hess), klang nach einem schönen Indie-Geheimtipp. In den USA war der Film ein kleiner Erfolg, gewann ein paar Preise und gilt für viele Fans als Kultfilm. In Deutschland startete der Film mit zwei Jahren Verspätung und mit sage und schreibe einer Kopie im Kino, also de facto Direct-to-DVD.

Diese fängt dann auch großartig an, mit einem wahnsinnig charmanten Vorspann (den man sich bei Peter anschauen kann), unterlegt mit “We’re Going to Be Friends” von den White Stripes. Leider ist der Vorspann aus meiner Sicht dann schon das Beste am Film.

Die Handlung entspricht im Grunde den üblichen Genreregeln: Junge muss Mädchen für den Abschlussball finden, es gibt Rivalitäten im Zuge der Wahl zum Schülersprecher. Viel wichtiger als der Plot sind hier aber die Figuren. Und hier haben sich die Macher alle Mühe gegeben, einen Figurenkosmos zu erschaffen, wie er skuriller, nerdiger und außenseiterhafter kaum sein könnte. Napoleon Dynamite (allein der Name!) trägt alle Insignien des Parade-Spackos: komische Haare, komische Brille, komische Zähne, komische Klamotten. Er hat einen Bruder, der mit über 30 noch zu Hause wohnt und seine Freizeit in Dating-Chatrooms verbringt. Eltern gibt es nicht, die Oma muss ins Krankenhaus, also kümmert sich der Onkel um die beiden. Ebenfalls ein Freak, der in einer 80er-Jahre-Zeitschleife hängengeblieben zu sein scheint.

All diese Figuren sind sehr akribisch und liebevoll gestaltet und werden von ihren Schauspielern auch überzeugend gespielt. Normalerweise mag ich sowas, hier hatte ich aber zwei Probleme. Erstens: die Welt von Napoleon Dynamite ist eine pure Spackenwelt. Selbst die weniger freakigen Figuren haben alle irgendeinen Schuss. Wo man hinblickt, sieht man Spacken, und auch der coole, überlegene Schüler und die hübschen Mädchen sehen leicht daneben aus. Wären Napoleon und sein Umfeld dagegen die einzigen Freaks in einer ansonsten normalen Umwelt, die Wirkung wäre viel stärker. So wirkt alles ein bisschen wie ein Zoo.

Zweitens: Die schrulligen Figuren sind einfach zu stark überzeichnet. Hier misslingt, was bei Wes Anderson (Rushmore, Royal Tenenbaums, The Life Aquatic) immer so wunderbar funktioniert: Andersons Charaktere sind immer leicht neben der Spur, im Kern aber liebenswert und sehr sympathisch. Bei den Figuren aus Napoleon Dynamite ist dagegen eher 90 Minuten Fremdschämen angesagt. Als Zuschauer wird man irgendwann eher dazu tendieren, mit dem Finger auf die Figuren zu zeigen und sie auszulachen, als mit ihnen zu sympathisieren.

Trotz einiger schöner Momente, die der Film zweifellos hat (die Zeitmaschine!), bin ich mit ihm nicht recht warm geworden. Im Grunde reicht es auch, sich den Kurzfilm Peluca anzusehen, auf dem die lange Version basiert. Konzentrierter, besser auf den Punkt, lakonischer. Bitteschön:


(Direktlink)



Oscar-Nachklapp

Mittwoch, 28.02.2007

Wer die Oscar-Verleihung verpasst hat, hat nicht viel verpasst. Zum Nachholen hier noch zwei Highlights der an Highlights nicht gerade reichen Veranstaltung:

Jack Black, Will Ferrell und John C. Reilly in der Musical-Einlage “A Comedian at the Oscars”:

Der Chor, der Soundeffekte intoniert:



Im TV: Academy Awards 2007

Montag, 26.02.2007

Zum Live-Schauen bin ich körperlich nicht in der Lage. Bisher habe ich die Aufzeichnung meistens am Montag abend geguckt, wusste dann aber fast immer schon, wer gewonnen hat. Diesmal mach ich das gleich Montag vormittag, dann ist das auch etwas spannender (zumal ich ja auch Tipps abgegeben habe). Hier also mein Live-on-Tape-Blogging:

Noch während des Red-Carpet-Vorgeplänkels läuft ein sehr netter kleiner Clip, der zeigt, wie ein Pinguin aus Happy Feet zur Preisverleihung kommt und dabei noch ein paar andere nominierte Filme zitiert.

