Auf DVD: Napoleon Dynamite

Als ich die ersten Andeutungen zu diesem Film gelesen habe, klingelte sogleich mein Spinnensinn und sagte „Das könnte dir gefallen“: Ein Highschool-Film, bei dem jene Figuren die Stars sind, die sonst immer nur verprügelt und im Spind eingesperrt werden, präsentiert mit angenehm nerdigem Humor. Unbekannte Schauspieler, unbekannter Regisseur (Jared Hess), klang nach einem schönen Indie-Geheimtipp. In den USA war der Film ein kleiner Erfolg, gewann ein paar Preise und gilt für viele Fans als Kultfilm. In Deutschland startete der Film mit zwei Jahren Verspätung und mit sage und schreibe einer Kopie im Kino, also de facto Direct-to-DVD.

Diese fängt dann auch großartig an, mit einem wahnsinnig charmanten Vorspann (den man sich bei Peter anschauen kann), unterlegt mit „We’re Going to Be Friends“ von den White Stripes. Leider ist der Vorspann aus meiner Sicht dann schon das Beste am Film.

Die Handlung entspricht im Grunde den üblichen Genreregeln: Junge muss Mädchen für den Abschlussball finden, es gibt Rivalitäten im Zuge der Wahl zum Schülersprecher. Viel wichtiger als der Plot sind hier aber die Figuren. Und hier haben sich die Macher alle Mühe gegeben, einen Figurenkosmos zu erschaffen, wie er skuriller, nerdiger und außenseiterhafter kaum sein könnte. Napoleon Dynamite (allein der Name!) trägt alle Insignien des Parade-Spackos: komische Haare, komische Brille, komische Zähne, komische Klamotten. Er hat einen Bruder, der mit über 30 noch zu Hause wohnt und seine Freizeit in Dating-Chatrooms verbringt. Eltern gibt es nicht, die Oma muss ins Krankenhaus, also kümmert sich der Onkel um die beiden. Ebenfalls ein Freak, der in einer 80er-Jahre-Zeitschleife hängengeblieben zu sein scheint.

All diese Figuren sind sehr akribisch und liebevoll gestaltet und werden von ihren Schauspielern auch überzeugend gespielt. Normalerweise mag ich sowas, hier hatte ich aber zwei Probleme. Erstens: die Welt von Napoleon Dynamite ist eine pure Spackenwelt. Selbst die weniger freakigen Figuren haben alle irgendeinen Schuss. Wo man hinblickt, sieht man Spacken, und auch der coole, überlegene Schüler und die hübschen Mädchen sehen leicht daneben aus. Wären Napoleon und sein Umfeld dagegen die einzigen Freaks in einer ansonsten normalen Umwelt, die Wirkung wäre viel stärker. So wirkt alles ein bisschen wie ein Zoo.

Zweitens: Die schrulligen Figuren sind einfach zu stark überzeichnet. Hier misslingt, was bei Wes Anderson (Rushmore, Royal Tenenbaums, The Life Aquatic) immer so wunderbar funktioniert: Andersons Charaktere sind immer leicht neben der Spur, im Kern aber liebenswert und sehr sympathisch. Bei den Figuren aus Napoleon Dynamite ist dagegen eher 90 Minuten Fremdschämen angesagt. Als Zuschauer wird man irgendwann eher dazu tendieren, mit dem Finger auf die Figuren zu zeigen und sie auszulachen, als mit ihnen zu sympathisieren.

Trotz einiger schöner Momente, die der Film zweifellos hat (die Zeitmaschine!), bin ich mit ihm nicht recht warm geworden. Im Grunde reicht es auch, sich den Kurzfilm Peluca anzusehen, auf dem die lange Version basiert. Konzentrierter, besser auf den Punkt, lakonischer. Bitteschön:


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