Auf DVD: Alien 1-4

Es gibt ja diese Filme, die man seit Jahren mal gucken wollte, und es doch nie getan hat. Irgendwann, viele Jahre nach allen anderen, schafft man es dann doch. Die Alien-Filme sind bei mir so ein Fall. Der Monster-Sci-Fi-Aspekt hat mich nie so sehr interessiert, aber die Tatsache, dass jeder Film dieser Reihe von einem ganz anderen Regisseur stammt, allesamt große Namen und jeder einzelne mit guten bis großartigen Filmen im Gepäck, gibt der Alien-Reihe (manchen sagen „Quadrilogy“) einen besonderen Reiz.

Und in der Tat: Das Tolle an den Filmen ist, wie hier viermal ein fast identischer, sehr simpler Grundplot variiert wird und die Ergebnisse wirklich ganz verschieden sind. Der Grundplot geht so: Ein Raumschiff, ein paar fiese Monster. Die Monster erledigen die Besatzung des Schiffs nach dem Zehn-kleine-Afroamerikanerlein-Prinzip, und am Schluss überlebt Sigourney Weaver (naja, einmal nicht). Aus dieser Grundidee sind im Laufe von 18 Jahren vier Filme entstanden, die ein schönes Beispiel dafür sind, wie Hollywood aus einem einzigen Samen immer wieder neue, verschiedene und recht ansehnliche Pflanzen züchten kann. Zum Teil liegt das sicher auch daran, dass zwischen den einzelnen Episoden immer mindestens fünf Jahre lagen, in denen sich nicht nur tricktechnisch eine Menge entwickelt hat.

Der Reihe nach, in aller Kürze: Alien von Ridley Scott, für die meisten der beste Film der Reihe. Da schließe ich mich an. Erstens war das damals alles noch neu, zweitens schafft es der Film, mit sehr dezenten Mitteln eine unheimliche Atmosphäre zu erzeugen, die auch bald 30 Jahre nach Entstehung des Films immer noch höchst wirksam ist. Er zeigt wenig und deutet vieles nur an, explizite Horrorszenen gibt es kaum. Bis auf die eine, die dann ja auch zum Instant-Klassiker geworden ist: als zum ersten Mal ein Alien-Baby aus einem Menschenbauch entschlüpft. Kchchchch!

Aliens von James Cameron enthält deutlich mehr Adrenalin, mehr Explosionen und Action. Viel mehr. Irgendwo hab ich mal gelesen: „Wenn Teil 1 eine Geisterbahnfahrt ist, ist Teil 2 eine Achterbahnfahrt.“ Kann man so stehen lassen. Und außerdem gibt’s noch ein süßes kleines Mädchen.

Alien³ (wie spricht man das aus? „Alien zum Kubik“?) von David Fincher musste von den Fans der ersten Teile herbe Kritik einstecken, vor allem weil er vieles von dem, was Scott und Cameron mühsam und liebevoll aufgebaut hatten, handstreichartig über Bord wirft. Am Ende von Aliens hatte man extra das kleine Mädchen überleben lassen, aber weil man es in Teil 3 nicht gebrauchen konnte, hat es dann eben doch nicht überlebt. Alien³ hat immerhin die schöne Idee, die Geschichte auf einer Gefängniskolonie spielen zu lassen und glänzt mit wunderbar dreckigem Set-Design. Leider verliert sich die Story ziemlich schnell in einem völlig chaotischen Katz-und-Maus-Spiel durch die Labyrinthe des Gefängnisses, so dass man nicht nur sehr bald den Überblick, sondern auch das Interesse verliert. Ganz klar der schwächste Film des Quartetts.

Vom vierten Teil, Alien: Resurrection von Jean-Pierre Jeunet, hatte ich dann wirklich nicht mehr viel erwartet. Aber überraschenderweise gefiel mir der richtig gut! Pluspunkte: Erstmals blitzt im Drehbuch immer wieder sowas wie Witz und Ironie auf, außerdem gibt es mit den Weltraumpiraten endlich mal eine Reihe von durchweg sympathischen, interessanten Figuren (gespielt von u.a. Ron Perlman und Winona Ryder), mit denen man schön mitfiebern kann (Okay, das konnte man mit Ripley auch, aber inzwischen wissen wir ja, dass sie vom Alien immer verschont wird). In beiden Aspekten merkt man die Handschrift des Drehbuchautors Jess Whedon, der später mit Buffy und Angel berühmt wurde. Whedon ist zwar mit dem fertigen Film sehr unzufrieden, aber sein typischer Dialogwitz ist hier durchaus zu spüren. Außerdem kann man die Weltraumpiraten wunderbar als Entwurf zur Crew von Whedons SF-Serie Firefly lesen. Weitere Pluspunkte: Die fortgeschrittene Digitaltechnik erlaubt inzwischen das ausgiebige Zeigen der Aliens, was Jeunet dann auch ausführlich tut. Alien: Resurrection ist außerdem der schleimigste und gewalttätigste Film der Reihe (ob man das jetzt als Plus- oder Minuspunkt sieht, hängt von Verfassung, Stimmung und Getränkeversorgung des Publikums ab). Minuspunkt: Das Baby, das gegen Ende von der Alien-Königin geboren wird und das menschliche Züge trägt. Eklig, albern, doof. Gottseidank kann es nicht sprechen, es würde sonst ganz laut „Mami“ zu Ripley sagen. Trotzdem hat mir Alien 4 richtig Spaß gemacht. Bei mir kommt der glatt auf Platz 2.

Hier also meine Reihenfolge: Teil 1 (Klassiker), Teil 4 (Popcornspaß), knapp dahinter Teil 2 (Actionkracher), weit abgeschlagen Teil 3 (verzichtbar). Und bei euch?

 

5 Gedanken zu „Auf DVD: Alien 1-4

  1. Ich mochte den dritten Teil lange lieber als den zweiten… bis ich Alien³ nochmal gesehen habe und feststellte, wie sehr ich den mental in den Jahren verklärt habe, in denen ich ihn mir nicht nochmal angesehen habe. Wobei ich dem vierten auch nicht zuviel abgewinnen kann. Die Schwimmaliens, der Popcornspaß, die lockeren Weltraumpiraten, die Rückkehr von Ellen Ripley, darauf hätte ich verzichten können.

    Der erste Teil bleibt allerdings unerreicht. Diese „working class science fiction“ gefällt mir bis heute sehr gut. Und ich *liebe* die Szenen in dem außerirdischen Wrack. Der riesige, tote Raumpilot gehört mit zum beeindruckendsten, das Giger je entworfen hat. Trotz des Actionfeuerwerks kann ich inzwischen auch Teil 2 einiges abgewinnen: Die Space Marines machen durchaus was her und Cameron spielt die Fiesigkeit von Weyland-Yutani schön aus.

    Meine Rangfolge: 1, 2… nix… nix… 3 & 4.

  2. Endlich mal jemand, mit dem ich die Wertschätzung für den vierten Teil teile. Halte ihn auch für sehr gute Science Fiction Unterhaltung. Allerdings würde ich die ersten beiden Teile noch auf einem geteilten ersten Platz positionieren.

  3. Ich fand den dritten Teil eigentlich nicht schlecht. Leider merkt man ihm an, dass er während der Produktionsphase hitzigen Änderungen unterworfen war. Teil 2 und 4 – naja, düsteres Popcorn-Kino der besseren Sorte. Und Teil 1 ist schon großartig.

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