Die eigentliche Show beginnt mit einem Zusammenschnitt aus Interviews, in denen sich die Nominierten (alle?) vorstellen. Sie berichten z.B., wofür sie nominiert sind, wie oft sie schon nominiert waren, und wem sie danken werden. Ganz nett, aber da gab’s schon besseres in den letzten Jahren. So, jetzt kommt Ellen de Generes, die die Show heuer moderiert. Sie gibt ein paar Ratschläge für Dankesreden, witzelt über Peter O’Toole, der schon achtmal erfolglos nominiert war (”Third time’s a charme”), und bringt als auch die Bemerkung unter: “If there weren’t Blacks, Jews, and Gays, there would be no Oscars”.

Als erstes wird der Preis für Art Direction und Set Design vergeben, und da gewinnt gleich mal mein persönlicher Liebling Pan’s Labyrinth. Weiter so!

Großartige Gesangseinlage von Will Ferrell, Jack Black und John C. Reilly: “A Comedian at the Oscars”. Wegen solcher Dinge schau ich mir die Verleihung immer wieder an. Weil man sich eben Mühe gibt, neben dem Pflichtprogramm auch gutes Entertainment zu bieten und dazu den Wahnsinnsvorrat an Stars nutzt, der hier rumläuft.

Holla, der zweite Oscar (Make-Up) geht schon wieder an Pan’s Labyrinth!

“Bester Kurzfilm” geht an West Bank Story, ein Musical über die Konkurrenz zweier Falafel-Stände in der West Bank.

Die nächste tolle Showeinlage: Ein Chor “singt” Sound-Effekte, vom Gräserrauschen bis zum Raketenstart. Klasse. Und Pro Sieben zeigt wieder sein Talent fürs Ärgern der Zuschauer. Genau in einem ganz leisen Moment wird mit lautem “BING” irgendeine nutzlose Info eingeblendet. Danke dafür.

Steve Carell und Greg Kinnear machen sich ein bisschen über “Sound Editing” lustig, und bekommen zur Strafe den Ton abgestellt. Den Preis bekommt — richtig getippt — Letters from Iwo Jima. Und “Sound Editing” geht an Dreamgirls.

Jetzt der erste größere Preis: “Best Supporting Actor”, er geht an - YES! - Alan Arkin, der den drogensüchtigen Opa in Little Miss Sunshine spielt. Die erste Überraschung des Abends. Seine Dankesrede gerät dann aber doch sehr langweilig.

Eine Tanztruppe interpretiert hinter einer Schattenwand nominierte Filme. Klingt furchtbar doof, aber wenn dann hinter der Leinwand plötzlich fünf Pinguine stehen, dann muss ich doch kurz staunen.

Weiter geht’s mit einem der nominierten Songs, aus Cars. Wenn ich die Show live geguckt hätte, wäre ich spätestens jetzt eingeschlafen. Jetzt hilft mir meine Fast-Forward-Taste. Hübsch: Beim abschließenden Publikumsapplaus sind auch kurz zwei Autos aus dem Film zu sehen. Direkt im Anschluss singt Melissa Etheridge ihr Lied aus Inconvenient Truth (Passender Text: “I need to wake up now”). Bringen die jetzt alle Songs am Stück? Sollte man die nicht besser verteilen?

Al Gore und Leo di Caprio berichten, dass diese Show eine “green show” sei, die total umweltfreundlich produziert wurde. Was immer sie auch damit meinen. Gore nutzt dann noch die Gelegenheit, vor großem Publikum seine Präsidentschaftskandidatur zu verkünden, wird dann aber vorher vom Orchester von der Bühne geblasen.

