Auf DVD: Rocky

Also eins kam man Rocky (dem Original aus dem Jahre 1976) schon mal nicht vorwerfen. Dass er komplex wäre. Nein, die Story ist extrem simpel und straight (was ja nichts schlechtes sein muss): Kleiner erfolgloser Boxer schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben, aus heiterem Himmel bekommt er die Chance auf einen großen Titelkampf, diesen begreift er als große Gelegenheit, den amerikanischen Tellerwäschertraum zu verwirklichen.

Diesen simplen Plot bringt der Film auch souverän rüber, begeistert hat er mich aber trotzdem nicht. Das kann unter anderem daran liegen, dass das Erzähltempo vor 31 Jahren nun mal deutlich behäbiger war als heute. Ich habe nichts gegen langsames und ruhiges Erzählen. Aber gegen langatmiges und schnarchnasiges, und beides ist in den ersten 90 Minuten der Fall. Dazu kommen Dialoge, die zumindest in der deutschen Synchro so hölzern klingen, dass es kracht.

Zwei Punkte haben mich aber noch mehr gestört: Zum einen die Lovestory mit Adrian, dem schüchternen Mauerblümchen von nebenan. Hier wollte man gegen ein Klischee arbeiten (mal kein sexy Babe als Partnerin des Helden), nur um sofort im nächsten zu landen (bebrilltes Mädchen, das nur darauf wartet, von einem Prinzen aufgeweckt zu werden). Und was genau finden die beiden jetzt am jeweils anderen so anziehend? Der zweite Knackpunkt ist Rockys unverhoffter Aufstieg zum Herausforderer eines Champions. Hier ist Drehbuchautor Stallone überhaupt nichts überzeugendes eingefallen: Der Champion fischt Rocky zufällig aus einem Boxer-Verzeichnis, weil er den Kampfnamen „Italian Stallion“ so toll findet. Tut mir leid, das kauf ich euch nicht ab.

Im letzten Viertel kriegt der Film dann nochmal die Kurve: Rockys hartes Training, die Szene mit dem alten Mickey, der sich als Manager andient, der schöne Moment mit Rocky allein in der großen Halle am Vorabend des Kampfes und schließlich der meisterlich und (im Gegensatz zum Rest) auch sehr temporeich inszenierte Höhepunkt, der Kampf um den WM-Titel. Ich glaube ja, dass Rocky vor allem deshalb so einen Legendenstatus hat, weil die Geschichte des Films in der Realität gespiegelt wurde, weil der Schauspieler Stallone ebenso von Null auf Hundert ging wie der Boxer Rocky. Der American Dream halt. Mit heutigen Augen betrachtet, sieht man jedoch keinen Nobody auf der Leinwand, sondern einen Weltstar in jung, und das nimmt dem Film womöglich genau den Zauber, den er vielleicht mal gehabt hat.

 

2 Gedanken zu „Auf DVD: Rocky

  1. Das wirklich Schlimme an der Sache ist, dass Rocky (den ich als Film schon sehr unterhaltsam finde) den Oscar bekommen hat, während Taxi Driver und Network leer ausgingen.

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