Im Netz: Ijon Tichy: Raumpilot

In seinen Sterntagebüchern ließ Stanislav Lem den Kosmonauten Ijon Tichy haarsträubende Geschichten nach dem Vorbild des Baron Münchhausen erzählen. Inspiriert von diesen Geschichten drehte vor ein paar Jahren ein kleines Team von Berliner Filmstudenten zwei Kurzfilme. Das ZDF, bzw. dessen „Formatlabor“ quantum, ließ dieses Team jetzt eine kleine Serie mit Ijon Tichy drehen, die ab morgen kommenden Montag, 26.3., sechsmal am späten Montagabend zu sehen ist. Die ZDF-Mediathek zeigt die 15minütigen Episoden vorab im Internet, wo ich mir die erste Folge schon mal zu Gemüte geführt habe.

Das nette an Ijon Tichy: Raumpilot ist der Trash-Charme, den schon die Kurzfilme hatten, und der für die Serie beibehalten wurde. Tichys Raumschiff ist von außen eine Bodum-Kaffeemaschine, von innen eine Berliner Altbauwohnung, deren Gerätschaften (Staubsauger, Kühlschrank usw.) als Bordequipment dienen. Tricks und Effekte werden bewusst billig und „sichtbar“ eingesetzt. Neu ist Nora Tschirner, die als Hologramm auftritt. Die erste Folge erzählt von der Erschaffung dieses Hologramms und von Tichys Kampf gegen eine außerirdische Art von Kuschelbären, die ein bisschen wie Samson aus der Sesamstraße aussehen.

Das alles könnte wirklich sehr nette und witzige Unterhaltung sein, wenn da nicht die Tonspur wäre. Tichy spricht ein Pidgin-Deutsch, das so klingt, wie Leute, die zuviel Erkan und Stefan gesehen haben, denken, dass Russen deutsch sprechen würden (sorry für diesen Schachtelsatz). Sowas mag in einem kurzen Sketch in der Bullyparade o.ä. okay sein, aber über 15 Minuten ist das eindeutig zuviel. Mir ging dieser Sound fürchterlich auf die Nerven und raubte mir wirklich den Spaß an der Sache.

Schade, denn ich wollte Ijon Tichy mögen. Es ist prima, dass das ZDF wenigstens ab und zu mal ein paar Gebühren-Euro für Ungewöhnliches ausgibt und Leute ausprobieren lässt. Sowas müsste öffentlich-rechtliches Fernsehen viel öfter leisten, gerade auf dem Unterhaltungssektor. Ein echter Knüller aber sind die Sterntagebücher nicht. Etwas zu albern und zu wenig echte Lacher. Und der Pseudo-Russen-Akzent, der geht halt überhaupt nicht.

 

7 Gedanken zu „Im Netz: Ijon Tichy: Raumpilot

  1. Hmm – seltsam – in der Mediathek findet sich der Hinweis, dass die Videos erst ab Montag eingestellt werden. Entweder hast du eine TARDIS oder ich bin zu doof die zu finden – ich finde da aber wirklich keine Videos. Nur diese 2057-Dokudrama-Geschichte – schlimm genug anscheinend, muss ich mir aber nochmal ganz ansehen. (Wer hat Schätzing eigentlich zum SF-Fachmann berufen? Argh.)
    Ad Astra

  2. Ich fands klasse, aus den von dir beschriebenen Gründen. Aber stimmt, der Dialekt ist eine Spur zu krrrasss…
    Das wird mir den Spass an der Sache nicht vermiesen, bei den wenigen Fernseh-Experimenten in dieser Richtung muss man nehmen, was kommt…

  3. Als eifriger Leser der Stanislaw-Lem-Bücher ist mir leider zu wenig von dessen Charme übrig geblieben in der ersten Folge. Dafür sind die als Trash getarnten Effekte aber sehr nett anzuschauen. Der alte Gag mit den falsch strukturierten Sätze geht aber gar nicht…

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