Weil es ja eine “green show” ist, recycelt Ellen de Generes alte Witze aus ihrer Sendung. Die kommen leider überhaupt nicht an. Cameron Diaz hat ne komische Frisur und verleiht den Preis für den besten Trickfilm an Happy Feet. Ins Publikum wurde nicht nur ein jubelnder animierter Pinguin reinmontiert, sondern auch enttäuschte Cars und die beleidigten Hauptfiguren aus Monster House.

Jetzt ein Clip, der die (Drehbuch-) Autoren feiert. Mit vielen klassischen Filmausschnitten, z.B. aus Barton Fink, The Shining, Shakespeare in Love und Capote. Und im Anschluss natürlich der Preis fürs beste adaptierte Drehbuch. Die Nominierten werden vorgestellt mit kurzen Ausschnitten aus den Scripts. Gewonnen hat The Departed. Die Off-Stimme behauptet dazu, das Drehbuch basiere auf dem japanischen Film Infernal Affairs. Japanisch? Hey, Amis, für euch ist alles mit Schlitzaugen dasselbe, oder was?

Für den Kostüm-Oscar werden die nominierten Kostüme diesmal live auf der Bühne präsentiert. Der Preis geht an Marie Antoinette. Und schon wieder eine kreuzbrave Dankesrede. Hallo, bringt mal etwas mehr Pep rein!

Aber damit es ja nicht zu unterhaltsam wird, kommt jetzt erstmal der Jean Hersholt Humanitarian Award für die Produzentin Sherry Lansing, die sehr viel Gutes tut. Schnarch. Vorspul.

Nette Einlage: Ellen de Generes geht ins Publikum und fragt Steven Spielberg, ob er ein Erinnerungsfoto von ihr und Clint Eastwood schießen kann. Für MySpace. Es folgt der Preis für beste Kamera: Pan’s Labyrinth, zum Dritten!

Der Effekte-Oscar geht verdientermaßen an Pirates of the Caribbean 2. Danach kommt der Auslands-Oscar, angesagt von Catherine Deneuve und Ken Watanabe. Als die Deneuve von untertitelten Filmen spricht, blendet die Regie Sasha Baron Cohen ein. Haha. Es folgt ein Zusammenschnitt aus vielen Filmen dieser Kategorie. Einschließlich zweier verpixelter Stinkefinger. Ach, Amerika…
Und wer gewinnt? Tatsächlich Das Leben der Anderen. Hätte ich nicht gedacht. Florian H.v.D. freut sich sichtlich und hält eine atemlose Dankesrede, in der er u.a. Arnold Schwarzeneger dankt (”for teaching me the words ‘I can’”).

Herrje, jetzt gibt’s sicher gleich Tränen, denn Jennifer Hudson kriegt “Best Actress” für Dreamgirls. Oh ja, die gute ist ganz aus dem Häuschen, hat sich aber dann doch einigermaßen im Griff.

Jerry Seinfeld sagt “Best Documentary” (”These five incredibly depressing movies”) an und hat eine Lektion für Kinogeher: wer im Kino überteuerte und überdimensionierte Snacks kauft, hat auch das Recht, die Verpackung einfach auf den Boden fallen zu lassen. Gewonnen haben natürlich Al Gore und Co. mit An Inconvenient Truth.

So, jetzt gibt’s den Ehrenoscar. Das Thema aus The Good, the Bad and the Ugly erklingt und Clint Eastwood kommt auf die Bühne. Lange Laudatio für Ennio Morricone, ein schöner Clip mit viel Musik, leider singt dann noch Celine Dion. Ich liebe die >>-Taste. Und schließlich Standing Ovations, wie sich das gehört. Morricone bedankt sich auf italienisch, Eastwood übersetzt. Das zieht sich etwas.

Noch’n Clip: Der Boss der Academy erklärt in unter 60 Sekunden, was diese so alles tut. Superschnell gesprochen, superschnell geschnitten.

Der Drehbuchpreis geht tatsächlich an Little Miss Sunshine. Cool, noch ‘ne Überraschung.

Drei der fünf nominierten Filmsongs stammen aus Dreamgirls. Gute Idee, die gleich alle zusammen in einem Medley zu bringen. Ein Hauch von Wetten, dass…? Ich versuche, nicht auf die Musik zu achten und konzentriere mich auf die Dekolletés von Beyoncé Knowles und Jennifer Hudson. Der Preis für den besten Song geht dann nicht an Dreamgirls sondern an Melissa Etheridges “I need to wake up” aus Inconvenient Truth.

