Im Kino: El Laberinto del Fauno (Pans Labyrinth)


(Screenshot von wwws.la.warnerbros.com/panslabyrinth)

Spanien, 1944. Das zwölfjährige Mädchen Ofelia fährt zusammen mit ihrer schwangeren Mutter in die Berge Nordspaniens. Dort lebt der Mann, zu dem Ofelia künftig „Vater“ sagen soll. Ihr eigentlicher Vater ist tot, der neue Mann ihrer Mutter ist Hauptmann bei den Truppen von General Franco und hat die Aufgabe, mit seiner Einheit den Widerstand einer Gruppe von Partisanenkämpfern zu brechen, die sich in den Bergen verschanzt hat. Hauptmann Vidal ist ein brutaler, zynischer Soldat, den Ofelia von Anfang an nicht leiden kann.

Ofelia, die sich sehr gerne in Märchenbücher und fantastische Geschichten vertieft, bemerkt schon auf der Anfahrt zum Stützpunkt ihres Stiefvaters, dass es hier etwas Besonderes gibt. Sie beobachtet eine Gottesanbeterin und ist überzeugt davon, dass es sich bei dem Insekt um eine Fee handelt. Und tatsächlich: In der nächsten Nacht kommt das Insekt an Ofelias Bett und entpuppt sich als Fee. Sie führt Ofelia in ein Labyrinth, welches sich im Garten des Anwesens befindet, und stellt sie dort dem Pan vor. Pan erzählt Ofelia, dass sie eine Prinzessin sei, die vor langer Zeit aus ihrem Königreich verschwunden und in der menschlichen Welt verschollen sei. Um sicherzugehen, dass Ofelia kein sterblicher Mensch geworden sei, müsse sie drei Aufgaben bewältigen. Er gibt ihr ein Buch mit, in dem sie die Aufgaben finden würde.

Während Ofelia sich an die Lösung dieser Aufgaben macht und dabei stets aufpassen muss, nicht zuviel Aufsehen unter den Menschen im Stützpunkt zu erregen, wird ihre Mutter schwer krank. Ihr Stiefvater führt unterdessen einen grausamen, skrupellosen und blutigen Kampf gegen die Rebellen. Diese haben jedoch schon seine engste Umgebung unterwandert. Sowohl Vidals Arzt als auch seine Haushälterin stehen auf der Seite der Widerständler.

Der Film wechselt stetig zwischen realistischen und oft sehr grausamen Szenen des Bürgerkriegs und den Ausflügen Ofelias in eine fantastische Welt, wo wundersame, aber auch gefährliche Wesen hausen. Der eigentliche Schrecken aber liegt in der realen Welt: Der eindeutige Bösewicht ist Vidal, der faschistische Hauptmann, der sich selbst gegenüber seiner Frau und deren Tochter sehr kalt verhält und ansonsten ein Scheusal ist, das weder vor Mord noch vor Folter zurückschreckt.

Aber auch Ofelias fantastische Welt ist kein fröhlicher Märchenwald. Sie bekommt es unter anderem mit einer schleimigen, alles verzehrenden Riesenkröte zu tun. Später begegnet sie einem wahrhaft gruseligen Wesen ohne Gesicht, dessen Augen in seinen Händen liegen — die visuell faszinierendste Szene des Films. Überhaupt bietet Pans Labyrinth sehr viel fürs Auge: Die Kulissen und Fabelwesen sind ein Genuss, sie stecken voller Detailliebe und origineller Ideen, die man bisher noch nicht im Kino gesehen hat.

Trotzdem könnten Fantasy-Fans, die einen „puren“ Fantasyfilm erwarten, enttäuscht von Pans Labyrinth sein, denn mehr als die Hälfte der Geschichte spielt in der Realität des Post-Bürgerkriegs. Und wer ein Kriegsdrama sehen möchte, wird sich an den phantastischen Szenen stören. Für Puristen ist der Film also nichts. Doch gerade der stetige Wechsel der beiden Ebenen macht das Wesen von Pans Labyrinth aus – wer sich darauf einlässt, bekommt ein faszinierendes Kinoerlebnis.

Der Blickt man auf die Hauptfigur und die Grundkonstellation, die an Alice im Wunderland erinnert, könnte man denken, dass es sich hier um ein Märchen für Kinder handelt. Damit könnte man falscher nicht liegen. Das hier ist alles andere als ein Kinderfilm. Guillermo del Toros Fantasyland ist zum Großteil eine düstere, alptraumhafte Gothic-Welt, inspiriert von den Bildern des viktorianischen Illustrators Arthur Rackham. Und die Szenen in der realen Welt sparen erst recht nicht mit harten Bildern: An einigen Stellen braucht man starke Nerven und einen guten Magen.

Etwas schade ist, dass die beiden Ebenen des Films zumeist nebeneinander herlaufen, es gibt kaum Berührungspunkte. Und Sergi López spielt den Hauptmann Vidal zwar sehr überzeugend, aber sonderlich subtil ist seine durch und durch böse Figur nicht. Dafür sind die rebellischen Antifaschisten durchweg ehrenwerte und gute Menschen, die sich für ein höheres Ziel aufopfern. In den Fantasy-Abschnitten verzichtet Del Toro auf diese Schwarz-Weiß-Malerei. Hier sind „Gut“ und „Böse“, heimelig und gruselig viel schwieriger zu unterscheiden.

Trotz dieser kleinen Schwächen ist Pans Labyrinth ein absolut sehenswerter Film, der großartige Bilder liefert und eine Geschichte erzählt, die in einem Mainstream-Hollywood-Film undenkbar wäre. Das gilt vor allem für den Schluss, aber der sei hier noch nicht verraten…

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