Im TV: Academy Awards 2007

Zum Live-Schauen bin ich körperlich nicht in der Lage. Bisher habe ich die Aufzeichnung meistens am Montag abend geguckt, wusste dann aber fast immer schon, wer gewonnen hat. Diesmal mach ich das gleich Montag vormittag, dann ist das auch etwas spannender (zumal ich ja auch Tipps abgegeben habe). Hier also mein Live-on-Tape-Blogging:

Noch während des Red-Carpet-Vorgeplänkels läuft ein sehr netter kleiner Clip, der zeigt, wie ein Pinguin aus Happy Feet zur Preisverleihung kommt und dabei noch ein paar andere nominierte Filme zitiert.

Die eigentliche Show beginnt mit einem Zusammenschnitt aus Interviews, in denen sich die Nominierten (alle?) vorstellen. Sie berichten z.B., wofür sie nominiert sind, wie oft sie schon nominiert waren, und wem sie danken werden. Ganz nett, aber da gab’s schon besseres in den letzten Jahren. So, jetzt kommt Ellen de Generes, die die Show heuer moderiert. Sie gibt ein paar Ratschläge für Dankesreden, witzelt über Peter O’Toole, der schon achtmal erfolglos nominiert war („Third time’s a charme“), und bringt als auch die Bemerkung unter: „If there weren’t Blacks, Jews, and Gays, there would be no Oscars“.

Als erstes wird der Preis für Art Direction und Set Design vergeben, und da gewinnt gleich mal mein persönlicher Liebling Pan’s Labyrinth. Weiter so!

Großartige Gesangseinlage von Will Ferrell, Jack Black und John C. Reilly: „A Comedian at the Oscars“. Wegen solcher Dinge schau ich mir die Verleihung immer wieder an. Weil man sich eben Mühe gibt, neben dem Pflichtprogramm auch gutes Entertainment zu bieten und dazu den Wahnsinnsvorrat an Stars nutzt, der hier rumläuft.

Holla, der zweite Oscar (Make-Up) geht schon wieder an Pan’s Labyrinth!

„Bester Kurzfilm“ geht an West Bank Story, ein Musical über die Konkurrenz zweier Falafel-Stände in der West Bank.

Die nächste tolle Showeinlage: Ein Chor „singt“ Sound-Effekte, vom Gräserrauschen bis zum Raketenstart. Klasse. Und Pro Sieben zeigt wieder sein Talent fürs Ärgern der Zuschauer. Genau in einem ganz leisen Moment wird mit lautem „BING“ irgendeine nutzlose Info eingeblendet. Danke dafür.

Steve Carell und Greg Kinnear machen sich ein bisschen über „Sound Editing“ lustig, und bekommen zur Strafe den Ton abgestellt. Den Preis bekommt — richtig getippt — Letters from Iwo Jima. Und „Sound Editing“ geht an Dreamgirls.

Jetzt der erste größere Preis: „Best Supporting Actor“, er geht an – YES! – Alan Arkin, der den drogensüchtigen Opa in Little Miss Sunshine spielt. Die erste Überraschung des Abends. Seine Dankesrede gerät dann aber doch sehr langweilig.

Eine Tanztruppe interpretiert hinter einer Schattenwand nominierte Filme. Klingt furchtbar doof, aber wenn dann hinter der Leinwand plötzlich fünf Pinguine stehen, dann muss ich doch kurz staunen.

Weiter geht’s mit einem der nominierten Songs, aus Cars. Wenn ich die Show live geguckt hätte, wäre ich spätestens jetzt eingeschlafen. Jetzt hilft mir meine Fast-Forward-Taste. Hübsch: Beim abschließenden Publikumsapplaus sind auch kurz zwei Autos aus dem Film zu sehen. Direkt im Anschluss singt Melissa Etheridge ihr Lied aus Inconvenient Truth (Passender Text: „I need to wake up now“). Bringen die jetzt alle Songs am Stück? Sollte man die nicht besser verteilen?

Al Gore und Leo di Caprio berichten, dass diese Show eine „green show“ sei, die total umweltfreundlich produziert wurde. Was immer sie auch damit meinen. Gore nutzt dann noch die Gelegenheit, vor großem Publikum seine Präsidentschaftskandidatur zu verkünden, wird dann aber vorher vom Orchester von der Bühne geblasen.

Weil es ja eine „green show“ ist, recycelt Ellen de Generes alte Witze aus ihrer Sendung. Die kommen leider überhaupt nicht an. Cameron Diaz hat ne komische Frisur und verleiht den Preis für den besten Trickfilm an Happy Feet. Ins Publikum wurde nicht nur ein jubelnder animierter Pinguin reinmontiert, sondern auch enttäuschte Cars und die beleidigten Hauptfiguren aus Monster House.

Jetzt ein Clip, der die (Drehbuch-) Autoren feiert. Mit vielen klassischen Filmausschnitten, z.B. aus Barton Fink, The Shining, Shakespeare in Love und Capote. Und im Anschluss natürlich der Preis fürs beste adaptierte Drehbuch. Die Nominierten werden vorgestellt mit kurzen Ausschnitten aus den Scripts. Gewonnen hat The Departed. Die Off-Stimme behauptet dazu, das Drehbuch basiere auf dem japanischen Film Infernal Affairs. Japanisch? Hey, Amis, für euch ist alles mit Schlitzaugen dasselbe, oder was?

Für den Kostüm-Oscar werden die nominierten Kostüme diesmal live auf der Bühne präsentiert. Der Preis geht an Marie Antoinette. Und schon wieder eine kreuzbrave Dankesrede. Hallo, bringt mal etwas mehr Pep rein!