Jetzt gibt’s die Geschichte der USA in Filmausschnitten, zusammengeschnitten von Michael Mann. Es folgt der Schnitt-Oscar für The Departed. Schon wieder falsch getippt.

Mist, die überziehen ganz schön, glaube ich. Ich habe den Festplattenrekorder extra eine Stunde mehr aufnehmen lassen, aber ich bezweifle, ob das gereicht hat. Jetzt kommt erstmal der Clip mit den Toten des letzten Jahres. Ellen spielt jetzt auch drauf an, dass man ziemlich über der Zeit liegt. Jedenfalls geht es nun in den Endspurt. Es fehlen noch Hauptdarsteller, Regie und bester Film.

Wie erwartet darf sich Helen Mirren den Preis für die beste Hauptrolle abholen. Und im nächsten Werbeblock ist meine Aufzeichnung zu Ende. Shit, dummer Fehler. Wo kann ich jetzt den Rest sehen? Bei oscar.com gibt es nur die doofe “Thank You Cam”, dazu immerhin ein paar “Best Moments” und ein paar Acceptance Speeches. So sehe ich dann doch noch Marty Scorsese und sein “Could you double-check the envelopes?”

Ansonsten gibt es ja immer noch zahlreiche Blogs zu lesen, die live mitgebloggt haben: Batz, René und Nilz von den Fünf Filmfreunden, Anke, der Popkulturjunkie, die Fernseherin, zappingduster, Malte vom Spreeblick, F!XMBR, 3Toastbrot, Oh what a world, das Internetbrain-Blog, affectionista, Brummfisch, Torten, Tanzmusik & Totale Voetbal, das Tivoli-Blog, DWDL und EXTReeeME.Org. Hab ich wen vergessen?

Fazit: Eine überlange, ziemlich zahme und streckenweise langweilige Oscar-Show, die nächstes Jahr wieder einen etwas spritzigeren Moderator braucht. The Departed ist der große Sieger. Ein Remake. Was sagt das über Kreativität in Hollywood? Und morgen werden alle Zeitungen mit Das Leben der Anderen titeln. Es sei den Machern gegönnt. Und meine Tipps? 11 Richtige in 24 Kategorien. Schwach.

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Trailerschau für Filmstarts vom 22.2.

Samstag, 24.02.2007

Eine ganz ordentliche Woche diesmal.

Im Kino sehen:
El Laberinto del Fauno (Pans Labyrinth): Ganz toller Film, wie ich schon sagte!

Letters from Iwo Jima: Clint Eastwoods zweiter Streich zur Schlacht von Iwo Jima, diesmal aus Sicht der Japaner. Wuchtig.

Auf die DVD warten:
Ghost Rider: Das soll keine Empfehlung sein, ich bin fast sicher, dass der Film totaler Käse ist. Aber ab und zu mal eine alberne Comicverfilmung als Guilty Pleasure muss schon sein.

Notes on a Scandal (Tagebuch eines Skandals): Cate Blanchett und Judi Dench, ich liebe sie beide. Der Plot klingt allerdings nach allzu schwerem Melodram: Lehrerin hat Affäre mit Schüler, ältere Kollegin weiß davon und nutzt ihr Wissen als Druckmittel.

In 3 Tagen bist du tot (Dt. T): Teenie-Horror made in Österreich. Ich stehe ja auf diese spezielle Austro-Atmosphäre. Könnte ein interessantes Filmchen sein, oder auch nur ein müder Abklatsch.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Lonely Hearts (Lonely Hearts Killers): Film über ein Gangsterpärchen der 40er Jahre, sehr ordentlich besetzt (James Gandolfini, John Travolta, Salma Hayek, Laura Dern). Trotzdem sieht der Trailer nicht allzu spannend aus.

Muss nicht sein:
Bordertown: Man kennt das Strickmuster: Redliche Journalistin recherchiert etwas Skandalöses (hier: vergewaltigte und ermordete Frauen an der mexikanisch-amerikanischen Grenze), die Mächtigen wollen es unter Verschluss halten, Journalistin (hier: Jennifer Lopez) riskiert edelmütig ihr Leben für die Wahrheit.

