Archive for April, 2007

Im TV: Tatort – Der Finger

Jetzt weiß ich wieder, warum ich allenfalls ein- bis zweimal im Jahr den Tatort gucke: Die ein oder andere Perle mag darunter sein, die meisten Folgen sind jedoch von ausgeprägter Mittelmäßigkeit. Nicht so schlecht, dass man direkt abschaltet. Aber so, dass man hinterher verzweifelt fragt, wer einem jetzt die 90 Minuten vergeudeter Lebenszeit wieder zurück erstattet. Der Finger mit dem bewährten Münchner Kommissarenteam hatte einige nette Momente, vor allem in den Kabbeleien zwischen Batic/Leitmayr/Menzinger. Der Rest aber pendelte zwischen unglaubwürdigen, an den Haaren herbeigezogenen Plotpoints (Fahrrad verfolgt Müllwagen) und einer ganzen Batterie von Klischees über Nobelrestaurants und deren Besucher, Besitzer und Kritiker.

Und all die Figuren, um die die Krimihandlung sich drehte, blieben mir den gesamten Film so egal wie nur was. Münchner Nobelhobel, wie man sie sich vorstellt, wenn man jahrzehntelang Derrick geschaut hat. Und das, obwohl immerhin Helmut Berger den Spitzenkoch spielte. Aber anstatt ihn Kinski-mäßig aufdrehen zu lassen, ließ Regisseur Peter Fratzscher ihn lieber in einer Berghütte vor einem Videotape rumheulen.

Fade, unspannend, behäbig. Ist das immer so oder erwische ich einfach nur die falschen Tatort-Folgen?

Vorspannsitzenbleiber

Neulich bei YouTube entdeckt: ein Zusammenschnitt von 25 der schönsten Filmtitel-Sequenzen, natürlich mit mehreren Beiträgen von Meister Saul Bass, mit dem herrlichen Auftakt zu Catch Me If You Can, dem schmutzigen Se7en-Vorspann, aber auch mit unbekannteren Sachen. Die Kunst des liebevollen und aufwendigen Film-Vorspanns scheint ja leider so langsam verloren zu gehen. Der Trend geht immer öfter dahin, die kompletten Credits ganz ans Ende des Films zu packen, wo sie dann oft nicht mehr als weiße Schrift auf schwarzem Grund sind.

Nun also 25 schöne Beispiele. Weiterlesen…

Trailerschau für Filmstarts vom 26.4.

Im Kino sehen:
Man cheng jin dai huang jin jia (Der Fluch der goldenen Blume): Nach Hero und House of Flying Daggers das nächste Hochglanz-Martial-Arts-Epos von Zhang Yimou. Ich mochte die beiden genannten Filme und bin gespannt auf den dritten, auch wenn der vielleicht eine Portion Kitsch und Pathos zuviel mitbringt.

Die Hochstapler: Vier Hochstapler erzählen, wie sie eine Menge Leute betrogen und um eine Menge Geld gebracht haben. Wenn der Film soviel komisches Potential hat, wie der Trailer andeutet, wird das einer der Dokumentarfilme des Jahres.

Auf die DVD warten:
Little Children: Kate Winslet in einem Drama über Ehefrust und Vorstadthölle, das ein wenig in Richtung American Beauty zu gehen scheint. Nur ohne dessen Humor.

Inland Empire: Ich hatte mich sehr auf den neuen David Lynch gefreut, aber ob ich mir dieses extrem sperrige Drei-Stunden-Teil wirklich geben will? Vielleicht doch lieber erstmal die Twin Peaks-Boxen zuende gucken.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Catch & Release (Lieben und lassen): RomCom mit Jennifer Garner. Kein Genre mag ich weniger. Obwohl ich Kevin Smith und Juliette Lewis, die beide in dem Film mitspielen, ja schon ganz gern mal wieder sehen würde…

Valerie: Kleiner deutscher Film über ein Ex-Model, das alles verloren hat und auf einmal ohne Geld und ohne Wohnung dasteht.

Muss nicht sein:
Pars – Kiraz Operasyonu (Pars – Operation Kirsche): Türkischer Action-Thriller mit Udo Kier (!), irgendwo zwischen Hollywood und Alarm für Cobra 11.

The Marine: Ich wusste gar nicht, dass die Wrestling-Liga WWE auch Filme produziert. Das hier ist jedenfalls ein Hirnlos-Äktschnfilm, bei dem man ständig darauf wartet, dass Jean-Claude van Damme oder Steven Seagal auftreten.

Raten auf Raten

Chöin! Ein Schokodrops-Hersteller stellt seine Drops aus dunkler Schokolade vor und lässt uns dunkle Filme suchen:

Ich bin ziemlich schlecht. Ich hab erst sieben. Die ganz leichten.
(via filmtagebuch)

Im Kino: 300

Ach, eigentlich habe ich keine Lust, noch groß was zu 300 zu schreiben, den ich mir gestern dann doch noch angeschaut habe. Das Netz ist weiß Gott voll von Meinungen zu diesem Film, und im Grunde ist der Film dieses Höchstmaß an Aufmerksamkeit gar nicht wert. Ich habe aber den Kinogang nicht bereut. Durch die Lektüre einiger Reviews (und des Comics) war ich auf die dünne, fragwürdige Story vorbereitet und konnte mich auf die visuelle Umsetzung konzentrieren (Impfnarben zählen z.B.). Und die kann man sich durchaus mal ansehen, das hat schon was. Beim Soundtrack sieht’s allerdings schon wieder ganz anders aus.

Und irgendwie hab ich mir 300 auch deshalb angesehen, “um mitreden zu können”, bzw. um mitlesen zu können. Die Kommentare und Diskussionen nämlich, die in diversen Blogs und Foren so toben. Die sind unterhaltsamer und auch spannender als der Film, brauchen diesen aber halt als Grundlage.