Aber damit es ja nicht zu unterhaltsam wird, kommt jetzt erstmal der Jean Hersholt Humanitarian Award für die Produzentin Sherry Lansing, die sehr viel Gutes tut. Schnarch. Vorspul.

Nette Einlage: Ellen de Generes geht ins Publikum und fragt Steven Spielberg, ob er ein Erinnerungsfoto von ihr und Clint Eastwood schießen kann. Für MySpace. Es folgt der Preis für beste Kamera: Pan’s Labyrinth, zum Dritten!

Der Effekte-Oscar geht verdientermaßen an Pirates of the Caribbean 2. Danach kommt der Auslands-Oscar, angesagt von Catherine Deneuve und Ken Watanabe. Als die Deneuve von untertitelten Filmen spricht, blendet die Regie Sasha Baron Cohen ein. Haha. Es folgt ein Zusammenschnitt aus vielen Filmen dieser Kategorie. Einschließlich zweier verpixelter Stinkefinger. Ach, Amerika…
Und wer gewinnt? Tatsächlich Das Leben der Anderen. Hätte ich nicht gedacht. Florian H.v.D. freut sich sichtlich und hält eine atemlose Dankesrede, in der er u.a. Arnold Schwarzeneger dankt („for teaching me the words ‚I can'“).

Herrje, jetzt gibt’s sicher gleich Tränen, denn Jennifer Hudson kriegt „Best Actress“ für Dreamgirls. Oh ja, die gute ist ganz aus dem Häuschen, hat sich aber dann doch einigermaßen im Griff.

Jerry Seinfeld sagt „Best Documentary“ („These five incredibly depressing movies“) an und hat eine Lektion für Kinogeher: wer im Kino überteuerte und überdimensionierte Snacks kauft, hat auch das Recht, die Verpackung einfach auf den Boden fallen zu lassen. Gewonnen haben natürlich Al Gore und Co. mit An Inconvenient Truth.

So, jetzt gibt’s den Ehrenoscar. Das Thema aus The Good, the Bad and the Ugly erklingt und Clint Eastwood kommt auf die Bühne. Lange Laudatio für Ennio Morricone, ein schöner Clip mit viel Musik, leider singt dann noch Celine Dion. Ich liebe die >>-Taste. Und schließlich Standing Ovations, wie sich das gehört. Morricone bedankt sich auf italienisch, Eastwood übersetzt. Das zieht sich etwas.

Noch’n Clip: Der Boss der Academy erklärt in unter 60 Sekunden, was diese so alles tut. Superschnell gesprochen, superschnell geschnitten.

Der Drehbuchpreis geht tatsächlich an Little Miss Sunshine. Cool, noch ’ne Überraschung.

Drei der fünf nominierten Filmsongs stammen aus Dreamgirls. Gute Idee, die gleich alle zusammen in einem Medley zu bringen. Ein Hauch von Wetten, dass…? Ich versuche, nicht auf die Musik zu achten und konzentriere mich auf die Dekolletés von Beyoncé Knowles und Jennifer Hudson. Der Preis für den besten Song geht dann nicht an Dreamgirls sondern an Melissa Etheridges „I need to wake up“ aus Inconvenient Truth.

Jetzt gibt’s die Geschichte der USA in Filmausschnitten, zusammengeschnitten von Michael Mann. Es folgt der Schnitt-Oscar für The Departed. Schon wieder falsch getippt.

Mist, die überziehen ganz schön, glaube ich. Ich habe den Festplattenrekorder extra eine Stunde mehr aufnehmen lassen, aber ich bezweifle, ob das gereicht hat. Jetzt kommt erstmal der Clip mit den Toten des letzten Jahres. Ellen spielt jetzt auch drauf an, dass man ziemlich über der Zeit liegt. Jedenfalls geht es nun in den Endspurt. Es fehlen noch Hauptdarsteller, Regie und bester Film.

Wie erwartet darf sich Helen Mirren den Preis für die beste Hauptrolle abholen. Und im nächsten Werbeblock ist meine Aufzeichnung zu Ende. Shit, dummer Fehler. Wo kann ich jetzt den Rest sehen? Bei oscar.com gibt es nur die doofe „Thank You Cam“, dazu immerhin ein paar „Best Moments“ und ein paar Acceptance Speeches. So sehe ich dann doch noch Marty Scorsese und sein „Could you double-check the envelopes?“

Ansonsten gibt es ja immer noch zahlreiche Blogs zu lesen, die live mitgebloggt haben: Batz, René und Nilz von den Fünf Filmfreunden, Anke, der Popkulturjunkie, die Fernseherin, zappingduster, Malte vom Spreeblick, F!XMBR, 3Toastbrot, Oh what a world, das Internetbrain-Blog, affectionista, Brummfisch, Torten, Tanzmusik & Totale Voetbal, das Tivoli-Blog, DWDL und EXTReeeME.Org. Hab ich wen vergessen?

Fazit: Eine überlange, ziemlich zahme und streckenweise langweilige Oscar-Show, die nächstes Jahr wieder einen etwas spritzigeren Moderator braucht. The Departed ist der große Sieger. Ein Remake. Was sagt das über Kreativität in Hollywood? Und morgen werden alle Zeitungen mit Das Leben der Anderen titeln. Es sei den Machern gegönnt. Und meine Tipps? 11 Richtige in 24 Kategorien. Schwach.

 

4 Gedanken zu „Im TV: Academy Awards 2007

  1. Die haben die Länge total verbaselt. Nicht nur, dass die Show nach einem Drittel grunzenöde wurde, irgendwie fehlte am Ende die Zeit um Scorseses Triumph so richtig zu feiern. Ich habe den Großteil der Show gehofft, dass Jack Black und Will Farell nochmal die Bühne stürmen dürfen…

  2. Pingback: Was mit Medien

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