La Môme (La Vie en Rose): Biopic über Edith Piaf, war Eröffnungsfilm der Berlinale. Nicht meine Tasse Milchkaffee.

Leiutajateküla Lotte (Lotte im Dorf der Erfinder): Putziger Kinderfilm aus Estland (!)

Don: Ein Bollywood-Action-Thriller mit Shahrukh Khan. Und natürlich wird auch hier gesungen und getanzt. Wer’s mag.

Det janze als YouTube-Playlist, diesmal sogar vollständig: Weiterlesen…

Abgelegt unter: Trailerschau
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Tipperei, Alder

Freitag, 23.02.2007

Der Dramaking hat wieder ein Oscar-Tippspiel eingeläutet. Da mach ich doch gerne mit.
And the Oscars will go to:

Bester Spielfilm:
Letters From Iwo Jima
(Persönlich drücke ich ja Little Miss Sunshine die Daumen, aber ich glaub nicht dran. Und Babel kriegt in meinen Tipps den Drehbuch- und den Schnittpreis, also gewinnt wieder mal der alte Gauner Clint.)

Bester Schauspieler in einer Hauptrolle:
Leonardo Di Caprio in Blood Diamond

Bester Schauspieler in einer Nebenrolle:
Eddie Murphy in Dreamgirls

Beste Schauspielerin in einer Hauptrolle:
Helen Mirren in The Queen
(Der einzige Tipp, bei dem ich mir felsenfest sicher bin.)

Beste Schauspielerin in einer Nebenrolle:
Abigail Breslin in Little Miss Sunshine
(Kinderbonus? Find ich normalerweise furchtbar, aber hier will ich mal drauf hoffen)

Beste Regie:
Martin Scorsese für The Departed
(Das wird die Academy nicht übers Herz bringen, Scorsese nochmal abblitzen zu lassen)

Bester Animationsfilm:
Happy Feet

Bester ausländischer Film:
Pan’s Labyrinth
(Ich weiß nicht, was hier immer dieser Patriotismus soll, und warum alle “unserem” Film die Daumen drücken. Ich fand Pan super, der soll gewinnen!)

Bester Dokumentarfilm:
An Inconvenient Truth
(hat den Al-Gore-Promibonus)

Bester Kurz-Dokumentarfilm:
The Blood of Yingzhou District
(Es geht um AIDS, das zieht, glaube ich)

Beste Kamera:
Pan’s Labyrinth

Bestes Drehbuch:
Babel

Bestes adaptiertes Drehbuch:
Notes on a Scandal

Bester Schnitt:
Babel

Bestes Kostüm:
Dreamgirls

Bestes Makeup:
Pan’s Labyrinth

Beste Filmmusik:
The Queen

Bester Filmsong:
“Love You I Do” aus Dreamgirls
(na toll, drei von fünf nominierten Liedern stammen aus Dreamgirls. Also wird’s einer von denen. Die Entscheidung fällt mein dreiseitgen Würfel. So machen das die Profis doch auch…)

Beste Art Direction:
Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest

Bestes Sound Editing:
Letters from Iwo Jima

Bestes Sound Mixing:
Dreamgirls

Beste Visual Effects:
Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest

Bester Kurzfilm:
West Bank Story
(weil ich den gerne mal sehen würde)

Bester animierter Kurzfilm:
Maestro

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Auf DVD: Crank

Mittwoch, 21.02.2007

Wäre ich 16 oder so, ich hätte einen neuen Lieblingsfilm. Crank ist ein rasantes Bilderfeuerwerk, das alles hat, was man als adoleszenter Bengel beim Popcornverschlingen sehen will: harte Typen, coole Sprüche, allerlei Waffen, ein bisschen Gemetzel, ein rockender Soundtrack, dekoriert von ein paar hübschen Babes, die wenig anhaben und wenig sagen.

