Im Kino: Full Metal Village

„Ein Heimatfilm von Sung-Hyung Cho“, das klingt bodenständig und zugleich kurios. Gleiches lässt sich auch über den Film sagen. Die gebürtige Koreanerin beobachtet mit dem interessierten Blick eines Fremden das Leben im kleinen Bauerndörfchen Wacken in Schleswig-Holstein. Wir lernen eine kleine Auswahl von Dorfbewohnern kennen, die meisten davon sind in der Landwirtschaft tätig und führen ein recht gemütliches Landleben.

Sung-Hyung Cho, die teilweise Michael-Moore-artig selbst im Bild ist, zeigt uns unter anderem den kettenrauchenden Bauern, der überall mitmischt, zwei alte Damen beim Kaffeekränzchen, den alten Milchbauern, den nichts aus der Ruhe bringt und zwei Teenagermädchen, die gerne auch mal modeln wollen. Außerdem einen arbeitslosen Familienvater, der früher mal beim Organisieren des hiesigen Rockfestivals mitgeholfen hat. Inzwischen ist dieses Festival, das Wacken Open Air, zu einem der weltweit größten Heavy-Metal-Events geworden.

Die Leute vom Land und die „Metalheads“ prallen erst im letzten Drittel des Films aufeinander, wobei es zu bezaubernden Szenen kommt. Denn ein „Clash of Cultures“ findet nicht statt, die beiden scheinbar so fremden Welten harmonieren wunderbar: Die Dörfler helfen in großer Zahl als Ordner mit, die Metalfans stellen sich brav beim Edeka-Markt in die Schlange, um ihre Biervorräte aufzufüllen. Und die örtliche Blaskapelle eröffnet das Festival mit Marschmusik und Polka, während im Moshpit fröhliches Headbanging angesagt ist. Großartige Szenen, eingefangen in subtil-schönen Bildern, die (ganz ähnlich wie der Film Heavy Metal auf dem Lande) die Message vermitteln, dass Metal und Kuhdorf bestens zusammenpassen.

Das eigentlich schöne an Full Metal Village ist aber, dass es eben keine Doku über das Wacken Open Air ist, sondern ein intimes Porträt der Dorfbewohner. Ohne das Festival wäre der Film zwar um einige skurille Szenen ärmer, würde aber immer noch funktionieren. Sung-Hyung Cho lässt die Leute reden, manchmal so lange, dass kleine Abgründe offenbar werden und der Zuschauer sein Bild vom hochsympathischen Landbewohner, das er bis dahin hatte, ein bisschen geraderücken muss. Somit besteht das Bild vom ländlichen Idyll, in dem die Welt noch in Ordnung ist, allenfalls vordergründig.

Absolute Empfehlung!

 

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