Die Frage, die ich mir während des Films immer wieder gestellt habe: “Was passiert mit 16jährigen Jungs, die das sehen und irre geil finden?” Manche Äußerungen im Netz geben da eine eher beunruhigende Antwort.

Im Kino: Full Metal Village

“Ein Heimatfilm von Sung-Hyung Cho”, das klingt bodenständig und zugleich kurios. Gleiches lässt sich auch über den Film sagen. Die gebürtige Koreanerin beobachtet mit dem interessierten Blick eines Fremden das Leben im kleinen Bauerndörfchen Wacken in Schleswig-Holstein. Wir lernen eine kleine Auswahl von Dorfbewohnern kennen, die meisten davon sind in der Landwirtschaft tätig und führen ein recht gemütliches Landleben.

Sung-Hyung Cho, die teilweise Michael-Moore-artig selbst im Bild ist, zeigt uns unter anderem den kettenrauchenden Bauern, der überall mitmischt, zwei alte Damen beim Kaffeekränzchen, den alten Milchbauern, den nichts aus der Ruhe bringt und zwei Teenagermädchen, die gerne auch mal modeln wollen. Außerdem einen arbeitslosen Familienvater, der früher mal beim Organisieren des hiesigen Rockfestivals mitgeholfen hat. Inzwischen ist dieses Festival, das Wacken Open Air, zu einem der weltweit größten Heavy-Metal-Events geworden.

Die Leute vom Land und die “Metalheads” prallen erst im letzten Drittel des Films aufeinander, wobei es zu bezaubernden Szenen kommt. Denn ein “Clash of Cultures” findet nicht statt, die beiden scheinbar so fremden Welten harmonieren wunderbar: Die Dörfler helfen in großer Zahl als Ordner mit, die Metalfans stellen sich brav beim Edeka-Markt in die Schlange, um ihre Biervorräte aufzufüllen. Und die örtliche Blaskapelle eröffnet das Festival mit Marschmusik und Polka, während im Moshpit fröhliches Headbanging angesagt ist. Großartige Szenen, eingefangen in subtil-schönen Bildern, die (ganz ähnlich wie der Film Heavy Metal auf dem Lande) die Message vermitteln, dass Metal und Kuhdorf bestens zusammenpassen.

Das eigentlich schöne an Full Metal Village ist aber, dass es eben keine Doku über das Wacken Open Air ist, sondern ein intimes Porträt der Dorfbewohner. Ohne das Festival wäre der Film zwar um einige skurille Szenen ärmer, würde aber immer noch funktionieren. Sung-Hyung Cho lässt die Leute reden, manchmal so lange, dass kleine Abgründe offenbar werden und der Zuschauer sein Bild vom hochsympathischen Landbewohner, das er bis dahin hatte, ein bisschen geraderücken muss. Somit besteht das Bild vom ländlichen Idyll, in dem die Welt noch in Ordnung ist, allenfalls vordergründig.

Absolute Empfehlung!

Trailerschau für Filmstarts vom 19.4.

Im Kino sehen:
Full Metal Village: Mein Tipp der Woche: Ein Porträt des Dorfes Wacken, in das einmal im Jahr die Metal-Fans einfallen. Gestern schon gesehen, Review folgt.

Sunshine: Danny Boyle mit einem Science-Fiction-Film irgendwo zwischen 2001 und Armageddon. Schicke Bilder!

Vielleicht mal im Fernsehen:
Beijing Bubbles – Punk and Rock in China’s Capital: Wie der Titel schon sagt, eine Doku über Rockmusik in Peking, wo der Rock’n'Roll-Lifestyle tatsächlich noch etwas sehr subversives darstellt.

Slumming: Zwei junge Wiener machen sich einen Spaß daraus, in den mieseren Vierteln der Stadt Leute zu beobachten. Eine Mischung aus schwarzer Komödie, Drama und Sozialstudie, wie es wohl nur die Österreicher hinbekommen.

Shooter: Thriller mit Mark Wahlberg als Scharfschütze, mit dem ein intrigantes Spiel gespielt wird. Kann man mal ansehen, wer’s nicht tut, wird aber wohl auch nicht viel verpassen.

The Reaping (The Reaping – Die Boten der Apokalypse): Hillary Swank muss als Wissenschaftlerin erklären, warum zehn biblische Plagen über ein Südstaatendorf hereinbrechen. Ein (pseudo-) religiöser Thriller also. Schon wieder.

Muss nicht sein:
Dunia: Eine Bauchtänzerin auf der Suche nach Leidenschaft, in einer Gesellschaft, in der Frauen nicht leidenschaftlich sein dürfen. Anspruchsvolles Kino aus Ägypten. Dafür bin ich zu sehr Kunstbanause.

Der Liebeswunsch: Drama nach einem Buchbestseller. Tolle Darsteller, aber sehr viel Schwere.

Vier Fenster: Ich hab’s nicht so mit diesen depressiven Befindlichkeitsfilmen. Was nicht heißen soll, dass Vier Fenster nicht sehenswert wäre.

Troy: Director’s Cut (Troja: Director’s Cut): Troy war ja nur 160 Minuten lang, da fehlt uns unbedingt noch eine 40 Minuten längere Fassung. Ist das Zufall, dass der gerade während des 300-Hypes ins Kino kommt?

Wild Hogs (Born to be wild – Saumäßig unterwegs): Doofie-Komödie mit Travolta, Tim Allen und leider auch William H. Macy als Möchtegern-Motorradgang. Bitte, William, spiel in besseren Filmen mit!

Messi!

Mehr Fußballschmankerl für mehrere Stunden hat die 11 Freunde Flimmerkiste.