Ich bin zwar nicht mehr 16, sondern doppelt so alt (hust) und trotzdem fand ich Crank ganz prima. Denn der Film hat einen Stil, dem man sich schwer entziehen kann. Die Regisseure und Drehbuchautoren Mark Neveldine und Brian Taylor haben viel Tarantino, Guy Ritchie und Co. geguckt, dazu eine Menge Videoclips, haben deren Stilmittel kopiert und nochmal auf die Spitze getrieben: extreme Close-Ups, extreme Perspektiven, extreme Farbfilter, extreme Schnitte, extreme Split-Screens und allerlei kleine visuelle Gimmicks. Und das ganze in einem Tempo, dass man beim ersten Mal Ansehen kaum alles mitbekommt.

Die Story, ihre Figuren und Dialoge sind dagegen kein bisschen Tarantinohaft, sondern sehr simpel und geradling. Eigentlich ist der Plot völlig bescheuert: Chev, ein Profikiller (gespielt vom legitimen Bruce-Willis-Nachfolger Jason Statham), hat von der gegnerischen Seite einen tödlichen Giftcocktail verpasst bekommen, der seine Adrenalinzufuhr ausbremst. Die einzige Chance, noch ein bisschen am Leben zu bleiben, liegt darin, sich möglichst ständig irgendwelche Kicks zu verpassen. Er darf auf keinen Fall zur Ruhe kommen. Das Speed-Prinzip, mit Mensch statt Bus. In der Theorie völlig Banane, in der Praxis funktioniert’s erstaunlich gut. Denn Neveldine/Taylor wenden das Prinzip einfach auf sich selbst und den Zuschauer an. Sie machen Tempo, Tempo, Tempo und bieten einen visuellen Reiz nach dem anderen an.

Zum Beispiel die irren Zooms bei Ortswechseln: da fährt die Kamera blitzschnell hoch in Satellitenperspektive, fährt woanders hin und zoomt dann wieder blitzschnell nach unten. Dazu werden noch Ortsnamen eingeblendet — und das Google-Earth-Logo. Auch hübsch: nach den bereits überstrapazierten Kameraperspektiven “aus dem Kühlschrank” und “aus dem Kofferraum” gibt’s jetzt auch “aus der Mikrowelle”. Und Crank hat durchaus noch mehr solche netten Mätzchen parat. Der Film ist pure Oberfläche, hat soviel Tiefgang wie ein Stück Styropor, aber es macht nichts: Selten hat mich eine so dumme Geschichte so exzellent unterhalten.

Nebenbei gesagt habe ich keine Ahnung, warum man dem Film den Titel Crank verpasst hat. Ich stelle mir grade die von LEO angebotenen deutschen Bedeutungen als deutsche Filmtitel auf einem Plakat vor. Hihi…

Abspann: Ganz zum Schluss gibt es eine kurze Computerspielszene in C64-Grafik, die nochmal auf den Titel-Screen (siehe oben) verweist und sich mit einem “Game Over” verabschiedet.

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Filmblogsuche nimmt Gestalt an

Dienstag, 20.02.2007

Nachdem ich neulich mal von meinem Wunsch nach einer zentralen Anlaufstelle für filmbezogenes Geblogge in deutscher Sprache geschrieben habe, stellte sich heraus, dass die schnellste und einfachste Annäherung mit Google Co-op gelingen kann. So wie das Thomas vom Filmtagebuch bereits vorgemacht hat mit seiner movie blog search engine und der movie magazine search engine.

Ich habe das nun schamlos kopiert mich nun davon inspirieren lassen und eine Filmblogsuche erstellt. Eine gefilterte Google-Suche, die nur in ausgewählten Websites sucht. Die Suchmaske gibt es direkt bei Google oder auch gleich hier im Blog, einschließlich einer Liste der durchsuchten Blogs.

Diese Liste kann und soll natürlich ergänzt werden. Gesucht werden soll nach möglichst vielen Blogs, die in deutscher Sprache regelmäßig über Filme schreiben (und zwar möglichst auch Filmkritiken, nicht nur Links auf neue Trailer oder den aktuellsten Amazon-Einkaufszettel). Vorschläge gerne in die Kommentare oder auch direkt in Google Co-op über den “Contribute”-Link. Und falls jemand Copiepresse spielen will und nicht in den Suchergebnissen auftauchen möchte: kurze Info genügt.

