Auf DVD: Crank

Wäre ich 16 oder so, ich hätte einen neuen Lieblingsfilm. Crank ist ein rasantes Bilderfeuerwerk, das alles hat, was man als adoleszenter Bengel beim Popcornverschlingen sehen will: harte Typen, coole Sprüche, allerlei Waffen, ein bisschen Gemetzel, ein rockender Soundtrack, dekoriert von ein paar hübschen Babes, die wenig anhaben und wenig sagen.

Ich bin zwar nicht mehr 16, sondern doppelt so alt (hust) und trotzdem fand ich Crank ganz prima. Denn der Film hat einen Stil, dem man sich schwer entziehen kann. Die Regisseure und Drehbuchautoren Mark Neveldine und Brian Taylor haben viel Tarantino, Guy Ritchie und Co. geguckt, dazu eine Menge Videoclips, haben deren Stilmittel kopiert und nochmal auf die Spitze getrieben: extreme Close-Ups, extreme Perspektiven, extreme Farbfilter, extreme Schnitte, extreme Split-Screens und allerlei kleine visuelle Gimmicks. Und das ganze in einem Tempo, dass man beim ersten Mal Ansehen kaum alles mitbekommt.

Die Story, ihre Figuren und Dialoge sind dagegen kein bisschen Tarantinohaft, sondern sehr simpel und geradling. Eigentlich ist der Plot völlig bescheuert: Chev, ein Profikiller (gespielt vom legitimen Bruce-Willis-Nachfolger Jason Statham), hat von der gegnerischen Seite einen tödlichen Giftcocktail verpasst bekommen, der seine Adrenalinzufuhr ausbremst. Die einzige Chance, noch ein bisschen am Leben zu bleiben, liegt darin, sich möglichst ständig irgendwelche Kicks zu verpassen. Er darf auf keinen Fall zur Ruhe kommen. Das Speed-Prinzip, mit Mensch statt Bus. In der Theorie völlig Banane, in der Praxis funktioniert’s erstaunlich gut. Denn Neveldine/Taylor wenden das Prinzip einfach auf sich selbst und den Zuschauer an. Sie machen Tempo, Tempo, Tempo und bieten einen visuellen Reiz nach dem anderen an.

Zum Beispiel die irren Zooms bei Ortswechseln: da fährt die Kamera blitzschnell hoch in Satellitenperspektive, fährt woanders hin und zoomt dann wieder blitzschnell nach unten. Dazu werden noch Ortsnamen eingeblendet — und das Google-Earth-Logo. Auch hübsch: nach den bereits überstrapazierten Kameraperspektiven „aus dem Kühlschrank“ und „aus dem Kofferraum“ gibt’s jetzt auch „aus der Mikrowelle“. Und Crank hat durchaus noch mehr solche netten Mätzchen parat. Der Film ist pure Oberfläche, hat soviel Tiefgang wie ein Stück Styropor, aber es macht nichts: Selten hat mich eine so dumme Geschichte so exzellent unterhalten.

Nebenbei gesagt habe ich keine Ahnung, warum man dem Film den Titel Crank verpasst hat. Ich stelle mir grade die von LEO angebotenen deutschen Bedeutungen als deutsche Filmtitel auf einem Plakat vor. Hihi…

Abspann: Ganz zum Schluss gibt es eine kurze Computerspielszene in C64-Grafik, die nochmal auf den Titel-Screen (siehe oben) verweist und sich mit einem „Game Over“ verabschiedet.

 

3 Gedanken zu „Auf DVD: Crank

  1. Argh. Immer noch nicht gesehen, das Biest. Sofern Frauke ihn auch noch nicht geschaut hat und die ihn dir nochmal angucken würdest, könnten wir uns den Film ja vielleicht während des Comicfests nochmal zusammen ansehen. (Vorher natürlich stundenlang mit dem Auto durch München kreisen.)

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