Auf DVD: Following

1998 drehte ein unbekannter junger Londoner namens Christopher Nolan seinen ersten Langfilm. Fast ohne Budget, für fast kein Geld. Die Schauspieler waren seine Kumpels und Verwandten, er selbst erledigte Drehbuch, Regie und Kamera. Gedreht wurde an Wochenenden. Das Ergebnis war ein kleiner Erfolg auf diversen Festivals und führte dazu, dass Christopher Nolan Memento drehen durfte. Der Rest ist Geschichte.

Following, der in Deutschland erst 2005 (im Windschatten von Batman Begins) ins Kino kam und kurz darauf auf DVD zu haben war, handelt von einem jungen, erfolglosen Autor, der sich auf der Suche nach Inspiration an die Fersen von Fremden heftet und ihnen ein Stück in ihrem Alltag folgt. Eines Tages spricht ihn einer dieser Verfolgten überraschend an und bietet ihm an, ihn bei dessen Streifzügen zu begleiten: er ist nämlich Einbrecher.

Nolan entwickelt aus dieser Konstellation einen modernen Film Noir, der die klassischen Zutaten dieses Genres enthält (Ich-Erzähler, harte Schwarz-Weiß-Kontraste und die blonde Femme Fatale). Die Hauptperson, der Autor, verwickelt sich in ein Netz aus Lügen und Intrigen, aus dem er nicht mehr so leicht herausfindet. Dem Zuschauer präsentiert sich dieses Netz als Puzzle, denn Nolan pfeift auf die Chronologie. Er wirft einzelne Szenen wild durcheinander und überlässt es dem Zuschauer, die Puzzlestücke selbst zusammenzusetzen. Das erfordert Aufmerksamkeit und Mitdenken, mehr noch als bei Memento oder Nolans aktuellem Kinofilm The Prestige, die auch mit der Chronologie spielen. Aber es macht auch den Reiz dieses Films aus.

In klassischem, linearem Zeitablauf (eine solche Version ist übrigens zusätzlich auf der DVD enthalten) wäre Following ein okayer, nicht sonderlich aufregender Noir-Thriller. Das zeitliche Durcheinanderwürfeln der Handlung macht daraus ein beinahe interaktives Mitrate-Kino, das den Zuschauer so beschäftigt, dass er von der ein oder anderen überraschenden Wendung voll erwischt wird. Natürlich werden die Bruchstücke nicht planlos hingeworfen, sondern mit Bedacht, wie kleine Hinweise in einem Whodunnit-Krimi. Am Ende, nach straffen 70 Minuten, ergibt sich ein sehr stimmiges Gesamtbild. Nolan hat hier einen Film geschaffen, dessen wildes und doch planvolles Spiel mit dem Zeitstrahl nicht nur poppige Spielerei oder l’art pour l’art ist, sondern elementarer Bestandteil des Werks. Sehr sehenswert!

 

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