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Im Kino: El Laberinto del Fauno (Pans Labyrinth)

Samstag, 17.02.2007

Spanien, 1944. Das zwölfjährige Mädchen Ofelia fährt zusammen mit ihrer schwangeren Mutter in die Berge Nordspaniens. Dort lebt der Mann, zu dem Ofelia künftig “Vater” sagen soll. Ihr eigentlicher Vater ist tot, der neue Mann ihrer Mutter ist Hauptmann bei den Truppen von General Franco und hat die Aufgabe, mit seiner Einheit den Widerstand einer Gruppe von Partisanenkämpfern zu brechen, die sich in den Bergen verschanzt hat. Hauptmann Vidal ist ein brutaler, zynischer Soldat, den Ofelia von Anfang an nicht leiden kann.

Ofelia, die sich sehr gerne in Märchenbücher und fantastische Geschichten vertieft, bemerkt schon auf der Anfahrt zum Stützpunkt ihres Stiefvaters, dass es hier etwas Besonderes gibt. Sie beobachtet eine Gottesanbeterin und ist überzeugt davon, dass es sich bei dem Insekt um eine Fee handelt. Und tatsächlich: In der nächsten Nacht kommt das Insekt an Ofelias Bett und entpuppt sich als Fee. Sie führt Ofelia in ein Labyrinth, welches sich im Garten des Anwesens befindet, und stellt sie dort dem Pan vor. Pan erzählt Ofelia, dass sie eine Prinzessin sei, die vor langer Zeit aus ihrem Königreich verschwunden und in der menschlichen Welt verschollen sei. Um sicherzugehen, dass Ofelia kein sterblicher Mensch geworden sei, müsse sie drei Aufgaben bewältigen. Er gibt ihr ein Buch mit, in dem sie die Aufgaben finden würde.

Während Ofelia sich an die Lösung dieser Aufgaben macht und dabei stets aufpassen muss, nicht zuviel Aufsehen unter den Menschen im Stützpunkt zu erregen, wird ihre Mutter schwer krank. Ihr Stiefvater führt unterdessen einen grausamen, skrupellosen und blutigen Kampf gegen die Rebellen. Diese haben jedoch schon seine engste Umgebung unterwandert. Sowohl Vidals Arzt als auch seine Haushälterin stehen auf der Seite der Widerständler.

Der Film wechselt stetig zwischen realistischen und oft sehr grausamen Szenen des Bürgerkriegs und den Ausflügen Ofelias in eine fantastische Welt, wo wundersame, aber auch gefährliche Wesen hausen. Der eigentliche Schrecken aber liegt in der realen Welt: Der eindeutige Bösewicht ist Vidal, der faschistische Hauptmann, der sich selbst gegenüber seiner Frau und deren Tochter sehr kalt verhält und ansonsten ein Scheusal ist, das weder vor Mord noch vor Folter zurückschreckt.

Aber auch Ofelias fantastische Welt ist kein fröhlicher Märchenwald. Sie bekommt es unter anderem mit einer schleimigen, alles verzehrenden Riesenkröte zu tun. Später begegnet sie einem wahrhaft gruseligen Wesen ohne Gesicht, dessen Augen in seinen Händen liegen — die visuell faszinierendste Szene des Films. Überhaupt bietet Pans Labyrinth sehr viel fürs Auge: Die Kulissen und Fabelwesen sind ein Genuss, sie stecken voller Detailliebe und origineller Ideen, die man bisher noch nicht im Kino gesehen hat.

Trotzdem könnten Fantasy-Fans, die einen “puren” Fantasyfilm erwarten, enttäuscht von Pans Labyrinth sein, denn mehr als die Hälfte der Geschichte spielt in der Realität des Post-Bürgerkriegs. Und wer ein Kriegsdrama sehen möchte, wird sich an den phantastischen Szenen stören. Für Puristen ist der Film also nichts. Doch gerade der stetige Wechsel der beiden Ebenen macht das Wesen von Pans Labyrinth aus - wer sich darauf einlässt, bekommt ein faszinierendes Kinoerlebnis.

Der Blickt man auf die Hauptfigur und die Grundkonstellation, die an Alice im Wunderland erinnert, könnte man denken, dass es sich hier um ein Märchen für Kinder handelt. Damit könnte man falscher nicht liegen. Das hier ist alles andere als ein Kinderfilm. Guillermo del Toros Fantasyland ist zum Großteil eine düstere, alptraumhafte Gothic-Welt, inspiriert von den Bildern des viktorianischen Illustrators Arthur Rackham. Und die Szenen in der realen Welt sparen erst recht nicht mit harten Bildern: An einigen Stellen braucht man starke Nerven und einen guten Magen.

Etwas schade ist, dass die beiden Ebenen des Films zumeist nebeneinander herlaufen, es gibt kaum Berührungspunkte. Und Sergi López spielt den Hauptmann Vidal zwar sehr überzeugend, aber sonderlich subtil ist seine durch und durch böse Figur nicht. Dafür sind die rebellischen Antifaschisten durchweg ehrenwerte und gute Menschen, die sich für ein höheres Ziel aufopfern. In den Fantasy-Abschnitten verzichtet Del Toro auf diese Schwarz-Weiß-Malerei. Hier sind “Gut” und “Böse”, heimelig und gruselig viel schwieriger zu unterscheiden.

Trotz dieser kleinen Schwächen ist Pans Labyrinth ein absolut sehenswerter Film, der großartige Bilder liefert und eine Geschichte erzählt, die in einem Mainstream-Hollywood-Film undenkbar wäre. Das gilt vor allem für den Schluss, aber der sei hier noch nicht verraten…

(Dieser Text steht auch bei Comicgate. Dort kann man sogar was gewinnen.)

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Trailerschau für Filmstarts vom 15.2.

Donnerstag, 15.02.2007

Auf die DVD warten:
The Good Shepherd (Der gute Hirte): Robert De Niro erzählt die Geschichte der CIA anhand eines Mannes, der 40 Jahre für den Dienst arbeitet, und hat dafür eine erlesene Besetzung zusammengetrommelt. Die Hauptrolle spielt Matt Damon (ich kann diesen Namen nicht mehr normal schreiben, sprechen oder denken, seit ich Team America gesehen habe…).

Hollywoodland (Die Hollywood-Verschwörung ): Vielleicht der erste Film, in dem Ben Affleck tatsächlich zeigt, dass er schauspielern kann. Er spielt George Reeves, den ersten Superman-Darsteller der 50er Jahre, der unter myteriösen Umständen ums Leben kam. Adrien Brody ermittelt.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Yes I Am!: Doku über das Brothers Keepers-Projekt, bei dem dunkelhäutige deutsche Künstler gemeinsam durch Ostdeutschland tourten. Sehr ehrenhafte Geschichte, nur leider mit Xavier Naidoo. Der singt im Auto zu seinen eigenen Songs aus dem Autoradio…

Babooska: Dokumentarfilm, der einen kleinen italienischen Familienzirkus beim Tingeln begleitet.

Muss nicht sein:
Hannibal Rising (Hannibal Rising - Wie alles begann): Ich liebe Das Schweigen der Lämmer. Und das soll auch so bleiben.

Zur YouTube-Schau bitte hier entlang: Weiterlesen…

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Taufrisch von der Buchmesse: Ein Interview mit Jeff Smith

Donnerstag, 15.02.2007

Zur Abwechslung verweise ich mal wieder auf Comicgate, das gemütliche Internet-Magazin für Freunde der Sprechblasenliteratur: Letzten Herbst, bei der Buchmesse, hatten Björn (of Agitpop fame) und ich eine Audienz beim Schöpfer eines meiner Lieblingscomics. Wir sprachen eine gute halbe Stunde mit Jeff Smith, Autor und Zeichner von Bone.

Nun sind solche Interviews für so Hobby-Nebenbei-Schreiberle wie mich sowieso schon kleine Highlights im rostigen Alltag, aber dieses Interview war definitiv ein toller Moment. Das ganze Gespräch kann man hier nachlesen. Und nächstes Mal brauchen wir dann für Abschrift, Übersetzung und Online-Aufbereitung hoffentlich nicht wieder vier Monate.


 
 
 












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